Erst zum Patentamt und dann zur Matura

Tanja Traxler, 5. Juni 2012, 21:43

"Jugend Innovativ" ist der größte Wettbewerb für junge Erfinder in Österreich - Beim Finale letzte Woche wurden die Siegerprojekte der Schüler, vom optimierten Blutbeutel bis zur Erste-Hilfe-App, gekürt

Eine Oma will mit ihrem Enkel einen Waldspaziergang machen. Doch ihre Gehhilfe streikt im unwegsamen Gelände. Er erzählt seinen Klassenkameraden davon, die Problemstellung ist schnell formuliert: Eine automatisierte Gehhilfe, die Hindernisse selbst überwinden kann, muss her. Die Umsetzung der Idee, der "E-Rollator", hat es bis ins Bundesfinale des größten Wettbewerbs für jugendliche Erfinder in Österreich geschafft: "Jugend Innovativ".

Letzten Freitag wurden die Preisträger von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner am FH-Campus Wien prämiert. Der vom Wirtschaftsministerium und Unterrichtsministerium finanzierte Bewerb, der von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS) ausgetragen wird, feiert heuer sein 25-jähriges Jubiläum. "Jugend Innovativ" ist damit um einige Jahre älter als seine Teilnehmer und ist eine Erfolgsgeschichte: Stetig steigt die Zahl der eingereichten Projekte, heuer waren es 539. Zuletzt konnten "Jugend Innovativ"-Gewinner außerdem bei der Intel Science and Engineering Fair, dem weltgrößten Wettbewerb für Schülererfinder, einen dritten Platz erzielen (DER STANDARD berichtete).

In der Bilanz über 25 Jahre "Jugend Innovativ" zeigt sich, dass sich Schüler aus Oberösterreich am fleißigsten noch bevor sie eine Uni besuchen in die Forschung einbringen. 22 Prozent der Einreichungen kamen aus diesem Bundesland, gefolgt von Wien (19 Prozent) und Niederösterreich (15 Prozent).

Am liebsten wird gebastelt

Die beliebteste unter den sechs Kategorien, in denen junge Erfinder ihre Projekte einreichen können, ist traditionell Engineering, auch heuer fiel wieder mit 268 Projekten knapp die Hälfte der Einreichungen in diese Kategorie. Weniger Projekte als in den Vorjahren gab es heuer in Science (22 Einreichungen) und idea.goes.app (26). Im Mittelfeld lagen Klimaschutz (57), Business (69) und Design (97).

Der Wirtschaftsminister lobte das breite Interesse der Jugendlichen. Es werde viel über Forschung und ihre Finanzierung geredet. "Doch wenn sich junge Leute nicht dafür interessieren, ist alles andere umsonst", sagte Mitterlehner.

Für viele der aus allen neun Bundesländern angereisten Jugendlichen fiel das Finale und die vorangegangene Ausstellung ihrer Projekte gerade zwischen schriftliche und mündliche Matura, die Arbeit an ihrem Projekt haben sie während des Schuljahrs verfolgt. Wenn sie davon erzählen, sprechen sie wie selbstverständlich von ihren eigenen Firmengründungen, Patentanmeldungen und Publikationen.

Lukas Bernhofen, Schüler der HTL Braunau, ist einer, dessen Erfindung es bereits bis zum Patentamt geschafft hat. Weil sich Solarenergie und Windkraft zwar zunehmender Beliebtheit erfreuen, die Speicherung aber problematisch ist, entwickelte er eine intelligente Steuerung für elektrische Geräte. Mit dieser sollen Geschirrspüler, Waschmaschine oder Akkuladestationen mit den Stromquellen kommunizieren. Sie schalten sich automatisch dann ein, wenn etwa die Sonne scheint oder sich das Windrad dreht, und greifen nicht auf fossile Energieträger zurück.

"Es gibt viele Geräte, bei denen es egal ist, wann man sie in Betrieb hat", sagt Bernhofen. Würde seine Steuerung in alle Waschmaschinen Österreichs eingebaut werden, könnten drei Kohlekraftwerke eingespart werden, rechnet er vor. Seine Erfindung hat ihm den ersten Platz des von der Raiffeisen Klimainitiative gesponserten und mit 2000 Euro dotierten Preises in der Kategorie Klimaschutz eingebracht.

Blutbeutel optimieren

Ressourcen zu sparen ist auch das Ziel des Projekts von Melanie Steinbauer und Michaela Gruber. Im Auftrag der Universitätsklinik Salzburg haben die beiden Schülerinnen der HTBLuVA Salzburg eine Möglichkeit ausgearbeitet, Bluttransfusionsbeutel zu optimieren. Derzeit wird bei Blutspenden ein Teil des Blutes in Proberöhrchen abgefüllt. Damit das Blut nicht gerinnt, werden Substanzen zugemischt, die allerdings die Testergebnisse verfälschen, sagt Steinbauer. Mit einem Schlauch, der direkt an die Mutterkonserve angeschlossen und in Segmente geteilt wird, soll das zeitaufwändige Abfüllen der Röhrchen wegfallen. Ein weiterer Vorteil: Die Testergebnisse werden exakter. Die Erfindung soll noch dieses Jahr in der Universitätsklinik Salzburg in der Praxis erprobt werden. Die Schülerinnen wurden dafür mit dem dritten Platz in der Kategorie Science geehrt.

Ebenfalls im Bereich Gesundheit haben sich die Gewinner der von T-Systems gesponserten Kategorie idea.goes.app engagiert: Mit dem Projekt "First Aid Live" entwickelten drei Schüler der HTBLuVA Salzburg eine App, mit der Ersthelfer Anweisungen unkompliziert und spezifiziert via Smartphone erhalten können. Als ersten interessierten Kooperationspartner konnte das Trio bereits das Rote Kreuz gewinnen.

Übrigens: Nachdem der E-Rollator (2. Platz Engineering) nun den FH-Campus Wien verlassen hat, heißt das noch lange nicht, dass er schon im Waldeinsatz ist: Zuerst wollen die Erfinder noch kleine Konstruktionsänderungen vornehmen. Im November wollen sie ihn dann bei der Erfindermesse in Nürnberg präsentieren. (Tanja Traxler, DER STANDARD, 6./7.6.2012)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.