Schmieds Reifeprüfung

Kommentar | Michael Völker, 4. Juni 2012, 19:58

Rückschlag für die Unterrichtsministerin: Die Zentralmatura wird verschoben

Es ist ein Scheitern, auch auf politischer Ebene. Positiv daran ist immerhin, dass Claudia Schmied dieses Scheitern einsieht, dass sie es, wenn auch nur indirekt, eingesteht und daraus die Konsequenzen zieht: Die Zentralmatura, ein Renommierprojekt der Unterrichtsministerin, wird verschoben, muss verschoben werden. Die standardisierte Reifeprüfung wird doch nicht 2014 starten, sondern erst 2015.

Das gesamte Projekt war zu wenig gut vorbereitet - auf allen Ebenen. Das Anliegen war politisch schlecht kommuniziert, es wurde zu wenig erklärt, es wurde zu wenig Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet. Die Gegner wurden nicht an Bord geholt, sie wurden vor den Kopf gestoßen. Die Zentralmatura war auch in der Sache selbst schlecht vorbereitet, das hat sich an den Schulstandorten gezeigt. Lehrer, Schüler und Eltern waren verunsichert. Jetzt kann man zwar auch die Auffassungsgabe, die Flexibilität und die grundsätzliche Bereitschaft mancher Lehrer hinterfragen, aber wenn sie nicht wissen, was sie unterrichten sollen, wie sie die Schüler vorbereiten und wie sie abschließend die Arbeiten benoten sollen, dann ist da ganz grundsätzlich etwas in der Kommunikation schiefgelaufen.

Viele Einwände waren auch von der Boshaftigkeit jener geprägt, die ganz prinzipiell gegen die Zentralmatura sind, weil sie von Gleichmacherei sprechen. Letztendlich war aber davon auszugehen, dass auch jene Lehrkräfte an der Zentralmatura scheitern würden, die dem Projekt konstruktiv und aufgeschlossen gegenüberstanden. Das musste auch Claudia Schmied einsehen, die etliche Schulstandorte besucht und mit den Betroffenen ernüchternde Gespräche geführt hatte.

Sorglose Vorbereitung

Die Zeit war zu knapp, die Vorbereitung durch das Bifie, das Bundesinstitut für Bildungsforschung, offenbar zu sorglos. Das Chaos, das durch politischen Bestemm angerichtet worden wäre, wäre nicht zu rechtfertigen gewesen. Schlussendlich hätten das die Maturanten ausbaden müssen.

Für Schmied ist das bitter. Schmerzlich klingt auch das Triumphgeheul jener, die in der Vergangenheit massiv gegen das Vorhaben gearbeitet haben und nun dessen Verschiebung bejubeln. Ihnen ging es nicht um eine bessere Vorbereitung, sondern um die Sache an sich. Dass am selben Tag in ganz Österreich alle Maturanten mit identischen, zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen konfrontiert würden, war ihnen ein Dorn im Auge. Sie fürchteten noch schlechtere Lernerfolge. Nicht für das Leben würde dann gelernt, sondern für einen standardisierten Test - unbrauchbares Wissen.

Die Skeptiker sind aber auch jene, die auf Änderungen generell allergisch reagieren. Mit einer vereinheitlichten Matura, die vom Wohlwollen der Beteiligten getragen wäre, könnte allerdings mehr Objektivität und Gerechtigkeit, eine bessere Vergleichbarkeit und auch eine bessere Vorbereitung in die Schulen Einzug halten. Profiteure wären Schüler wie Lehrer.

Ob Schmied selbst das als Unterrichtsministerin noch erleben wird, ist ungewiss. Sie ist angeschlagen. Die schlechte Vorbereitung und die ungeschickte Kommunikation liegen in ihrer politischen Verantwortung. Und wenn sie angesichts der Veränderungsphobie im Bildungssystem, des generell bildungsfeindlichen Klimas im Land und der ausschließlich ideo logisch ausgerichteten politischen Argumentationslinien resigniert, man könnte es ihr nicht verdenken. (Michael Völker, DER STANDARD, 5.6.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 66
1 2

die Zentralschule könnte eine erste Hürde sein, wo man das Volk befragt was wirklcih wichtig ist für eine Bildung eines Menschen innerhalb einer Gemeinschaft.

SKLAVEN brauch ma kane

Man mag dazu stehen wie man will - aber, wenn etwas um 1 Jahr verschoben wird, weil man nachbessern muss, heißt das wirklich "Scheitern"?

