Zwei aus Salzburger Zoo entkommene Geparden sind wieder im Gehege

5. Juni 2012, 15:42
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Türe zum Gehege laut Tiergarten aufgebrochen - Jungtiere folgten den Lockrufen der Mutter

Salzburg -Zwei junge Geparden-Weibchen haben am Dienstag in den frühen Morgenstunden in Salzburg für große Aufregung gesorgt. Die beiden Raubkatzen waren in der Nacht aus ihrem Gehege im Zoo Salzburg ausgerissen, haben das Tiergartengelände verlassen und sind Richtung Anif marschiert. Die Rufe der Mutter haben die beiden Ausreißer schließlich zur freiwilligen Rückkehr bewegt. Die Tür zum Gehege war laut Zoo aufgebrochen worden.

"In jüngster Zeit haben sich mehrmals in der Nacht Jugendliche zur Mutprobe in den Zoo begeben", schilderte Zoo-Direktorin Sabine Grebner. Dies sei auch durch eingerichtete Foto-Fallen nachgewiesen worden. In der Nacht auf Dienstag wurde ihren Angaben zufolge eine Tür zum Geparden-Gehege aufgebrochen. Da sich diese Türe im nicht zugänglichen Bereich des Tiergartens befindet, ist diese auch nicht besonders gesichert. Grebner vermutet, dass die Aktion auf das Konto dieser Jugendlichen geht. Die Polizei wurde informiert.

Polizei-Sprecher Roland Loipold konnte auch am Nachmittag nicht bestätigen, dass die Türe aufgebrochen wurde. Ein Beamter habe das Schloss überprüft und dabei keine eindeutigen Indizien für ein gewaltsames Aufbrechen festgestellt.

Narkosegewehr nur für Notfall

Gegen 6.30 Uhr langte auf jeden Fall bei der Polizei der Notruf ein, dass sich auf einer Wiese in Anif Geparden befänden. Dort stieß die Aniferin Edith Stock bei ihrem Morgenspaziergang mit ihrem Hund auf die beiden ausgerissenen Geparden. "Zuerst dachte ich aus der Ferne, das sind aber große Hunde, die da unterwegs sind. Sie haben sich dann zwei Meter neben mir hingesetzt. Ich war wie erstarrt und spürte, jetzt kommt die Panik hoch", berichtet Edith Stock aus Anif in einem Gespräch mit dem ORF. "Wie der zweite Gepard kam, habe ich ganz laut um Hilfe geschrien." Gemeinsam mit einem Nachbarn, der mit Skistöcken herbeigeeilt war, schrie sie die Tiere an und vertrieb sie so.

Die Polizei verständigte sofort den Tiergarten, der Pfleger zum Gepardengehege schickte, wo die offene Tür und das Fehlen der beiden weiblichen Jungtiere namens Raha und Juvi bemerkt wurde. Diese beiden gehören einem Wurf mit drei Katzen aus dem Vorjahr an. Sie sind laut Grebner fast ausgewachsen, halten aber noch engen Kontakt zur Mutter.

Die Pfleger und der Tierarzt entdeckten die beiden Geparden kurz darauf auf einer Wiese Richtung Anif. Die Tiere sind den täglichen Umgang mit Menschen gewöhnt und verhielten sich recht ruhig. Auch die Polizei war mit rund zehn Streifen im Einsatz. Obwohl die Tiere laut Grebner keine Gefahr für Menschen darstellen, hätte die Polizei nach eigenen Angaben scharf geschossen, wenn sich die Katzen auf bewohntes Gebiet zubewegt hätten. Die Tierpfleger hatten ein Narkosegewehr dabei, wollten dieses aber nur im Notfall einsetzen. Sie umkreisten auf der Wiese die beiden Weibchen sehr behutsam, um sie nicht zu verschrecken.

Das Muttertier, das ebenfalls das Gehege, nicht aber den Tiergarten verlassen hatte, rief nach den beiden Ausreißern, die den Rufen auch folgten und so in Begleitung der Pfleger wieder Richtung Zoo marschierten. Damit sie wieder rasch ins Areal gelangen konnten, schnitt ein Schlosser ein Eisengitter der Zoomauer mit einer Flex auf. Gegen 8.30 Uhr waren Raha und Juvi schließlich wieder daheim in ihrem Gehege.

Laut Zoo-Tierarzt Jochen Lengger sind Geparden die harmlosesten Raubkatzen und von ihrem Körperbau nicht für die Jagd auf große Beutetiere geeignet. "Sie haben ein Gebiss wie ein Königspudel. Jede ausgewachsene Dogge ist größer und schwerer", erklärte Zoo-Direktorin Grebner.

Pfotenhilfe fordert Import- und Zuchtverbot von Wildtieren

Der Verein Pfotenhilfe wies in einer Presseaussendung dennoch darauf hin, dass Vorfälle dieser Art immer wieder tödlich für Menschen enden.  Ein Blick ins Archiv zeigt, dass Geparde auch für Menschen gefährlich werden können: 2007 tötete ein Gepard in einem belgischen Tiergarten eine Frau, die in das Gehege eingedrungen war. Und 1998 hatte in Westfrankreich ein entkommender Gepard einen dreijährigen Buben getötet.

Der Verein Pfotenhilfe fordert ein Import- und Zuchtverbot von Wildtieren und möchte, dass Zoos in Zukunft als moderne Auffangstationen für illegal gehandelte, beschlagnahmte Wildtiere dienen. (APA/red, derStandard.at, 5.6.2012)

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    Die ausgebüxten Raubkatzen kehrten am Vormittag in den Zoo zurück.

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