Mit "Check-in 3" und Walzer ins neue Zeitalter

5. Juni 2012, 15:00
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Die Schalter in der Terminaler­weiterung sind eröffnet, die neue Ankunftshalle wurde vorübergehend zum Ballsaal

Schwechat - Die AUA ließ die neue Ankunftshalle "Check-in 3" am Flughafen Wien am Dienstagvormittag vorübergehend zum Ballsaal werden. Die Airline überraschte ankommende Passagiere ebenso wie deren Abholer mit einer Walzereinlage von Profitänzern. Der Anlass: Der ehemalige Skylink ist in Betrieb. Am neuen Terminal werden 60 Prozent der Passagiere von Wien-Schwechat abgefertigt. Hier sind die Gates von AUA und Lufthansa. Im Neubau ist auch die zentrale Ankunftshalle.

"Heute Nacht muss ein Erdbeben östlich von Wien gemessen worden sein": Als der Flughafen-Terminalbau in Echtbetrieb ging, fielen den Airport-Managern Steine vom Herzen, sagte Flughafen-Vorstand Günther Ofner. Die von einer Baukosten-Verdoppelung, Vergabeskandalen und mehrjährigen Verzögerungen samt Baustopps überschattete Terminalanlage hatte als "Skylink" für Negativ-Schlagzeilen und jede Menge Managerrücktritte gesorgt. Zuletzt ist nichts mehr dazwischengekommen. Der Zeitplan hat gehalten, auch wenn die Airport-Spitze wie alle Bauherren bis zuletzt Albtraum-Szenen meistern mussten. Bei den nächsten Großinvestitionen am Airport (590 Mio. Euro allein bis 2015) würden frühere Fehler sicher nicht mehr gemacht, wurde bei der Inbetriebnahme am Dienstag allseits versichert.

Gerechtfertigte Skepsis

"Wenn man sich den Lebenszyklus dieses Großprojekts ansieht, dann war jede Skepsis bis zum heutigen Tag gerechtfertigt", sagte Aufsichtsratschef Erwin Hameseder. Die Inbetriebnahme sei nun geglückt. Hameseder sprach von einem Meilenstein, Skylink sei ein Vorzeige-Tor für Österreich und ein wesentliches Infrastrukturprojekt. Der heutigen Eröffnung sei freilich ein "Kraftakt" vorangegangen.

In den frühen Morgenstunden war der "Check-in 3" in Betrieb gegangen. Die Schalter in der Terminalerweiterung wurden gegen 3 Uhr erstmals geöffnet. Die Inbetriebnahme ließen sich auch Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner nicht entgehen. Beide gestanden ein, dass in den vergangenen Wochen eine gewisse Anspannung geherrscht habe, die einer Vorfreude gewichen sei. Man blicke mit der Terminalerweiterung optimistisch in die Zukunft.

Erste Passagiere gegen Mitternacht

Bereits gegen Mitternacht hätten sich die ersten Passagiere eingefunden, teilte ein AUA-Mitarbeiter mit. Sie hätten sich "rasch zurechtgefunden", bestätigten Fluggäste auf dem Weg nach Karpathos. Um 4.36 Uhr dockte ein AUA-Airbus 319 aus Hurghada als erste Maschine überhaupt an der Position F01 an. Etwa 50 Minuten später verließ eine AUA-Boeing 737-800 das Nachbargate F03 und nahm Kurs auf Karpathos. Dank britischer Queen hatten aber Passagiere der Billigfluglinie Easyjet die Nase vorn: Ihre Maschine kam mit stundenlanger Verspätung gegen 0:45 an und die Passagiere wurden mit den Worten "Sie sind die allerersten" im Skylink empfangen.

"Optimiert" werden sollen nun noch Leitsysteme und Transferwege, das steht nach den ersten Stunden schon fest. Ein Thema werden auch die Verbindungen von den bestehenden Check-in-Flächen zum neuen Check-in 3. Heute früh haben einmal für 20 Minuten die Anzeigen für Gepäckbänder nicht funktioniert, das wurde aber gleich behoben.

