Spanien fehlt Zugang zum Finanzmarkt

András Szigetvari
6. Juni 2012, 06:23

Die Regierungen der Eurozone haben zahlreiche Möglichkeiten, auf die sich zuspitzende Krise in Spanien zu reagieren. Alle sind risikoreich

Spanien hat erstmals offen Probleme bei der Beschaffung frischen Gelds an den Finanzmärkten eingeräumt. "Wir haben derzeit de facto keinen Zugang zum Finanzmarkt", sagte Finanzminister Cristóbal Montoro. Grund sind die hohen Zinsen, die das Land Investoren bieten muss. Für zehnjährige Anleihen kletterte der Zinssatz in der vergangenen Woche auf bis zu 6,7 Prozent.

Die Märkte werteten die Aussagen Montoros als weiteren Hinweis darauf, dass Spanien die EU um Finanzhilfe bitten wird. In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz zeigten sich die sieben wichtigsten Industrienationen (G 7) einig, das Schuldenproblem gemeinsam zu lösen.

Mehrere Optionen am Tisch

Wien/Madrid - Ungewöhnlich offen hat der spanische Finanzminister Cristóbal Montoro am Dienstag über die Probleme seines Landes gesprochen. Die hohen Zinsen, die Madrid für seine Schulden bezahlen muss, bedeuten, dass "für Spanien die Tür zum Markt geschlossen ist", sagte er dem Radiosender Onda Cero. Damit wird ein milliardenschweres Rettungsprogramm für Spanien wahrscheinlicher. Doch die Eurozone ringt noch um die richtige Strategie - mehrere Optionen liegen auf dem Tisch:

- Eine Rettungsaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) ist eine bevorzugte Variante der spanischen Regierung. Die EZB könnte Spanien " innerhalb von 24 Stunden helfen", die Lage an den Märkten in den Griff zu bekommen, sagte Premier Mariano Rajoy unlängst.

Seit Mai 2010 hat die Zentralbank Staatsanleihen in Höhe von 212 Milliarden Euro gekauft, um damit die Zinsen für Italien und Spanien zu senken. Ende Februar hat die EZB dieses Programm eingestellt. Experten sehen eine Wiederaufnahme der Käufe kritisch: Die Großbank Société Générale argumentiert, dass es der EZB nur kurz gelungen sei, Abhilfe zu schaffen. Solange die EZB kauft, sinken die Zinsen, aber die Notenbank könne nicht ewig kaufen. Die deutsche Bundesbank sieht das Anleihenprogramm kritisch, weil es Investoren die Möglichkeit bietet, ungeliebte Papiere abzuladen und weil es ihrer Ansicht nach Aufgabe der Politik wäre, für ein niedrigeres Zinsniveau zu sorgen.

- Bankenhilfe über den Rettungsschirm ist die zweite Variante, für die sich Rajoy stark macht. Angeschlagene Geldhäuser wie die spanische Bankia könnten sich an den Rettungsschirm ESM (oder seinen Vorgänger EFSF) wenden. Der Vorteil: Spaniens Verschuldung würde nicht steigen, weil der Rettungsschirm nur Banken beispringen würde.

Zudem könnte das Beispiel Schule machen: "Wir blicken derzeit auf Spanien, weil dort das Bankenproblem virulent geworden ist. Aber auch in anderen Staaten sind Geldhäuser unterkapitalisiert. Nur eine einheitliche europäische Lösung, die alle nutzen können, macht Sinn", meint Cinzia Alcidi vom Brüsseler Forschungsinstitut Centre for European Policy Studies.

Doch auch die Nachteile sind vielfältig: Der Gründungsvertrag des Rettungsschirmes ESM (ebenso wie jener des EFSF) sieht vor, dass nur Staaten um Hilfe ansuchen können - und sei es nur, um ihre Banken zu retten. Soll sich das ändern, müsste der ESM-Vertrag von allen Euroländern neu ratifiziert werden. Das kostet Zeit. Außerdem steigt das Risiko für die Steuerzahler in der Eurozone in dieser Variante, weil für die Rückzahlung der ESM-Kredite nur gerettete Banken haften würden. "Die Idee, deutsches oder österreichisches Steuergeld für eine marode spanische Bank herzugeben, müsste ein Politiker erst verkaufen", meint ein deutscher Analyst.

