Ganzkörperschmerzen auch im Kindesalter

5. Juni 2012, 14:43
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Chronische Schmerzstörungen gibt es auch bei Kindern und Jugendlichen - Eine multimodale Therapie kann helfen

Ganzkörperschmerz ist seit einigen Jahren ein gängiger Begriff, insbesondere für Erwachsene. Experten sprechen von der sogenannten Fibromyalgie. Die einschlägigen Fachgesellschaften haben im Frühjahr diesen Jahres eine überarbeitete Therapieleitlinie für die Diagnostik und Therapie der Fibromyalgie erstellt. Aber was ist, wenn Kinder unter Schmerzen am ganzen Körper leiden? Leiden sie dann ebenfalls unter Fibromyalgie?

Die Antwort ist gar nicht so leicht. Sicherlich können Kinder unter Schmerzen am ganzen Körper leiden; das steht außer Frage. Aber handelt es sich dann auch um eine Fibromyalgie, die durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen und Druckschmerz in sogenannten Tender Points (Druckpunkte, z.B. am Ellenbogen) inklusive Müdigkeit und Erschöpfung gekennzeichnet ist? 

Sinnloser Namensstreit

Experten (insgesamt 50 aus 8 Arbeitsgruppen) behaupten: „nein, nicht sicher". Während die Diagnose im Erwachsenenalter als gesichert gilt, ist dies bei Kindern und Jugendlichen nicht der Fall. Tatsächlich wurde bisher kaum überprüft, ob die Kriterien der Erwachsenen auch für Kinder und Jugendliche gelten, geschweige denn, ob man anhand dieser Kriterien tatsächlich Fibromyalgie bei Kindern sicher diagnostizieren kann.

Dennoch wird der Ganzkörperschmerz im Kindesalter häufig als „juveniles Fibromyalgie-Syndrom" tituliert. Federführender Autor der Leitlinie war der Lehrstuhlinhaber für Kinderschmerztherapie der Universität Witten/ Herdecke und Chefarzt des Deutschen Kinderschmerzzentrums, Boris Zernikow dazu: "Der Streit um den Namen der Krankheit ist nebensächlich. Fakt ist Kinder, die an einem Ganzkörperschmerz leiden bedürfen einer spezialisierten Behandlung". 

Genaue Diagnostik

Eine umfassende Diagnostik im Vorfeld, die sowohl medizinische als auch psychologische Abklärungen einschließt, ist insbesondere bei Kindern unabdingbar. Andere Erkrankungen wie jugendliche (juvenile) Rheumaerkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Psychische Erkrankungen, kindliche Angststörungen, die bei diesen Kindern häufig zeitgleich existieren, müssen in der Therapie berücksichtigt werden.

Erst bei der gesicherten Diagnose einer chronischen Schmerzstörung, so die Experten, wird eine multimodale spezialisierte Therapie empfohlen. Ein Team aus Kinderärzten, Physiotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten ist für die Behandlung gemeinsam verantwortlich. Die Kinder lernen unter anderem, ihren Schmerz zu verstehen, selbstständig damit umzugehen und sich trotz bestehender Schmerzen zu bewegen. (red, 5.6.2012)

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    Ob Fibromyalgie oder nicht - In jedem Fall müssen Ganzkörperschmerzen ernst genommen werden.

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