Hektisch wurde es in den letzten Tagen noch, als die Behörden im Eilzugstempo eine zusätzliche Fluchtstiege verlangten. Und auch als beim ersten Belastungstest funkelnagelneue Komponenten der Stromversorgung ausließen. "Es ist der Albtraum eingetreten: 2 Stunden ohne Strom und alles stand", berichtete Vorstand Ofner. Noch ein Albtraum: "In allerletzter Minute mussten sechs Kilometer verlegte Stromkabel nächtens wieder herausgezogen werden, weil der Weichmacher unter den Kabeln herauszutropfen begann".

Neue Bezeichnungen

Mit der Inbetriebnahme der Erweiterung gelten auf dem Flughafen Wien neue Bezeichnungen in der Beschilderung. Terminal 1 - wird seit Dienstag umgebaut, die Arbeiten sollen bis zum Jahresende dauern - ist nunmehr "Check-in 1" (Schalter 150-199), Terminal 1A heißt "Check-in 1A" (Schalter 111-132), Terminal 2 ist zum "Check-in 2" (Schalter 201-299) geworden und Skylink zum "Check-in 3" (Schalter 301-399) mit u. a. den neuen Gates F und G, der neuen zentralen Sicherheitskontrolle mit 15 Sicherheitsstraßen und der ebenfalls neuen zentralen Ankunftshalle.

Die bestehende Terminal- und Betriebsfläche auf dem Airport hat sich mit Dienstag um 150.000 Quadratmeter verdoppelt. Der Flughafen Wien erwartete am ersten Betriebstag etwa 37.000 Passagiere im "Skylink" bzw. "Check-in 3", der auch das "neue Zuhause von Austrian Airlines" ist.

Positives Echo

Für Airport- und Airline-Mitarbeiter ebenso wie für Geschäftsleute hat nach eigenen Angaben eine Phase des "Einlebens" begonnen. Das Echo war in der Früh überwiegend positiv - im öffentlichen wie im nicht öffentlichen Bereich.

"Die Arbeit bleibt gleich", zeigte sich eine VIAS-Mitarbeiterin an einer der 15 neuen Sicherheitsstraßen ganz gelassen. Es gebe "keine Probleme", alles laufe bestens. Der Tenor bei Mitarbeitern der AUA war ähnlich.

"Wir haben uns gut eingelebt, es funktioniert und passt alles", war bei "Meinl Foodcourt" zu erfahren. Es laufe "ganz toll, wir haben erwartet, dass viel los sein wird, das ist auch der Fall gewesen", hieß es in der Früh bei "Air Brew". Von einer "Herausforderung" war im "Kulinariat" die Rede. "Ein neues Lokal auf einem Flughafen eröffnet man ja nicht täglich."

"Gestern waren wir noch drüben", meinte die Trafikantin und damit das in "Check-in 1" umbenannte Terminal 1. Alles werde "rasch wie bisher" laufen, gab sich die Geschäftsfrau überzeugt. "Noch nicht ganz" eingelebt hatte sich vorerst die Mitarbeiterin im Buch- und Zeitschriftenhandel. "Es ist alles sehr neu." (APA, 5.6.2012)

  • Mehrjährige Verzögerungen und eine Verdoppelung der Kosten auf knapp 760 Mio. Euro sollen nun vergessen sein: Der Pier Skylink hat unter seinem neuen Namen Check-in 3 den Betrieb aufgenommen und den ersten Härtetest mit rund 37.000 Fluggästen gut bestanden.

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    Was lange währt wird endlich gut: Ex-Skylink ist eröffnet.

  • Der Walzer durfte nicht fehlen.
    foto: standard/christian fischer

    Der Walzer durfte nicht fehlen.

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    "Check-in 3" ehe die ersten Fluggäste eingetroffen sind.

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    Mit der Inbetriebnahme des "Check-in 3" ist in den Airport-Altbestand gleichzeitig so etwas wie Beschaulichkeit eingekehrt. Die Schalter im ehemaligen AUA-Terminal 1 (wird nun umgebaut und ab Herbst unter "Check-in 1" firmieren) sind geschlossen. Auch der Betrieb in der alten Ankunftshalle ist eingestellt.

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    Eine Passagierin bedient einen Check-in-Automaten.

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    Alles blitzblank - dafür sorgt das Reinigungsteam.

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    Das AUA-Bordpersonal unterwegs - 37.000 Menschen sollen im Laufe des Tages den neuen Skylink frequentieren.

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