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Es begann mit den Protesten im Iran 2009. Die Welle der "Social Media Revolution" setzte sich im Arabischen Frühling fort und geht bis zur Occupy-Bewegung. Ohne die Mobilisierungskräfte des Internets ist politisches Aufbegehren heute nicht mehr denkbar.
Nun steht das Netz wieder einmal selbst im Mittelpunkt weltweiter Kundgebungen: Die Gegner des umstrittenen Anti-Piraterie-Abkommens Acta rufen am 9. Juni erneut zu einem weltweiten Aktionstag für ein freies, unreglementiertes Netz und gegen Zensur auf - selbstverständlich über sämtliche Social-Media-Kanäle.
Anfang Juli wird auf EU-Ebene über Acta abgestimmt - ein Inkrafttreten wird nicht erwartet. Drei Parlamentsausschüsse lehnten das Abkommen bereits ab, zahlreiche Mitgliedsstaaten haben die Ratifizierung verweigert. Ein Wandel, den sich eine zivilgesellschaftliche Bewegung auf die Fahnen schreiben kann, die den virtuellen Protest erfolgreich mit der Straße - und auch den politischen Strukturen - vernetzt hat. So haben mehr als 2,8 Millionen Menschen eine an das EU-Parlament gerichtete Online-Petition gegen Acta unterstützt.
Kein Einzelfall: Während etablierte Parteien und Politiker versuchen, sich angesichts von Wähler- und Vertrauensverlusten mit Facebook-Auftritten ein netzaffines Mäntelchen umzuhängen und - angeheizt durch den Erfolg der Piratenpartei - Rufen nach mehr direkter Demokratie, Transparenz und Mitbestimmung nachgeben, formieren sich längst mehr oder weniger schlagkräftige Bürgerbewegungen im Netz.
"Wie erfolgreich solche Aktionen sind, hängt nach wie vor davon ab, ob die Massenmedien das Thema aufgreifen", betont Judith Schoßböck vom Zentrum für E-Governance der Donau-Universität Krems. Und die wiederum covern gern öffentlichkeitswirksame Demos und Besetzungen. Welche Formen politischer Online-Aktivismus annehmen kann, hat Schoßböck mit drei Kollegen aus Schweden, Dänemark und Österreich untersucht.
Als Grundlage dienten drei Fallbeispiele, in denen Twitter, Facebook, Youtube, Blogs und SMS eine wesentliche Rolle spielten: Die "unibrennt"-Aktionen in Wien 2009, Proteste gegen Neonazi-Aufmärsche in Dresden und Leipzig 2010 und 2011 sowie eine schwedische Bürgerinitiative, die 2009 ein öffentliches Badehaus besetzte, um es zu erhalten. Aus einer Analyse der Diskurse im Internet entwickelte das Forscherteam eine Typologie, die sich an zwei Kriterien orientierte: Wird das bekämpfte Gegenüber eher als Feind oder als verhandlungsfähiger Kontrahent gesehen? Und wie groß ist die Bereitschaft, auch in der Öffentlichkeit zivilen Ungehorsam zu leisten?
Mit Slacktivism und Gandhi
Typ 1 bewegt sich meist innerhalb der sicheren Wände der Websphäre: Der "Salon-Aktivist" hat einen klar definierten Feind, würde aber niemals auf der Straße dafür einstehen. Zur Mobilisierung der Massen per Twitter & Co eignet er sich aber ausgezeichnet. Im Gegensatz dazu nimmt der "Streitbare" selbst Gesetzesverstöße in Kauf, um den Feind zu schlagen. Er ist bei Hacking-Attacken genauso dabei wie offline bei Besetzungen. Typ 3 ist der "gesetzestreue Aktivist": Er respektiert seine Kontrahenten, engagiert sich bei Online-Petitionen und politischen Diskussionen, ist aber nicht bereit, sich in riskante Situationen zu begeben.
