Wolf: "Journalismus ist etwas, das Öffentlichkeit erhalten muss"

Sabine Bürger, 5. Juni 2012, 11:26
  • Lauschten "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf: Studenten in der gut besuchten Vorlesung im Rahmen der Theodor-Herzl-Dozentur.
    foto: derstandard.at

    Lauschten "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf: Studenten in der gut besuchten Vorlesung im Rahmen der Theodor-Herzl-Dozentur.

  • Armin Wolf, hier bei den Medientagen 2010.
    foto: apa/hochmuth

    Armin Wolf, hier bei den Medientagen 2010.

Was Journalisten und Blogger trennt und warum das Kuratieren das Gatekeeper-Modell abgelöst hat, darüber sprach der "ZiB 2"-Anchor im Rahmen der Theodor-Herzl-Dozentur

War die Pressefreiheit 1965 noch "die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten" (Paul Sethe), so gilt heute: "Pressefreiheit ist die Freiheit von mehr als zwei Milliarden Menschen mit Internetzugang, ihre Meinung ins Netz zu stellen." "ZiB 2"-Anchor Armin Wolf nimmt an: Heute wäre Theodor Herzl Blogger.

Die Abgrenzung von Journalisten und Bloggern war Montagabend Thema der nach dem Wiener Journalisten Herzl benannten Dozentur im Audimax der Universität Wien. Wolf stellte die Frage "Wozu brauchen wir noch JournalistInnen?" und zeigte auf, was Blogger und Wikileaks nicht können.

Professionelle Struktur

Wolf ist ein Verfechter der Professionalität. Recherche, Selektion von Informationen, die redaktionelle Aufbereitung und Publikation, beispielsweise bei den Wikileaks-Dokumenten, dafür brauche es Journalisten. Das beste Umfeld bieten "nur professionelle Medien, weil man dafür Ressourcen braucht". "Journalismus ist ein Beruf, den man in professioneller Struktur anwendet", erklärte Wolf. Dabei ist Bezahlung ein wichtiger Aspekt. Nach Kommunikationsforscher Denis McQuail ist Journalismus "paid writing for public media with reference to actual and ongoing events of public relevance".

Auch erfolgreiche US-Blogs, die die öffentliche Debatte wie traditionelle Medien bestimmen, "machen das professionell". Etwa der 2008 von Nate Silver gegründete US-Wahlblog FiveThirtyEight, der 2010 in den Onlineauftritt der "New York Times" integriert wurde, und die Bloggerin Michelle Malkin, die Geld mit Werbung verdient.

Dietiwag-Blogger ist "politischer Aktivist"

Hierzulande sticht der "unglaublich gut informierte" Tiroler Markus Wilhelm mit seinem Blog dietiwag.org hervor. "Wilhelm definiert sich selbst als politischer Aktivist", erklärte Wolf, "er arbeitet mit journalistischen Mitteln, aber er ist kein Journalist."

Bürger-Journalismus definiere die Medienjournalistin Ulrike Langer als "ungeplante journalistische Handlungen", erwähnt Wolf. Frei nach US-Professor Clay Shirky: Filter sind in Zeiten des "information overload" gefragter denn je.

60 Seconds - Things That Happen On Internet Every Sixty Seconds
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"Gatekeeper-Modell ist hinfällig"

"Letztlich ist Kuratieren das, was auch Journalisten bieten müssen. Das Gatekeeper-Modell ist hinfällig geworden. Das heutige Bild des Journalismus ist das des Kurators", sagte Wolf.

Eine Rolle spiele dabei nicht nur das Senden, sondern auch das Empfangen. Wolf bemüht Bert Brecht: "Rundfunk ist von einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln."

