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Speisen kennen, so heißt es, ebenso wie Vögel keine Staatsgrenzen. Sie ziehen von einem Land zum andern, mitunter auch weiter, lassen sich manchmal nieder und passen sich gerne an. So war das etwa beim Gulasch, das integrativer Bestandteil der Wiener Küche ist, im Grunde aber, wie jeder weiß, in einer andersgearteten Form in Ungarn entstanden ist. Und so ist das beim Borschtsch, diesem Eintopf (mancherorts eher eine Suppe), der in unterschiedlichen Spielarten in Krakau genauso beheimatet ist wie in Vilnius, Kiew, Moskau, ja bis hin nach Wladiwostok am japanischen Meer. Und nach Jahrzehnten der Auswanderung auch in Berlin und Paris, Brooklyn und mittlerweile London. Warum es der Borschtsch im Gegensatz zum Gulasch in keiner seiner unzähligen Varianten in die vermeintlich so integrative Wiener Küche geschafft hat, bleibt freilich ein Rätsel - gehörten doch einige seiner Verbreitungsgebiete über lange Jahre zur Donaumonarchie.
Anderseits schaffen Speisen, im Unterschied zu Vögeln, manchmal Grenzen. Man denke an den Weißwurstäquator oder den Röstigraben. In diesem Fall hingegen spricht man vom Borschtschgürtel oder besser gesagt von zweien. Der eine, um den es hier geht, umfasst die schier endlosen Weiten zwischen Donau und Amur, der andere ein Gebiet in Upstate New York, wo einst jüdische Einwanderer aus Osteuropa urlaubten. Aber ein Gürtel ist ja keine Grenze. Und trotzdem entzweit der Borschtsch Nationen, anstatt sie zu umfassen.
Barszcz ist nicht gleich Borschtsch
Ungeachtet der Eintracht, die nun anlässlich der gemeinsam veranstalteten Europameisterschaft an den Tag gelegt wird, schwelt der Streit um die Herkunft des Borschtsch zwischen Polen und Ukrainern. Wobei die Polen eigentlich ihre eigene Variante kochen, die mit der ukrainischen nur die Rote Rübe und - bedingt - den Namen gemein hat. "Der echte polnische Barszcz ist eine klare Suppe, die aus Roten Rüben gemacht wird", sagt Katharina Koperwas, Besitzerin und Köchin des Restaurants Koperwas in Wien 9, "aber nicht jede Rote-Rüben-Suppe ist ein Barszcz." Die Seele der polnischen Version des Borschtsch ist die Säure. Gewonnen wird sie aus einer Art Rüben-Kwas oder Rüben-Brottrunk. "Dafür setzt man einen Teil der geschälten Roten Rüben an, indem man sie mit Wasser bedeckt, Schwarzbrot dazugibt und das Ganze drei bis vier Tage in der warmen Küche stehen lässt", sagt Koperwas.
Natürlich könne man stattdessen auch nur Branntweinessig verwenden, der sowieso noch in die Suppe kommt, geschmacklich sei das aber nicht das Gleiche. "Außerdem haben das schon meine Mutter und meine Großmutter so gemacht", sagt Koperwas, "also gibt es für mich keinen Grund, da irgendwas zu ändern."
Nationaler Suppentopf
Und die Ukrainer? Zum einen sind es die Polen, die den Ukrainern vom Westen her den Ursprung ihres Nationalgerichts streitig machen wollen. Und zum anderen die Russen: Borschtsch galt einst als das Nationalgericht der Sowjetunion, wo er nicht nur geografisch, sondern auch sozial einte und vom Muschik genauso gern gegessen wurde wie vom Kosmonauten. Nachdem die Sowjetunion oft mit Russland gleichgesetzt wird, nehmen heute viele an, das Gericht sei russisch.
Das hören die Ukrainer natürlich gar nicht gern, sind sie doch überzeugt, dass der Borschtsch, wie überhaupt die russische Kultur, in der Ukraine entstanden ist. Sie belegen ihre Behauptungen gerne damit, dass Kiew bereits als Stadt galt, als Moskau kaum mehr war als eine hölzerne Befestigungsanlage am Rande der Zivilisation.
Heimat und Botanik
Rote Rüben und Kwas sind auch Bestandteile des echten ukrainischen Borschtsch, der sich vom Barszcz vor allem dadurch unterscheidet, dass er nicht abgeseiht wird, und also keine klare Suppe ist, sondern vielmehr ein Eintopf, der mit all seinen Gemüsen wie etwa Frischkraut, Karotten, Sellerie und oft auch mit Fleisch serviert wird. Abgesehen davon ist der ukrainische Borschtsch alles andere als ein kodifiziertes Gericht.
Der berühmte russische Kochbuchautor William Pokhlyobkin beschreibt in seinem Referenzwerk "Die Küchen unserer Völker" (gemeint sind jene der Sowjetunion) sechs Hauptgruppen davon allein innerhalb der Ukraine, darunter solche mit Zugabe von Brühe und Fleisch vom Schaf, Rind, Schwein, von der Ente oder Gans. Im "Oxford Companion to Food" schreibt der große Alan Davidson: "Sollte das Prinzip der Botanik anwendbar sein, das besagt, dass der Ursprungsort einer Spezies meistens jener ist, wo am meisten natürliche Variationen davon vorkommen, ist die Heimat des Borschtsch aller Wahrscheinlichkeit nach die Ukraine, wo es ihn in mehr Versionen gibt als irgendwo anders."
