Bisher fernste Galaxie erspäht

4. Juni 2012, 16:41
  • Mit  SXDF-NB1006-2 wurde die bisher fernste Galaxie am 
Nachthimmel aufgespürt. Rechts sind die eingefärbten Kombinations-Beobachtungen des Subaru-Teleskops zu sehen. In der Bildmitte befindet sich die fernste Galaxie (rot). Links unten ist ein Ausschnitt der rechten Bildmitte vergrößert, links oben ist die Galaxie weiter vergrößert zu sehen.
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    Mit SXDF-NB1006-2 wurde die bisher fernste Galaxie am Nachthimmel aufgespürt. Rechts sind die eingefärbten Kombinations-Beobachtungen des Subaru-Teleskops zu sehen. In der Bildmitte befindet sich die fernste Galaxie (rot). Links unten ist ein Ausschnitt der rechten Bildmitte vergrößert, links oben ist die Galaxie weiter vergrößert zu sehen.

Forscher sehen die Galaxie zur Zeit der kosmischen Dämmerung - Beobachtung gelang mit Hilfe des Subaru- und des Keck-Teleskops

Hilo - Japanische Forscher haben die bisher fernste Galaxie am Nachthimmel aufgespürt. Das Sternsystem ist 12,91 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt und stammt vom Ende des Dunklen Zeitalters im jungen Universum, wie das Subaru-Observatorium in Hilo auf der Insel Hawaii am Montag mitteilte. Die Entdeckung der Astronomen um Takatoshi Shibuya von der japanischen Graduate University for Advanced Studies soll in einer der kommenden Ausgaben des Fachblatts "The Astrophysical Journal" erscheinen.

Nach dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren war der Kosmos zunächst erfüllt von einem undurchsichtigen Schleier aus neutralem Wasserstoffgas. Diese Epoche wird daher auch das Dunkle Zeitalter genannt. Erst das Licht der ersten Sterne und Galaxien lichtete den Wasserstoffnebel, indem es ihn ionisierte, und machte das Universum langsam wieder durchsichtig. Die Astronomen sprechen von der kosmischen Dämmerung. Das Team um Shibuya war mit dem Subaru- und dem Keck-Teleskop auf Hawaii auf die ferne Galaxie gestoßen. Sie hatten gezielt nach fernen Sternsystemen gesucht; nach den Zuständen zur Zeit der kosmischen Dämmerung.

Etwa zu dieser Zeit sehen die Astronomen die jetzt entdeckte Galaxie mit der Katalognummer SXDF-NB1006-2, denn ihr Licht war 12,91 Milliarden Jahre zu uns unterwegs. Aus den Beobachtungen schließen die Forscher, dass damals, rund 750 Millionen Jahre nach dem Urknall, noch 80 Prozent des Wasserstoffgases in neutraler Form vorlag. Tatsächlich war der Anteil des neutralen Wasserstoffs damit deutlich größer als heute, berichten die Astronomen. (APA/red, derStandard.at, 4.6.2012)

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Blöde Frage ...

Wie sehen immer weiter in die Vergangenheit: Kann man auch irgendwann einmal mit dem passenden Teleskop auch den Urknall beobachten?

Würde das die heutige Physik zulassen?

Den Urknall kann man nicht sehen

Unmittelbar nach dem Urknall war das Universum ein Millionen Grad heißes Plasma (H+ Ionen) und wie eine Sonne undurchsichtig.

In 380.000 Jahren expandierte es auf 36 Mio. Lj und kühlte auf 3.000 Grad ab, sodass sich nun Protonen und Elektronen zu Atomen vereinen und Photonen frei bewegen konnten.

Nun durchsichtig geworden, war das Universum sehr dunkel, da die Materie zu abgekühlt war, um ausreichend UV-Licht zu emittieren, das zudem verstärkt vom nun neutralen Wasserstoff absorbiert wurde.

Erst die „Re-Ionisation“ des Wasserstoffes in der stellaren Verdichtung von Galaxien beendete das Dunkle Zeitalter des Universums.

Vor 750 Mio. Jahren war der Wasserstoff noch zu 80% neutral. Je weiter wir nun zurückblicken, desto dunkler wird es.

Danke! Hätten Sie bitte eine Buchempfehlung für mich über genau dieses Thema? Mih würden die Zusammenhänge interessieren. Woher wissen wir das?