Journalismus der "Karajans" und "Gabaliers"

Und wie finanziert man Qualitätsjournalismus, der besser von "Karajans" (E-Journalismus) denn "Gabaliers" (U-Journalismus) kommt und die öffentliche Debatte über Politik, Wirtschaft, Kultur oder Wissenschaft anregt? Wolf zählt Modelle wie Spezialisierung (Politico Pro, Energy Intelligence), Paywalls und Stiftungen (Pro Publica, Guardian) auf. Oder wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, "man wird gezwungen zu zahlen. Möglicherweise ist Journalismus etwas, das die Öffentlichkeit erhalten muss", so Wolf. (Sabine Bürger, derStandard.at, 5.6.2012)

Armin Wolf im Zitat

... über die Finanzierung des Mateschitz-Senders: "Servus TV macht ein sehr ambitioniertes und durchaus öffentlich-rechtliches Programm - aber das ist das Hobby eines reichen Mannes und mit diesen Quoten nie finanzierbar. Und wenn der reiche Mann die Lust daran verliert, ist es vorbei."

... darüber, was der demokratische Diskurs braucht: "Das Wichtigste wäre, eine anständige 'Kronen Zeitung' zu machen. Oder 'Heute'."

... über den Nachrichtenkonsum in der Finanzkrise: "Wir erleben die größte europäische Krise seit 60 Jahren, und wann immer wir eine Geschichte zu Griechenland machen, schalten die Leute weg."

... wie man die Zuschauer davon abhält, zum Beispiel mit der "Planking"-Aktion im Studio: "Wir versuchen es eh mit unlauteren Mitteln, ich war nicht müde, als ich mich hingelegt habe."

Link

Quellenverzeichnis zur Vorlesung mit Linkliste relevanter internationaler und österreichischer Blogs: Herzl-VO-2

Nächster Termin

Die dritte und letzte Vorlesung findet am 18. Juni um 18.30 Uhr im Audimax der Universität Wien statt. Thema: "Das war nicht meine Frage." - Warum Politiker-Interviews noch immer sinnvoll sind, auch wenn es nicht immer so aussieht.

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Ein Journalist, der von einem Investor...

abhängt, wird seinem Brötchengeber sicher nicht auf die Füsse treten.

Schön wären folgende Vorgaben:

"Wir wollen unsere Kunden kompetent machen" und ihnen keine Waschmittle verkaufen

"Wir wollen Informationen für mündige Bürger liefern" damit sie sich selbst eine Meinung bilden können

"Wir wollen Fakten und Meinungen voneinander trennen" und ihnen nicht mit Halbwahrheiten einpauken, was sie zu denken haben.

Jemand, der behauptet, für guten Journalismus müsste man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zwangsfinanzieren -
- den nehme ich schon mal nicht ernst.

"Wolf ist ein Verfechter der ..Selektion von Informationen"

muss er auch sein als zib-sprecher...

"Das beste Umfeld bieten "nur professionelle Medien, weil man dafür Ressourcen braucht"."
das problem ist, die "ressourcen" gibts nur, wenn man pariert...

wenn die grossen medien nicht so manipulativ berichten wuerden, haetten bestimmte "blogs" nicht die bedeutung, die sie heute haben.

"mut zur wahrheit" mag eine abgedroschene floskel sein, aber sie ist die bedeutendste unserer zeit.

Mehr Recherche oder mehr Selektion?

Manche meinen wohl, das tägliche Kameragesichtsbad macht sie zu Journalisten. Als Basis sollte zunächst einmal die Feststellung von Friedrichs beherzigt werden: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“

Wenn dass dann klappt, dann kommt das technische Handwerk der intensiven, sauberen und objektiven Recherche nach dem obigen Grundsatz, und erst dann das Info-Marketing.

kritik kann berechtigt

sein an armin wolf, aber: gibt es in diesem land sonst noch einen orf-moderator, der sich sowenig wie er vom salbungsvollen politgewäsch einlullen lässt? der nachhakt, archivfest ist, mitunter auch persönliche betroffenheit zeigt statt verbindlichem gelächle (thurnherr)?

war wohl ziemlich seicht und erwartbar.

einfach lächerlich

also dass sich der A. Wolf als Journalist bezeichnet ist ja Blasphemie ... werde nie vergessen als er planking gemacht hat ... seit dem hab ich nie wieder die ZIB geschaut ... wie soll man so einen noch ernst nehmen

da braucht er nicht über blogger schimpfen die führen wenigstens journalismus wie er eigentlich gehört ... als information und aufdeckung und nicht als bla bla in einem staatlichen sender ...

sie

führen nur keinerlei ernsthafte argumente an
..............