Der Gipfel der Frechheit ist in den Augen der Ukrainer eine Version, die in Polen "Ukrainischer Borschtsch" (Barszcz ukrainski) genannt und mit Pilzen, Kraut, Bohnen und Kartoffeln serviert wird. Und von der viele Ukrainer felsenfest behaupten, dass sie in dieser Form in ihrer Heimat gar nicht vorkomme. Was aber in Wahrheit allein wegen der unzähligen Erscheinungen, in der sich Borschtsch dort präsentieren kann, kaum zu überprüfen ist. (Georg Desrues, Rondo, DER STANDARD, 8.6.2012)
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"Außerdem haben das schon meine Mutter und meine Großmutter so gemacht", sagt Koperwas, "also gibt es für mich keinen Grund, da irgendwas zu ändern."
Das denk ich mir auch oft - bei Pferdefuhrwerken, Engelmacherin und Zahnarzt ohne Spritze.
ausserdem gehören zum borschtsch noch pampuschki und ein kleiner wodka.
http://www.meinezeitimausland.de/Ukraine/w... uschki.jpg
"...dass Kiew bereits als Stadt galt, als Moskau kaum mehr war als eine hölzerne Befestigungsanlage am Rande der Zivilisation...."
dabei war kiew damals schon eine russischsprachige stadt. so wie heute.
deshalb hiess das gründerreich russlands der ukraine und weissrusslands auch "kiew rus" und nicht "kiew ukr"...
:)
die "moskali" haben gar nichts. "ukraine" ist bestenfalls lviv, ivano frankivsk, ushgorod und das umliegende agrargebiet.
die sollten endlich einen unabhängigen staat gründen (den dann die eu erhalten darf, weil selbst lebensfähig sind diese gebiete ja nicht) und den rest der russischsprachigen ukrainer in frieden lassen.
Na da wuerden Sie aber schoen schauen in der Ost-Ukraine, wenn Sie Ihren "guten" Ratschlag befolgen wuerden. Aus der Geschichte nichts gelernt ?
1918 meinten auch einige d Rest Oesterreich sei nicht lebensfaehig. 1993 meinten die Tschechen ohne uns geht die Slowakei sowieso dem Bach runter. Nun meinen Sie die Westukraine sei nicht lebensfaehig.
Das ist der Witz des Tages, schon mit den Transitgebuehren fuer die Erz, Stahl und Kohlelieferungen in die EU wuerde die Westukraine besser dastehen wie heute. Oder wollen Sie dann alles ueber den Bosporus liefern ? Viel Glueck!
Ihr Posting zeigt wieder die Russische Putin arroganz, hoffentlich werden Sie nicht bald zu sehr enttaeuscht.
So nennt man d immer in Moskau, wenn man eigentlich die Transportkosten fuer Oel und Gas in den Ukrainischen Pipelines meint. Transsitgebuehren klingt doch gleich unverschaemter!
Ich frage mich seit einiger Zeit, wo ist eigentlich der Gasrabatt fuer Sewastopol geblieben ? Niemand redet mehr davon. Sie meinten doch d sei ein riesen Gschaeft fuer die Ukraine. Gar 20 Mrd USD wird sich die Ukraine ersparen. Ich sehe nur nichts davon. Das Gas ist inzwischen so teuer d es sich lohnt von Polen zu kaufen u nicht v Russland. Der Pachtvertrag bringt also null koma null. So wird man auch die Ostukraine bei einer Teilung ueber den Tisch ziehen. Ich hatte damals recht, leider, u werde auch diesesmal recht haben!
Sie haben den terminus "transitgebühren" verwendet.
offenbar ist Ihnen das binnen minutenfrist entfallen.
demenz oder peinliche demagogie?
gar beides?
im übrigen haben die westukrainer zu den pipelines nicht sonderlich viel beigetragen. sie wurden in zeiten der sowjetunion gebaut und wurden seither nicht einmal renoviert. aber man schmarotzt sich eben durch, so gut man kann...
und dass das gas so teuer ist, verdankt die ukraine der lieben oligarchin timoschenko.
Wirklich, d Timoschenko ? Ich habe immer angenommen die Pachtvertraege wurden von der neuen Regierung in Austausch fuer billigeres Gas verlaengert? Davon ist keine Rede mehr, ist es Ihnen peinlich feststellen zu muessen, d Russland null komma null fuer die Pachtvertraege in Sewastopol bezahlt u nun alles der Julia in die Schuhe geschoben wird ? Wie war d damals als Sie zur Hoechstform in Ihrer Agitation aufliefen um den Vertrag zu verkaufen. Die Ukraine spart sich 20 Mrd USD beim Gaseinkauf, haben Sie damals gepostet, wo ist nun d Geld ?
Also eher Demenz auf Ihrer Seite! Oder meine Postings genauer lesen, vielleicht erkennen Sie dann die Zusammenhaenge!
Alle Laender sind fuer Russlandsfan nur Schmarotzer. Nur Russland ist Vertragstreu!
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