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Lauschten "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf: Studenten in der gut besuchten Vorlesung im Rahmen der Theodor-Herzl-Dozentur.

Armin Wolf, hier bei den Medientagen 2010.
War die Pressefreiheit 1965 noch "die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten" (Paul Sethe), so gilt heute: "Pressefreiheit ist die Freiheit von mehr als zwei Milliarden Menschen mit Internetzugang, ihre Meinung ins Netz zu stellen." "ZiB 2"-Anchor Armin Wolf nimmt an: Heute wäre Theodor Herzl Blogger.
Die Abgrenzung von Journalisten und Bloggern war Montagabend Thema der nach dem Wiener Journalisten Herzl benannten Dozentur im Audimax der Universität Wien. Wolf stellte die Frage "Wozu brauchen wir noch JournalistInnen?" und zeigte auf, was Blogger und Wikileaks nicht können.
Professionelle Struktur
Wolf ist ein Verfechter der Professionalität. Recherche, Selektion von Informationen, die redaktionelle Aufbereitung und Publikation, beispielsweise bei den Wikileaks-Dokumenten, dafür brauche es Journalisten. Das beste Umfeld bieten "nur professionelle Medien, weil man dafür Ressourcen braucht". "Journalismus ist ein Beruf, den man in professioneller Struktur anwendet", erklärte Wolf. Dabei ist Bezahlung ein wichtiger Aspekt. Nach Kommunikationsforscher Denis McQuail ist Journalismus "paid writing for public media with reference to actual and ongoing events of public relevance".
Auch erfolgreiche US-Blogs, die die öffentliche Debatte wie traditionelle Medien bestimmen, "machen das professionell". Etwa der 2008 von Nate Silver gegründete US-Wahlblog FiveThirtyEight, der 2010 in den Onlineauftritt der "New York Times" integriert wurde, und die Bloggerin Michelle Malkin, die Geld mit Werbung verdient.
Dietiwag-Blogger ist "politischer Aktivist"
Hierzulande sticht der "unglaublich gut informierte" Tiroler Markus Wilhelm mit seinem Blog dietiwag.org hervor. "Wilhelm definiert sich selbst als politischer Aktivist", erklärte Wolf, "er arbeitet mit journalistischen Mitteln, aber er ist kein Journalist."
Bürger-Journalismus definiere die Medienjournalistin Ulrike Langer als "ungeplante journalistische Handlungen", erwähnt Wolf. Frei nach US-Professor Clay Shirky: Filter sind in Zeiten des "information overload" gefragter denn je.

Infographic by Shanghai Web Designers
"Gatekeeper-Modell ist hinfällig"
"Letztlich ist Kuratieren das, was auch Journalisten bieten müssen. Das Gatekeeper-Modell ist hinfällig geworden. Das heutige Bild des Journalismus ist das des Kurators", sagte Wolf.
Eine Rolle spiele dabei nicht nur das Senden, sondern auch das Empfangen. Wolf bemüht Bert Brecht: "Rundfunk ist von einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln."
Journalismus der "Karajans" und "Gabaliers"
Und wie finanziert man Qualitätsjournalismus, der besser von "Karajans" (E-Journalismus) denn "Gabaliers" (U-Journalismus) kommt und die öffentliche Debatte über Politik, Wirtschaft, Kultur oder Wissenschaft anregt? Wolf zählt Modelle wie Spezialisierung (Politico Pro, Energy Intelligence), Paywalls und Stiftungen (Pro Publica, Guardian) auf. Oder wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, "man wird gezwungen zu zahlen. Möglicherweise ist Journalismus etwas, das die Öffentlichkeit erhalten muss", so Wolf. (Sabine Bürger, derStandard.at, 5.6.2012)
Armin Wolf im Zitat
... über die Finanzierung des Mateschitz-Senders: "Servus TV macht ein sehr ambitioniertes und durchaus öffentlich-rechtliches Programm - aber das ist das Hobby eines reichen Mannes und mit diesen Quoten nie finanzierbar. Und wenn der reiche Mann die Lust daran verliert, ist es vorbei."
... darüber, was der demokratische Diskurs braucht: "Das Wichtigste wäre, eine anständige 'Kronen Zeitung' zu machen. Oder 'Heute'."
... über den Nachrichtenkonsum in der Finanzkrise: "Wir erleben die größte europäische Krise seit 60 Jahren, und wann immer wir eine Geschichte zu Griechenland machen, schalten die Leute weg."
... wie man die Zuschauer davon abhält, zum Beispiel mit der "Planking"-Aktion im Studio: "Wir versuchen es eh mit unlauteren Mitteln, ich war nicht müde, als ich mich hingelegt habe."
Link
Quellenverzeichnis zur Vorlesung mit Linkliste relevanter internationaler und österreichischer Blogs: Herzl-VO-2
Nächster Termin
Die dritte und letzte Vorlesung findet am 18. Juni um 18.30 Uhr im Audimax der Universität Wien statt. Thema: "Das war nicht meine Frage." - Warum Politiker-Interviews noch immer sinnvoll sind, auch wenn es nicht immer so aussieht.
