Migration als psychische Belastung

5. Juni 2012, 14:44

Migranten haben vor allem mit Neurosen und posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen

An der Transkulturellen Ambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien wurden die Daten von fast 2.000 Patienten analysiert. Sie sind nicht repräsentativ, bieten jedoch einen Überblick.

Am häufigsten haben Migranten mit neurotischen, somatoformen- bzw. Belastungsstörungen zu kämpfen (64 Prozent). Als somatoformen Störungen werden körperliche Beschwerden bezeichnet, für sich keine organische Ursache finden lässt.

Ob freiwillige oder unfreiwillige Migration - spielt bei Anpassungsstörungen und somatoformen Störungen kaum eine Rolle, ebenso wenig bei Depressionen, Manie, bipolaren Störungen (mit 14 Prozent die zweithäufigste Diagnose).

Flüchtlinge weisen besonders häufig Posttraumatische Belastungsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen nach extremen psychischen Belastungen auf.

Eine weitere Beobachtung, so der Leiter der Ambulanz, Psychiater Thomas Stompe: "Es zeigt sich, dass Anpassungsstörungen besonders in den ersten Monaten nach der Ankunft in Österreich auftreten. Auf der anderen Seite erkranken mehr Migranten an Depressionen, die sich schon länger in Österreich befinden."

Traditionelle Erklärungsmodelle für Krankheiten

Eine große Hürde sind Verständnisprobleme durch die Sprachbarriere. Der Experte: "Wenn möglich sollte ein Dolmetscher herangezogen werden, der auch über das notwendige kulturelle Verständnis verfügt. Abzuraten ist von der Verwendung von Verwandten, weil das zu zusätzlichen Problemen innerhalb von Familie führen kann."

Schließlich werden die unterschiedlichen Krankheiten je nach kultureller und ethnischer Herkunft auch unterschiedlich dargestellt bzw. deren Symptome beschrieben. Stompe: "Wir wissen, dass Menschen aus dem Süden auch bei psychischen Störungen eher physische Beschwerden in den Vordergrund stellen."

So gibt es auch gerade bei Migranten die Gefahr für falsche Diagnosen. Der Psychiater: "Patienten aus Schwarzafrika haben oft Verhexungs- und Verzauberungsideen. Das ist deren traditionelles Erklärungsmodell für Krankheiten. Wir würden hier sehr schnell an das Vorliegen einer Schizophrenie denken. Wir hatten da einen Patienten, bei dem stellte sich schließlich heraus, dass er an einer Depression litt." (APA/red, 5.6.2012)

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8 Postings

Migration = Einwanderung
Es wird niemand gezwungen hier einzuwandern, wer es trotzdem tut, ist angehalten sich die Staatssprache (steht in der Verfassung) anzueignen, dann gibt es auch keine Verständigungsprobleme.
Das zu: "Eine große Hürde sind Verständnisprobleme durch die Sprachbarriere."

Die Neurose

Die Neurose ist d a s Krankheitsbild des Westens. Will heissen: die Krankheitsbilder der Migranten und einheimischer Bevölkerung unterscheiden sich diagnostisch nicht.

Jeder, der mit über 50 Jahren die Kündigung erhält, entwickelt eine Belastungsstörung, wird er noch körperlich untersucht, findet sich regelmässig auch eine somatoforme Störung.

Die Indikationen unterscheiden sich jedoch: in einem Fall ist es behandlungswürdig, im anderen Fall nennt es sich Schicksal.

Die eigentliche Traumatisierung passiert aber erst

wenn die Migrantinnen ausreichend wienerisch gelernt haben und sie dann zu verstehen beginnen, wie übel ihnen hiezulande erst eigentlich mitgespielt wird.

Migranten haben vor allem mit Neurosen und posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen

Das wäre FAST ein richtiger Satz geworden, wenn er so formuliert worden wäre:
Migranten, die an der Ambulanz der Psychiatrischen Uniklinik Leistungen in Anspruch nehmen, haben vor allem mit Neurosen und posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen.
Es gibt diverse Studien, die zeigen, dass es (neben den Elendsflüchtlingen mit PTSD usw.) einen ganz gehörigen "healthy migrant"-Effekt bei (vielen anderen Migranten) gibt: Diejenigen, die migrieren, sind in vielen Fällen GESUENDER als sowohl die durchschnittliche Herkunfts- wie auch die durchschnittliche Zielbevölkerung.
FAZIT: ES MACHT KEINERLEI SINN, AUS INANSPRUCHNAHMEDATEN IRGENDWELCHE EPIDEMIOLOGISCHEN SCHLUESSE ZIEHEN ZU WOLLEN.

Wie schon gesagt wurde...
Es ist ein Unterschied wenn ein Junge aus Afghanistan als Kind an einer Kreuzung vorbei gehen musste, wo an den Lichtmasten tote Gegner der Taliban wochenlang abhingen oder ob es sich um einen Laboranten aus Deutschland handelt.

healthy migrant effect

Migranten sind keine homogene Gruppe, deshalb ist sowohl diese Studie - aus den Nutzerdaten einer Klinik epidemoloigische Schlüsse zu ziehen ist statistischer Nonens - wie auch der healthy migrant effect anzuzweifeln. Es gibt in Österreich bisher keine Studie, die den healthy migrant effect untersucht - der wurde v.a. anhand der mexikanischen Migration in die USA untersucht, Übertragbarkeit fraglich. In Ö. gibt es im Verhältnis einen größeren Anteil von Flüchtlingen mit diversen traumatischen Belastungen, aber sicher auch viele gut qualifizierte junge Migraten aus der EU. Aufgrund der SV-Daten, wäre eine Untersuchung relativ leicht möglich, nur müsste die SV sich dafür interessieren und so eine Studie beauftragen.

Die diversen Studien über den "healthy migrant"-Effekt sind aber nicht aus Österreich, sondern aus Einwanderungsländern, in die Arbeitskräfte migrieren.

stimmt.

Aber auch in A gibt es ja jede Menge deutscher Hochschullehrer, Spezialisten aus anderen europäischen Staaten usw. usf. . Die sitzen eher selten in der Ambulanz der Psychiatrischen Uniklinik. Denn wer nach Österreich migriert, hat seinen Qualtinger meist vorher schon gekannt. .... Will sagen: es gibt beides in A: Belastete und nicht belastete MigrantInnen.

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