Wenn ich vielleicht kurz aushelfen darf:
Sehr gut:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eine... e_der_Zeit
oder, schon etwas älter und vielleicht nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, für einen ersten Überblick aber immer noch gut:
"Die ersten drei Minuten" von diesem Herrn hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stev... n_Weinberg
Beide Bücher sind angenehm zu lesen und als paperback (geeignet für den Urlaub) erhältlich.
Viel Spaß!

Buchtip zum Thema Kosmologie habe ich leider keinen. Ich habe mich über Jahre eingelesen. Wichtig ist halt erste Hand, sprich Physiker, damit man das auch studieren und hirnen kann.

Geschenkt wird einem nichts, außer man lässt sich berieseln, und Studieren heißt halt hinterfragen, sich vorwärtstasten und Gespür entwickeln.

Top Themen waren vor 20 Jahren Urknall, Inflation, Hintergrundstrahlung, Filamente. Vor 10 Jahren Dunkle Materie, Dunkle Energie, Struktur und ist heute u.a. die Bewegung im expandierenden Raum. Meinen Link von damals finde ich nicht mehr. Guten Überblick mit Links gibt:

http://abenteuer-universum.de/allgemein... nhalt.html

Eine gute Orientierung gibt:

http://www.atlasoftheuniverse.com/

Gut ist Wikipedia und Youtube: WeltderWissenschaft, Univ. Prof Harald Lesch etc. Gute Artikel sind in Bild der Wissenschaft, Spektrum der Wissenschaft.

In meinem Posting weiter unten sind noch drei gute Links.

die zahlen der entfernung sind für mich genauso unglaublich, wie die der bankenrettungen.

Solange wir beim Kapitalismus bleiben, werden wir nie dorthinfliegen ...

vielleicht

ist das aber auch nur ein dreckfleck auf der linse?

sollte mal die putzfee drübergehen ...

war sicher ne taube.

aber ein 12,91 milliarden alter tauben-schiss ist ja auch nicht zu verachten... ;-)

Da muss die aber Dosengulasch gefressen haben, bei der Rotverschiebung ...

Das sind die Reste einer Fliege

Beispiel: Windschutzscheibe!

Ich schätze, die Reste dieser Galaxie sind heute zumindest 30 Mrd. Lichtjahre entfernt.

Während der 12,91 Mrd. Jahre, die das Licht zu uns unterwegs war, hat sich der Raum "hinter dem Licht" andauernd ausgedehnt. Die tatsächliche Entfernung ist daher wesentlich größer als 12,9 Mrd. Lichtjahre.

Der Beobachtungshorizont (= Licht hat 13,7 Mrd. Jahre {= Alter des Universums} zu uns gebraucht) liegt bei ca. 42 Mrd. Lichtjahren. Die Überreste eines Objekts, dessen Licht 13,7 Mrd. Jahre zu uns gebraucht hat, wäre heute ca. 42 Mrd. Lichtjahre von uns entfernt.

Dass das Licht dieser Galaxie 12,9 Mrd. Jahre zu uns gebraucht hat, ist übrigens ein Indiz dafür, dass die Expansion des Raumes im frühen Universum ein Vielfaches der heutigen Hubble Konstante (75km/s*Mpc) betrug.

Mit der heutigen Expansion hätte sich die Galaxie in den 750 Mio. Jahren vom gemeinsamen Ort des Urknalls kaum die halbe Distanz zum Andromeda-Nebel entfernen können und das Licht, das uns erst nach 12,9 Mrd. Jahren erreichte, hätte uns schon nach 1 Mio. Jahre erreicht.

Selbst bei einer damaligen Distanz von 750 Mio. Lj, hätte uns ihr Licht bei heutiger Raumausdehnung nach 800 Mio. Jahren erreicht.

Daraus folgt, dass damals auch schon bei geringen Distanzen eine Raumausdehnung jenseits der Lichtgeschwindigkeit geherrscht haben muss, die einen Raum zwischen uns aufbaute, der erst in 12,9 Mio. Jahren überbrückbar war.