Dieser Typus wird auch mit "Slacktivism" oder "Clicktivism" in Verbindung gebracht - viel mehr als ein Klick auf den Like-Button zur Beruhigung des Gewissens ist oft nicht drin, die Wirkung auf einen "kognitiven Effekt" beschränkt, wie Judith Schoßböck erklärt. Friedfertigen, aber durchaus bestimmten Widerstand leistet der "Gandhi-Aktivist": Er lässt sich auf Diskussionen mit seinem Gegenüber ein und dokumentiert, etwa mit Videos, was sich während einer Demo abspielt.
Im Netzaktivismus sehen Wissenschafter eine Spielwiese für neue Formen der Bürgerbeteiligung und Demokratisierung: "Die extrem hohe Kommunikations- und Organisationsfähigkeit der Gesellschaft durch das Netz und das völlig neue Benutzerverhalten ändern die politischen Spielregeln und Machtverhältnisse massiv", drückt es Peter Parycek aus. Der Leiter des Zentrums für E-Governance der Donau-Uni Krems erforscht elektronische Partizipationsmodelle und arbeitet mit dem Bundeskanzleramt an einem Open-Data-Portal, das Verwaltungsdaten der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Wege zum Government 2.0
Diese Versuche "von oben", politische Prozesse transparenter zu machen, müssten verknüpft werden mit der aktiven Beteiligung der Wut-, Mutbürger- und sonstigen Initiativen, um der Vision eines Government 2.0 näherzukommen, meinen die Netzdemokratie-Experten. Regieren nach den Prinzipien sozialer Netzwerke sozusagen. Ansätze dafür gibt es schon: Auf lokaler Ebene werden in vielen Ländern bereits Modelle erprobt, bei denen die Bürger mittels Online-Tools mitreden können. "Ein Vorzeigebeispiel ist Island, das über einen aufwändigen Prozess das Volk die Verfassung schreiben ließ - mithilfe von sozialen Medien wie Facebook", schildert Parycek. "Die Herausforderung für die Politik besteht darin, viel stärker mit der Zivilbevölkerung in Dialog zu treten und dafür neue Regelwerke zu finden. Dabei müssen Beteiligungsprozesse so gestaltet werden, dass keine polemischen Diskurse entstehen, bei dem sich nur die einfachsten Rezepte durchsetzen."
Auf den richtigen Riecher der Crowd setzt auch die Piratenpartei: Digitale Partizipation ist ihr Programm, was sie derzeit im Probelauf testet. Das Konzept heißt Liquid Democracy und will repräsentative mit direkter Demokratie verbinden. Der Bürger soll dabei jederzeit seine Stimme bei jedem politische Vorhaben einsetzen oder sie an einen kundigen Stellvertreter übertragen können - solange er das für richtig hält.
Noch sind viele Probleme der elektronischen Beteiligung ungelöst: Entscheidungsfindungen dauern lange, der Widerstreit zwischen Datenschutz und Transparenz ist nicht ausgefochten. "Wesentlich sind der Motivationsfaktor und klare Prozesse", sagt Judith Schoßböck. "Die Leute müssen wissen, was mit ihrer Stimme passiert, und Feedback bekommen."
Die Netzaktivisten werden auch in Zukunft gehörig an den bestehenden Strukturen rütteln, sind sich die E-Government-Wissenschafter von der Donau-Uni Krems einig. Eines ist für Judith Schoßböck klar: "Government 2.0 ist letztlich mit einer Machtabgabe verbunden." Eine Macht, die sich schon jetzt zumindest zu einem kleinen Teil in den sozialen Netzwerken breitgemacht hat. (Karin Krichmayr, DER STANDARD, 6./7.6.2012)
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hallo scio und ernst,
ich persönlich habe völlig andere Erfahrungen im Ber-
eich der Internetfreiheit. Für meine vagen und ein bißchen unkorrekten Anschaungen auf dem Gebiet der Archäologie und Ägyptologie wurde ich 3 mal aus dem Forum Alien.de ausgekegelt, um nie wieder aufgenommen zu werden. Ich war sehr freundlich,
höflich, versuchte aber meine Ansichten mit überzeu-
genden Argumenten durchzusetzen.
Meine Frage : gibt es die Meinungsfreiheit ?
