Auf Wunsch der AUA wurde getanzt

5. Juni 2012, 17:52
27 Postings

Walzerklänge zu ebener Erd' und hektisches Treiben beim Check-in im neuen Terminal Check-in 3 am Wiener Flughafen

Walzerklänge zu ebener Erd' und hektisches Treiben beim Check-in im neuen Terminal Check-in 3 am Wiener Flughafen. Die Eröffnung klappte, viele Shops sind noch geschlossen.

 

Wien - Der Erstbetrieb des neuen Check-in-3-Terminals am Wiener Flughafen in Wien funktionierte nahezu problemlos - die Vorstände waren seit drei Uhr morgens, als die erste Maschine landete, vor Ort. Aber noch bevor die Eröffnungsreden überstanden waren, sorgte eine leicht peinlich wirkende folkloristische Tanzeinlage auf Veranlassung der AUA für unverständliches Kopfschütteln der Anwesenden

Zu Walzerklängen tanzten u. a. Frauen im Dirndl und Männer in der Lederhose, umringt von Passagieren, zwischen einem Kaffeehaus und der Bäckerei Anker in der Ankunftsebene. Bezahlt wird die schräge Tanzeinlage zu zwei Dritteln von der AUA, ein Drittel musste der Flughafen beisteuern. "Wir tun unser Bestmögliches, damit die AUA wieder erfolgreich wird", versicherte später Flughafen-Vorstand Günther Ofner.

Getanzt wurde dort, wo es besonders eng ist, in jenem Bereich nämlich, wo die Passagiere mit dem Gepäck herauskommen - dieser ist dank einer massiven Verkleinerung, die noch der alte Flughafen-Vorstand zu verantworten hatte, schmäler als der bisherige im bestehenden Terminal. Nach den Anschlägen von 9/11 wurde der Terminal unprofessionell verkleinert, in der irren Annahme, dass auf alle Ewigkeiten die Menschen Angst vor dem Fliegen hätten und nicht mehr reisen wollen.

Selbiger Altvorstand unter Herbert Kaufmann (der jetzt als Konsulent beschäftigt wird) hat auch die schwarzen Böden im gesamten Terminal zu verantworten. In keinem anderen Airport weltweit wird eine derart pflegeintensive Farbe für den Bodenbelag verwendet. Von den "Altlasten", die die AUA nicht müde wird zu erwähnen, kann wohl auch der Flughafen ein Lied singen. Dafür wurde in den Eröffnungsreden viel von " zeitgemäßer und gelungener Architektur" gesprochen.

Verbesserungsbedarf ortet Flughafen-Vorstand Julian Jäger u. a. bei der Beschriftung, die den Reisenden den Weg zu den Loungen zeigt. Neu ist, dass sowohl die von der AUA / Star Alliance als auch die Sky Lounge vom Flughafen von Do & Co betrieben werden.

Kopfzerbrechen macht den Flughafen-Chefs der Shopbetreiber Rakesh Sardana. Während alle anderen Geschäfte bereits im Betrieb sind, stehen jene von Sardana leer und sind mit Plakatwänden verschlossen. Ihm fehle die Liquidität, um die Geschäfte (Gastro, Bekleidung oder das Sacher-Eck) einzurichten, heißt es. Dabei geht es immerhin um 18 Prozent der Verkaufsflächen. Weil der Flughafen eine nicht unerhebliche Umsatzmiete lukriert, fehlen hier die Einnahmen. Von der Ankündigung, trotz Flächenerweiterung mit weniger Mitarbeiter auszukommen, war am Eröffnungstag nichts zu bemerken: Jäger: "Zeitweise hatte es den Eindruck, dass wir so viele Mitarbeiter vor Ort hatten, um jedem Passagier persönlich die Hand geben zu können." (Claudia Ruff, DER STANDARD, 6.6.2012)

  • Mehrjährige Verzögerungen und eine Verdoppelung der Kosten auf knapp 760 Mio. Euro sollen nun vergessen sein: Der Pier Skylink hat unter seinem neuen Namen Check-in 3 den Betrieb aufgenommen und den ersten Härtetest mit rund 37.000 Fluggästen gut bestanden.

  • Das Klischee lebt: Ein tanzendes Trachten- pärchen hieß die ersten 
Passagiere willkommen. Die AUA machte es möglich - als hätte die Airline
 keine anderen Sorgen.
    foto: standard/christian fischer

    Das Klischee lebt: Ein tanzendes Trachten- pärchen hieß die ersten Passagiere willkommen. Die AUA machte es möglich - als hätte die Airline keine anderen Sorgen.

Share if you care.