- Spanien schlüpft unter den Rettungsschirm ist die von Deutschland bevorzugte Variante. Die Commerzbank schätzte im März, dass Spanien 250 Milliarden Euro bräuchte, um bis Ende 2014 durchfinanziert zu sein. Das wäre machbar: Die Ausleihkapazität des ESM liegt bei einer halben Billion Euro. Der Vorteil wäre, dass Spanien für eine Zeit Ruhe von den Märkten hätte. Das Land ziert sich noch, "weil es um seine ökonomische und politische Selbstständigkeit fürchtet", sagt der Madrider Ökonom Juan Dolado. Hinzu kommen auch greifbarere Gründe: "Selbst wenn die Gelder des Rettungsschirmes für Spanien reichen, würde sofort eine Debatte darüber einsetzen, ob die Mittel für Italien ausreichen", meint der Analyst Ralph Solveen von der Commerzbank. Zudem würde ein Rettungsschirm-Kredit die derzeit moderate Schuldenlast des Staates erhöhen.

- Spanien harrt weiter und hofft auf Beruhigung, wenn bei den Parlamentswahlen am 17. Juni in Griechenland gemäßigte Parteien gewinnen. "Ausharren ist selbstmörderisch", sagt die Brüsseler Forscherin Alcidi: "Spanien kann nicht auf Zeit spielen. Die Sanierung des Bankensektors wurde schon zu lange aufgeschoben." Ein deutscher Banker betont zudem, dass Griechenlands Rolle nicht überschätzt werden dürfe: "Die Investoren haben ihre Griechenland-Kredite längst abgeschrieben. Auf die griechischen Wahlen zu hoffen, ist vergeudete Energie." (András Szigetvari, DER STANDARD, 6.6.2012)

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Ich kann das alles langsam nicht mehr nachvollziehen.

6.7% Zinsen auf 10 Jahre. Das bedeutet jetzt zwei Milliarden borgen, in 10 Jahren fast vier zurückzahlen. Bzw. setzt das min. 6.7% Wachstum im Schnitt auf 10 Jahre voraus. Für Spanien? Jetzt?

Fällt nur mir der Wahnsinn auf, der offensichtlicher nicht mehr sein kann?

das ist ja der wahnsinn

weil die die sagen, dass der staat auch jenes geld ausgeben soll, welches er gar nicht hat, sind jene die der finanzindustrie zuarbeiten. sonderbarerweise halten sich gerade diese zuarbeiter der finanzindustrie für "sozial" und sind zum teil sehr weit links angesiedelt. jene, die davon den nutzen haben sind aber genau auf der anderen seite angesiedelt.

end of days...

Die Sandler unter der Brücke klagen auch darüber, dass sie keinen Zugang zum Finanzmarkt haben.,.

Die Bank könnte ihnen innerhalb von 24 Stunden helfen wenn der Bankdirektor eine kriminelle Unterschlagung veranlassen würde.

Die EZB hat Spanien bereits durch den nur temporär zulässigen Ankauf bedenklicher Staatsanlaihen geholfen und das war bereits an der Grenze der Legalität. Was sich die Spanier jetzt wünschen wäre ein klarer Bruch der EZB-Statuten, welche eine Finanzierung einzelner Staaten ausdrücklich verbieten.

Am liebsten wäre den PIIGS natürlich so etwas ähnliches wie eine Sebstbedienungsbank mit einem überdimensionalen Bankomaten welche auf Knopfdruck und ohne Kontrolle tonnenweise Banknoten ausspuckt.

"Eslein streck dich, Tischlein deck dich"
Aber der deutsche Esel wird schon langsam störrisch.

so, so, die eu darf also staaten ned helfen...

woher hams diesen schwachsinn?
was macht die eu nun seit jahren in gr?
die eu selbst, also die staats und regierungschefs haben ihre verträge gebrochen, maastricht, da heißt es, dass man banken und andere unternehmen durch die ezb ned retten darf.
die vertragsbrecher sitzen eigentlich in der ezb.
warum glauben sie herrscht ein so munteres kommen und gehn unter den spitzenposten in der ezb?

Knüppel aus dem Sack!

;-)

Am Besten ist keiner zahlt mehr die Zinsen aus den Krediten, sondern zahlt nur das geborgte virtuelle Geld zurück, da es mehr Schuldner als Kreditgeber gibt ist es sozial und demokratisch vertretbar und mit einer von der (Ö,EU,USA,China ..) Regierung sicher nicht gewünschten Volksabstimmung auch umsetzbar.

Der Brutal-Kapitalismus ist wieder einmal am Ende angelangt

und die Zeche zahlt die Kleinst- und Mittelschicht. Die gierigen Finanzhaie haben alles aufgesaugt und Europa wird, da es um substantielle Fragen geht, so ist es zu befürchten im Bürgerkrieg enden.

Die Regierungen der Eurozone haben zahlreiche Möglichkeiten, auf die sich zuspitzende Krise in Spanien zu reagieren. Alle sind risikoreich

die österreichische Regierung hat eh keine Meinung, zuerst in Brüssel fragen welche Meinung man haben darf. Der Euro war ein Fehler!