Bei heutiger Expansion müsste eine Galaxie 8 Mrd. Lj entfernt sein, damit ihr Licht 12,9 Mrd. Jahre zu uns unterwegs wäre.

mit der bitte um erklärung

-) "eine Raumausdehnung jenseits der Lichtgeschwindigkeit" wie darf sich Mensch das vorstellen? Mit der Physik an die wir heute glauben ist das doch nicht erklärbar? Es gibt nichts, was sich schneller als Licht bewegt (sagen X, Y und Z) - aber der Raum ist scheinbar nicht "etwas"?!
-) Ausserdem soll sich laut Astronomen, dass All immer schneller ausdehnen. Da hätten wir dann unterschiedliche Geschwindigkeiten. Nach dem Urknall "schneller als Licht", dann gemächlich, und nun immer schneller werdend?!
-) Wenn ich nun diese Galaxie beobachte, dann weiß ich lediglich dass sie 12,9Mrd LJ entfernt ist, ich kann aus dieser Entfernung aber absolut nichts über ihr Alter sagen, richtig? Weil ich nicht weiß wie schnell sich der Raum ano ausgedehnt hat

ad 1) Die Raumausdehnung ist keine Bewegung. Sie findet überall statt und addiert sich. In einer Distanz von 13,7 Mrd. Lj erreicht diese Addition Lichtgeschwindigkeit und bei 27,4 Mrd. Lj die doppelte Lichtgeschwindigkeit.

ad 2) Am Anfang war das Universum strahlendominiert und expandierte in 300.000 Jahren auf 900.000 Lj. Danach war es materiedominiert. Die Expansion verlangsamte sich. Seit 5 Mrd. Jahre dominiert der Raum. Die Expansionsrate nimmt seither wieder zu.

http://courses.washington.edu/bangblue/... 6-3-08.png

ad 3) Bei dieser Galaxie wurde die Lichtlaufzeitdistanz anhand der Rotverschiebung (z=7,2) gemessen. Das ergibt zum Zeitpunkt der Lichtemission vor 12,91 Mrd. Jahren eine Distanz von 1,57 Mrd. Lj

Über die Auswirkung der veränderten Expansionsrate bin ich selber noch am hirnen. Siehe dazu:

http://www.scienceblogs.de/astrodict... ologie.php

Hier habe ich noch einen Umrechner für die Rotverschiebung gefunden

http://www.astro.ucla.edu/~wright/C... oCalc.html

Ho (Hubblekonstante) / OmegaM (Dichte des Univerums)
Omegavac (Kosmische Konstante) / z (Rotverschiebung)

Die Parameter Ho=71 / OmegaM=0.27 / Omegavac=0.73 so stehen lassen, wie sie sind und für z den Wert z=7,2 einsetzen und auf "General" klicken, dann haben Sie die Entfernungen der Galaxie:

1) Alter des Universum zur Zeit der Lichtemission: ... 749 Mio. Jahre
2) Lichtlaufzeitentfernung: .................................. 12,916 Mrd. Lj
3) Heutige Entfernung gemäß Hubble: ................... 28,986 Mrd. Lj
4) Entfernung zum Zeitpunkt der Lichtemission: ...... 3,5346 Mrd. Lj
5) Entfernung gemäß der Leuchtkraft der Galaxie: ... 237,67 Mrd. Lj

ad 4) Korr. meiner Berechnung + 2 Mrd. Lj

vielen dank auch

ich sehr schon, so einfach ist das nicht, entfernungen weit entfernter objekte zu bestimmen. auch wenn es berechnete schätzungen sind, so bleiben es für mich schätzungen.
ich danke dir/ihnen für die ausbreitung ihres/deines wissens, und für die links .. könnte sein, dass ich ein stück schlauer geworden bin .. nur ob dieses wissen die welt retten wird?! ;)

mir wird bei der vorstellung im allgemeinen und solchen grössen im besonderen immer ganz schwummrig

da hab ich dann ein klein bisschen einen anfall von esoterik.
der geht aber zum glück vorbei ;-)

wissenschaft statt waffen,bitte !

Ihre Esotherik-Anfälle in Ehren

Aber wenn Ihnen schon schwummrig wird, können S' auch auf Grün drücken.

Kennen S' Dustin Hoffman in "Wag the dog" als er sagte:"I did it for credit"?

Ich denke, ich kann Sie beruhigen, das was Sie meinen ist kein "anfall von esoterik", sondern ein gesunder Respekt vor der Komplexität naturwissenschaftlicher Zusammenhänge.
Bewahren Sie sich dieses "kindliche Staunen", die meisten großartigen Wissenschafter haben es genau so gemacht.

Die Reste der Galaxie?

Die Milchstrasse ist nicht jünger ;-)

das erklärt so manches...

Hubble Deep Field

Dachte dass nur Hubble in der Lage wäre das schwache Licht der allerweitesten entfernten Galaxie aufzuspüren. So hat das Subaru nun das Hubble übertrumpft oder wie?

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