WOZU genau brauchen wir in Österreich...

...unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es hierzulande keinen Numerus Clausus gibt, eine "Zentralmatura"?
Jeder weiss, dass die Schulen unterschiedliche Qualitätsstandards haben, sodass sich Firmen viel eher an der Schule, die absolviert wurde und dem persönlichen Gespräch orientieren als an dem Maturazeugnis. Und NIEMAND würde auf die Idee kommen, NUR das Maturazeugnis und nicht auch gleichzeitig jenes der 8.Klasse anzusehen.
Und für die Zulassung zum Studium ist das Maturazeugnis in Ö irrelevant. Wozu also die Zentralmatura???
Der Tag, an dem die Frau Schmied die Politik verlässt sollte zum landesweiten Feiertag erklärt werden. Gegen die war die Gehrer Liesl eine Top-Performerin...

da hätte eine aufnahmeprüfung viel retten können

scheitern

Was mich unglaublich stört ist,daß da sofort von 'scheitern'die rede ist.was im leben läuft denn schon glatt.
Wenn das politische gegner sagen,die demagogisch unterwegs sind,kann ich das noch nachvollziehhen.
Was die zeitungen bezwecken,verstehe ich allerdings nicht.in großen dicken überschriften ist von scheitern,desaster,niederlage etc. die rede.der mensch lernt durch versuch u. irrtum,darum darf man den irrtum nicht schlecht machen.

Würdest du das auch über eine x-beliebige Ministerin von der ÖVP sagen?
Eben ...

Leider war die U - Ministerin immer wieder darauf bedacht sich durch kostspielige Werbung und politisch nicht durchdachte "Sager" ins Rampenlicht zu stellen. dem Zeitgeist entsprechend wollte sie auch als die Reformministerin schlechthin gelten.

Vielleicht wäre es sinnvoll gerade einen Posten der so sehr die Entwicklung eines Landes beeinflusst, wie es Bildung tut, nicht mit Personen zu besetzen, die sich selbst gerne in Medien sehen und hören.

Wo ist ein Töchterle für das Unterrichtsministerium?

Ich mag sie auch nicht, aber sie hat wenigstens mal was bewegen wollen, wenn ich an die schwarzen Unterrichtsministerinnen von früher denke, die haben unser Bildungssystem dort hin gebracht wo wir jetzt stehen, nämlich am Abgrund!

Bitte keine Geschichtsfälschung!

Man kann der övp vieles vorwerfen, aber die Niveausenkung im Schulsystem haben sp-Minister von Sinowatz bis Zilk zu verantworten! Ihr Ziel war: Matura (möglichst) für alle!

Da vergisst aber einer die Habdarbeitslehrerin Gehrer...

sorry: Handarbeitslehrerin

Die war aber ausgebildete Volksschullehrerin.

Ich frage mich auch schon die ganze Zeit, ob der Einheitsbrei, der der linken Reichshälfte vorschwebt, auch etwas Gutes ist ...

kein wunder

was war von frau schmied auch anderes zu erwarten. in ihrem früheren brotberuf war sie einer dieser banker, die den steuerzahlern milliardenverluste bereitet haben. diese veranwortung konnte sie dank der protektion des linken meinungsestablishments entgehen: jeder andere minister, der abermilliarden verspekuliert hat, wäre längst medial zum rücktritt gezwungen worden. aufgrund ihrer ideologischen starrsinnigkeit - einheitsschule - wird sie (noch?) protegiert.

Diese ganzen verdammten ideologischen Grabenkämpfe sind nichts Gutes ...

Hurra - ein Sieg der ÖVP gegen die "ROTE MINISTERIN",

ABER eine Niederlage für die Neugestaltung des Bildungsweges!!!

Denn was bleibt,
lauter Mogelpackungen!

Was hat den das Kindlein vom Herrn Akademiker aus Liesing von der speziellen AHS-Unterstufe mehr, wenn 97% der Kinder in dieser Wohngegend allesamt die "höhere" Form besuchen ....
ist das keine Nievelierung ??????