Banken hin oder her,
Geld koennen wir vergessen,
Lieber schonmal die sozialen Kreise erweitern,
Und sich eine andere Vertrauensbasis schaffen...

(mein tip: wildwest-style-vertrauen wirds werden;)

oesterreichische Banken

Soeben wurden oesterreichische Banken von Moddys downgegraded. Jetzt dauerts nicht mehr lange und wir kommen auf die selbe Strasse, auf der Spanien und Griechenland unterwegs sind. Logisch aber. Unsere Banken haben mega Risiko mit den Schweizer Franken Finanzierungen, Risken im Osteuropageschaeft und Anleihen von Suedeuropaeischen Staaten sind auch noch paar da. Denke dauert nicht lange und Erste, Raiffeisen, Bawag und Bank Austria (Unicredit wirds auch erwischen) muessen verstaatlicht werden.

Bitte verstehen Sie doch:

Für Bankenrettung, notfalls auch per Verstaatlichung, muss einfach öffentliches Geld da sein - auch dann noch, wenn für Soziales und/oder Bildung schon längst keines mehr da sein wird.

Dass die maßgeblichen (Mit-)Verursacher der Finanzkrise von den Folgen dieser Krise weiterhin profitieren, selbst kein kaufmännisches Risiko übernehmen müssen und dass ihnen beide Regierungsparteien auch noch hingebungsvoll ( :-) jeden Wunsch von den Augen ablesen -

... das gehört einfach zum Konzept des rabiaten globalen Kapitalismus, der sich bekanntlich in ziemlich allen Ländern jeweils einige Parteien als Schoßtierchen hält.

Spanien: PP und PSOE, Griechenland: ND und PASOK, Deutschland: CDU und SPD, Österreich:... (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

also ich spendier meinen Ederer 1.000-

weil das Leben ist ja billig wie nie geworden.

Übrigens mir ist heute von der Volksbank FONDSPAREN angeboten worden!!!

Ja klar, in Zeiten wie diesen....

Der Euro ist ursuper!!!!

nimmer lang.

Mir scheint eher,

dem "Finanzmarkt" fehlt der Zugang zur Realität.

Wenn etwas nicht und nicht funktioniren will, ist es durchaus ratsam sich Alternativen zu überlegen, oder gänzlich die Finger davon zu lassen.

Soviel sollte Homo "Sapiens Sapiens" eigentlich zuzutrauen sein

..ich denke, die wollen nicht nachdenken, diese Art

von homo sapiens sapiens, bei denen ist der Impuls
der Gier-"raff,raff" ausgeprägter als das logische Denkvermögen. Vielleicht der Urtrieb des Menschen, besser, schneller, reicher, "mehr" habend zu sein als andere?

...ich denke, die wollen nicht nachdenken, diese

Nicht dem Finanzmarkt, der Politik.

Der Finanzmarkt macht gerade ein Bombengeschäft.

ich hebe ab

gehe morgen zur Bank und hebe ab, fast alles

und?

kopfpolster, gold, immobilien oder ottakringer hardware?
wer wirklich mut zu einem würdigen, kapitalistischen untergang hat, investiert in einen fonds oder eine aktie, bei der KHG in irgend einer form (wenn auch nur als wohlwollender berater) beteiligt ist!
aber das gibt es wohl nicht mehr.....

Jetzt beginnt der "Finanzspass"

... erst richtig ... forget Griechenland; obwohl nur Peanuts haben die schon EU-Finanz ordentlich in Schwierigkeiten gebracht und selbst dies ist noch net gelöst ... jetzt warten mit Spanien und später wohl auch Italien, ganz andere Kaliber ... mich wundert s ja nicht, wer entsprechende Medien liest, wußte von der Problematik schon längst ... glaub nicht die geschönten Berichte der Mainstream-Medien kann ich Euch nur raten ...

Greetz

Die spanischen Banken sitzen auf einer Immobilienblase welche noch nicht geplatzt ist, die sollen endlich diese Immobilien verkaufen, den Markt bereinigen, die Spanier bekommen hoffentlich leistbaren Wohnraum und erst dann wird Geld nachgeschossen. Rettet lieber die Menschen als die Banken.

wer soll diese wohnungen und häuser kaufen?
sah vorhin eine reportage aus spanien wie menschen delogiert werden, unter massiven polizeischutz weil viele dagegen demonstrieren und die delogierung verhindern wollen.
das soziale klima ist schon so aufgeheizt, ähnlich wie in griechenland. unruhige zeiten sind im anmarsch.

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