?

schon mal echte nachrichten gesehen und wie dort informationen aufbereitet werden?

Arte journal nur so als tipp

nicht nur schimpfen sondern sich auch informieren ... was bei uns als nachrichten läuft ist ja schon fast boulevard

"Wir erleben die größte europäische Krise seit 60 Jahren, und wann immer wir eine Geschichte zu Griechenland machen, schalten die Leute weg."

Ja, weil diese Geschichten eben nur Geschichten sind.

Würde ich für einen Beitrag verantwortlich sein, würden die Leute sicher nicht wegschalten, aber viele viele Anzeigenkunden wegfallen.

Sabine Bürger
04

Also das würde mich jetzt interessieren. Wie würden Sie es machen?

Ich könnte ja gerne einen Artikel für den standard.at schreiben. Drucken/online stellen werdet ihr diesen mit großer Wahrscheinlichkeit aber nicht. ;)

Ganz einfach, all das bringen, was diverse Wirtschaftsblogs, wie Querschüsse, rottmeyer etc. schon seit Jahren beschreiben.

Die Banken, das Geldwesen, also die Ursächlikeit der Krise an den Pranger stellen und diese genau als das benennen, was sie sind- Verbrecher!

Das hier genau zu erklären, würde den Rahmen hier gehörig sprengen.

Sabine Bürger
00

Es ist Aufgabe der Medien, Missstände aufzuzeigen, aber sicherlich nicht zu verurteilen. Medienrecht gilt im übrigen auch für Blogger.

Ach geh, liebe Frau Bürger, Sie wollen wir jetzt aber bitte nicht erklären, dass Medien nicht Meinungen und Tendenzen beeinflussen.

Eine kritische Aufarbeitung der Krise habe ich bislang noch in keinem "Massenmedium" lesen dürfen, bestenfalls ganz versteckt in einem kleinen Artikel.

warum

tun sie nicht einfach?
aufklärung tut not.

guter plan, und genau weil diese blogs informationen bringen, bei denen die leute sicher nicht wegschalten, werden die auch von nutzern regelrecht geflutet?

Blogs haben leider einen negativen Touch und werden gerne, vor allem von Politikern und Medien, ins Verschwörungslager gestellt.

Komsich nur, dass die Blogs, die ich lese, immer der Zeit voraus sind und auch richtiger liegen, als sämtliche Analysten, Politiker und Massenmedien.

Dass ich veranlagungsmäßig selbst von diesen schon schön profitiert habe, sei nur nebenbei erwähnt. ;)

bin immer auf der suche nach guten blogs

könntest du hier vielleicht welche anführen?
ich wäre dir sehr dankbar

Und da sollen die Leute nicht wegschalten?

Wie kommen Sie darauf, dass ein komplexer Vorgang plötzlich die Leute an den Bildschirm fesseln sollte?

Machen Sie einen Bericht über ein paar saftige absurde Missstände in G. und ein paar Beispiele von bösen Yacht-Griechen. Da schalten die Leute sicher nicht weg.

Weil gerade im Fernsehen komplexe Sachverhalte einfachst dargestellt werden können.

Sie haben behauptet, dass bei Ihnen die Leute nicht wegschalten würden. Und ich nehme einmal an, dass die ganze Griechenland Sache eine komplexe Angelegenheit ist, oder wollen Sie einfach nur sagen der und der und die sind in Wahrheit schuld?

Das was in Griechenland passiert ist nichts anderes als das, was uns noch blühen wird. Also ein schönes Beispiel für unsere Zukunft, nicht mehr und nicht weniger.

So komplex ist das nicht.

Weiter oben schreiben Sie "Das hier genau zu erklären, würde den Rahmen hier gehörig sprengen" und jetzt ist wieder nicht so komplex...

Wenn Sie so weiter machen zappe ich gleich weg...

Ich kann hier doch nicht auf max. 700 freien Zeichen erklären, wie ich einen Beitrag machen würde, damit die Leute nicht wegzappen.

Den Sachverhalt alleine soll natürlich nicht komplex sein, aber die Erklärung wie ich das machen würde, ist mir hier zu schwer zu erklären.

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