Ohne Refundierung: Weniger "Wir sind Kaiser" und "Musikantenstadl"
Kein teures Programm nach 23.00 Uhr - Besserer aber seltenerer Sendeplatz für dok.film - Dokumentarfilmer protestieren
Armin Wolfs Rede bei der Jahreskonferenz des Netzwerk Recherche "versöhnt Jung und Alt"
Um Mitternacht lagen die Grünen im Mai im ORF noch vor der SPÖ. In der "ZiB 2" nur knapp hinter der ÖVP. Ihr Erfolg bei Landtagswahlen ließ die TV-Redezeit ihrer Politikerinnen im ORF deutlich steigen.
Management droht laut Räten mit betriebsbedingten Kündigungen, großflächigen Auslagerungen und neuem Kollektivvertrag
Was fehlt der Produktionswirtschaft, wenn die Republik dem ORF nicht Gebührenbefreiungen abgilt? 120 bis 130 Millionen, ließen sich Branchenverbände errechnen. Beileibe nicht alleine für klassischen Film: Shows, Serien, Dokus und Magazine sind inkludiert.
BZÖ denkt Neugründung nach griechischem Vorbild an - SPÖ-Klubobmann Cap will "öffentlich-rechtlichen Rundfunk verteidigen"
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Für Betriebsrat ist Einigung "einigermaßen akzeptabel" - Wrabetz freut sich - Für Mitarbeiter viele Fragen offen
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abhängt, wird seinem Brötchengeber sicher nicht auf die Füsse treten.
Schön wären folgende Vorgaben:
"Wir wollen unsere Kunden kompetent machen" und ihnen keine Waschmittle verkaufen
"Wir wollen Informationen für mündige Bürger liefern" damit sie sich selbst eine Meinung bilden können
"Wir wollen Fakten und Meinungen voneinander trennen" und ihnen nicht mit Halbwahrheiten einpauken, was sie zu denken haben.
muss er auch sein als zib-sprecher...
"Das beste Umfeld bieten "nur professionelle Medien, weil man dafür Ressourcen braucht"."
das problem ist, die "ressourcen" gibts nur, wenn man pariert...
wenn die grossen medien nicht so manipulativ berichten wuerden, haetten bestimmte "blogs" nicht die bedeutung, die sie heute haben.
"mut zur wahrheit" mag eine abgedroschene floskel sein, aber sie ist die bedeutendste unserer zeit.
Manche meinen wohl, das tägliche Kameragesichtsbad macht sie zu Journalisten. Als Basis sollte zunächst einmal die Feststellung von Friedrichs beherzigt werden: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“
Wenn dass dann klappt, dann kommt das technische Handwerk der intensiven, sauberen und objektiven Recherche nach dem obigen Grundsatz, und erst dann das Info-Marketing.
sein an armin wolf, aber: gibt es in diesem land sonst noch einen orf-moderator, der sich sowenig wie er vom salbungsvollen politgewäsch einlullen lässt? der nachhakt, archivfest ist, mitunter auch persönliche betroffenheit zeigt statt verbindlichem gelächle (thurnherr)?
also dass sich der A. Wolf als Journalist bezeichnet ist ja Blasphemie ... werde nie vergessen als er planking gemacht hat ... seit dem hab ich nie wieder die ZIB geschaut ... wie soll man so einen noch ernst nehmen
da braucht er nicht über blogger schimpfen die führen wenigstens journalismus wie er eigentlich gehört ... als information und aufdeckung und nicht als bla bla in einem staatlichen sender ...
"Wir erleben die größte europäische Krise seit 60 Jahren, und wann immer wir eine Geschichte zu Griechenland machen, schalten die Leute weg."
Ja, weil diese Geschichten eben nur Geschichten sind.
Würde ich für einen Beitrag verantwortlich sein, würden die Leute sicher nicht wegschalten, aber viele viele Anzeigenkunden wegfallen.
Ganz einfach, all das bringen, was diverse Wirtschaftsblogs, wie Querschüsse, rottmeyer etc. schon seit Jahren beschreiben.
Die Banken, das Geldwesen, also die Ursächlikeit der Krise an den Pranger stellen und diese genau als das benennen, was sie sind- Verbrecher!
Das hier genau zu erklären, würde den Rahmen hier gehörig sprengen.
Ach geh, liebe Frau Bürger, Sie wollen wir jetzt aber bitte nicht erklären, dass Medien nicht Meinungen und Tendenzen beeinflussen.
Eine kritische Aufarbeitung der Krise habe ich bislang noch in keinem "Massenmedium" lesen dürfen, bestenfalls ganz versteckt in einem kleinen Artikel.
Blogs haben leider einen negativen Touch und werden gerne, vor allem von Politikern und Medien, ins Verschwörungslager gestellt.
Komsich nur, dass die Blogs, die ich lese, immer der Zeit voraus sind und auch richtiger liegen, als sämtliche Analysten, Politiker und Massenmedien.
Dass ich veranlagungsmäßig selbst von diesen schon schön profitiert habe, sei nur nebenbei erwähnt. ;)
Und da sollen die Leute nicht wegschalten?
Wie kommen Sie darauf, dass ein komplexer Vorgang plötzlich die Leute an den Bildschirm fesseln sollte?
Machen Sie einen Bericht über ein paar saftige absurde Missstände in G. und ein paar Beispiele von bösen Yacht-Griechen. Da schalten die Leute sicher nicht weg.
Ich kann hier doch nicht auf max. 700 freien Zeichen erklären, wie ich einen Beitrag machen würde, damit die Leute nicht wegzappen.
Den Sachverhalt alleine soll natürlich nicht komplex sein, aber die Erklärung wie ich das machen würde, ist mir hier zu schwer zu erklären.
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