Einige hier verwechseln Demokratie mit totaler Freiheit im Netz. Demokratie bedeutet doch wohl eher, gemeinsam eine möglichst gute Entscheidung finden, die auch auf Minderheiten Rücksicht nimmt. Totale Freiheit kann man nur als Einzelwesen auf einer Insel finden - sobald sich andere Menschen im eigenen Umfeld bewegen, die natürlich auch oft unterschiedliche Ansichten haben, braucht es Kontakt- und Kompromißbereitschaft. Mich stört vor allem jene, gar nicht so kleine Gruppe von Menschen, die unter dem "Schutz eines anonymen Netzes" alles und jeden auf die primitivste Weise beleidigen, mobben und verleumden. Das kann schon gar nicht Sinn von Freiheit sein!
die message des artikels widerspricht sich doch selbst: einerseits versucht der staat, die freiheit im internet durch ACTA zu beschränken und unter kontrolle zu bekommen - andererseits soll das internet von regierungen genutzt werden, um die verbindung zwischen staat und bürger im sinne einer "demokratischeren politik" zu verstärken. da kann sich wohl jemand nicht entscheiden: entweder den bürger stärker an den staat binden, das bedeutet dann nicht "mehr demokratie", sondern mehr staatliche kontrolle. oder die freiheit im internet stärken, das bedeutet dann die kontrolle durch den staat zu verringern und die verbindung bürger-staat zu lösen. der artikel vermischt alles.
und hier wehren sich die Staaten ENERGISCH dagegen Transparenz zu schaffen.
Klar der Staat darf wissen wo ich den ganzen Tag hingehe, mit wem ich rede oder schreibe, aber welche Verbrecher wie viel Vermögen auf ihren Konten sammeln dürfen wir nicht erfahren
(nicht dass alle Wohlhabenden Verbrecher wären, aber beim Internet stehen wir ja auch alle unter Generalverdacht.)
Wer ist gefährlicher, jemand der über eine Bombe schreibt, oder jemand der sich tausende Bomben leisten kann ?
Jemand der im Internet scheiss redet, oder jemand der es sich leisten kann diesen Scheiss auf Millionen Plakate zu drucken und überall aufzuhängen?
Die Elite hat Angst, sie klammert sich mit aller Macht an ihre Millardenzinsen mit der sie die Welt versklaven
Deshalb wollend die Regierungen es Kontrolieren .
Wenn sich die Welt richtig entwickelt werden in 40 Jahren alle Entscheidungen Basisdemokratisch gefällt werden via Smartphones fernseher Computer ( oder Brainphone wenn es das dann schon gibt ;-) )
natürlich wollen das die Herschenden Eliten unterbinden , in China ist ihnen das schon recht früh klar geworden und Netzzensur ist Standard wir dürfen unter KEINEN Umständen die Netzfreiheit aufgeben , jeder muss posten dürfen was er denkt und mag es noch so ein Trolling sein !
http://www.youtube.com/watch?v=XoHz9UmbPF4
Andererseits: Google findet gehackte Webseiten
http://www.youtube.com/watch?v=6... ure=relmfu
Für denn Standard:
Zugriff auf passwortgeschützte Webseiten
http://www.youtube.com/watch?v=j... ure=relmfu
http://www.youtube.com/watch?v=L... re=related
Umstrittenes "Totalüberwachungs"-System INDECT soll Randalierer im Auge behalten
http://derstandard.at/133120709... ussball-EM
INDECT
http://de.wikipedia.org/wiki/Indect
Ihr Ernst?
Sie wissen offenbar nicht wer und was wirklich hinter Avaaz steckt. Diese Avaaz-"Initiativen" bringen rein garnichts und die sind nur auf Ihre Daten aus. Googlen sie einfach mal die Kritik die an Avaaz ausgeübt wird und welche Probleme es mit Avaaz gibt, etc.
Naja, bis 2010 findet man Publikationen vom Leiter des Zentrums, Peter Parycek:
http://www.donau-uni.ac.at/de/univer... /index.php
http://scholar.google.com/scholar?a... er+Parycek
Ob die was Wert sind kann ich nicht beurteilen.
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