Aber entscheidend ist doch welche Persönlichkeit am Ende des Bildungsweges herauskommt,
nicht Machtspielchen und
"Ettiketten"
(Zitiat eines Elternvertreters: "mein Kind wird nie in eine Schule gehen wo draußen Hauptschule draufsteht", weil der Herr Stadtbürgermeister ein nicht mehr benötigtes Hauptschulgebäude dem Gymnasium zur Benutzung angeboten hat)

Aber es ist gut so, wir bräuchten keine Zentralmatura, wir brauchen ...

schon wieder so einer

der eltern standesdünkel unterstellt. wenn sie wirklich selber kinder haben, dann werden sie das gefühl ja kennen, ihren kindern die bestmögliche ausbildung zu ermöglichen. und die besten schulen in österreich sind eben gymnasien. und in diesen gymnasien sitzen ausländer, inländern, kinder reicherer eltern und ärmerer kunterbunt durcheinander. das wüssten sie, wenn sie eines kennen würden. jeder der lernt kann ins gymnasium kommen, nur lernen muss er dafür.

naivität oder chuzpe?

Glauben Sie wirklich, dass jeder der lernt ins Gymnasium kommen kann? Dann sind Sie entweder sehr naiv oder sehr ahnungslos...

Sind Sie ein "aufgeblasener Pimpf" ...?

Ich kann Ihnen sagen,
alle meine Kinder, deren 4,
haben nach einer ganz gewöhnlichen Hauptschule
(das ist die Form mit "Leistungsgruppen", wovor sich viele durch "Flucht in die AHS Unterstufe drücken)

eine weiterführende Schule (ORG, HTL, BHS,) besucht,
und dort anstandslos, einige sogar mit *,
maturiert,
und sodann einen akademischen Abschluß erreicht

Auf dem Weg nach der Hauptschule und dann in der WU, TU, ... trafen sie wieder auf jene "begüterten" und "gehobenen Kinder" die
"für die Hauptschule zu gut" waren, ......

Aber so AUFGEBLASENE wie SIE,
brauchen halt diese "Sonderformen"
um sich "abzuheben" vom "Abschaum" ..........

der einzige der hier

nachgewiesenermassen standesdünkel hat sind sie. danke für das erhellende posting.

im übrigen gibt es gar nicht so viele begüterte und abgehobene kinder wie es plätze in den gymnasien gibt.

dass man mit der hauptschule leicht eine matura machen kann, weiss auch jeder ausserhalb der roten "bildungs"zirkel. sie sollten ihren ärger auf die konzentrieren, die mit ihrer anti-gymnasium kampagne so tun, als wären alle hs deppen!

wenn es eh keine Deppen werden, in der HS

dann lassen sie ihre Kinder doch mit ihren Freunden in die nächstgelegene HS gehen .....

und hetzen sie die doch nicht in irgend ein Gym.

Es gilt doch zu bedenken,
dass die GYM-Lehrer (L1) um 1/3 mehr kosten und da sollte man diese Aufwendungen für die Klassen 1-5 eifach auf das HS-Niveau drücken ....
und alle in die HS oder neudeutsch NMS schicken ....

und alle durch die Leistungsgruppen schleusen, nicht wieder abschaffen das System weil es die Lehrer "belastet" hat .....

Kommunikation braucht Inhalte

Wenn Lehrer "nicht wissen, was sie unterrichten sollen, wie sie die Schüler vorbereiten und wie sie abschließend die Arbeiten benoten sollen", liegt das nicht bloß daran, dass "etwas in der Kommunikation schiefgelaufen" ist.

Bevor man etwas kommunizieren kann, müssen die Inhalte feststehen. Und das war leider - obwohl man es kaum glauben mag - bis zum Schluss nicht ausreichend der Fall. Es gibt graduelle Unterschiede zwischen den Fächern, aber generell wurde hier (BIFIE & Umfeld) - wie im Potemkinschen Dorf NMS - sehr viel Geld sehr ineffizient eingesetzt, allen Jubelinseraten in "heute" und "Österreich" (für die auch genug Geld da war) zum Trotz.

Wir brauchen ehrliche, echte Reformen.
Keine politischen Mogelpackungen.

wenn man bedenkt dass die gleiche

mannschaft - bifie + schmied - für die nms verwantwortlich sind, dann graut einem jetzt schon vor der ersten ehrlichen evaluierung.

wer pröll, neugebauer, die lehrergewerkschaft und die ÖVP gegen sich hat

müsste schon ein echter "wunderwuzzi" sein, um alles so gut zu kommunizieren und so aufzubereiten, dass denen kein einwand mehr einfällt...
das "kommunikationsproblem" nur bei der ministerin zu suchen ist mir zuuu einfach....

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 66
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.