Stevia: Legales "Badewasser schlürfen"

Österreicher arbeitet an Bioproduktion, auch die Gesundheitsdiskussion ist aufgearbeitet

Wien - Bis zum verwichenen Dezember mussten die Produkte innerhalb der EU etwa beim Biogreißler noch als "Badezusatz" verkauft werden. Eingeweihte ergänzten dies mit: "Lass mich dein Badewasser schlürfen" - und kauften die Produkte der Steviapflanze als Süßmittel. Anfang Dezember wurden Stevia-Produkte schließlich für die EU zugelassen - und die Diskussion ging weiter. Vor allem um die Frage: Wie natürlich dieser aufwendig verarbeitete Süßstoff denn eigentlich sei.
Die Gewinnung der Pflanzeninhaltsstoffe funktioniere im Prinzip genauso wie bei der Herstellung von Kristallzucker, betonte nun am Montagvormittag Senad Novalin vom Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität für Bodenkultur Wien: Extraktion, Entfernung unerwünschter Inhaltsstoffe und Kristallisation. Bei der Steviapflanze sei dies lediglich ein etwas aufwändigerer Prozess als bei Zucker. Und die Pflanze selbst produziere den Stoff ja letztlich auch auf biochemischer Art und Weise. 

20 bis 25fach süßer als Zucker

Ursprünglich kommt die Pflanze, deren Blätter rund 20 bis 25fach süßer sind als Zucker, aus Paraguay. Inzwischen befinden sich 80 bis 90 Prozent aller Stevia-Plantagen in China. Derzeit gebe es bereits einzelne Produzenten, die Steviablätter in Bioqualität anbieten, berichtet der österreichische Stevia-Pionier Franz Reisenberger. Was es aber bisher weltweit noch nicht gebe, sei ein Produktionsverfahren des Stevia-Extraktes, das den Biorichtlinien entspricht. Und an genau dem arbeitet Reisenberger derzeit.

Die Gesundheitsdiskussion im Zuge des EU-Zulassungsprozesses sieht Internist Rudolf Prager vom Krankenhaus Hietzing als aufgearbeitet an: Das Produkt sei nun "sehr, sehr gut untersucht". Auch Untersuchungen mit hundertfacher Dosierung hätten gezeigt, dass weder karzinogene noch genverändernde Wirkung besteht. Der Vorteil von Stevia: Der Süßstoff ist praktisch kalorienfrei, beeinflusst weder den Blutzucker noch den Insulinspiegel - und löst keine Karies aus. (frei; DER STANDARD, 5.6.2012)

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