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Strom wird zur Energie der Zukunft

4. Juni 2012, 16:12
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Die Energiewende in Europa ist weitgehend beschlossene Sache. Jetzt geht es um das "Wie?"

Bis 2050 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch in Österreich von 30 auf 80 Prozent gesteigert werden, der Endenergieverbrauch soll um 50 Prozent sinken. Wichtigste Maßnahmen sind der Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Steigerung der Effizienz im Umgang mit Energie. Strom wird damit zur Energie der Zukunft. Wenn 80 Prozent der Energieversorgung mit elektrischem Strom erfolgen sollen, wird die sichere Versorgung mit Strom zur zentralen Säule des Energiesystems und damit der Volkswirtschaft. Die Vorsorge gegen Versorgungsunterbrechungen erhält damit absolute Priorität.

Durch den steigenden Stromverbrauch der Haushalte, Unternehmen und im Verkehrssektor stoßen die Stromnetze in Spitzenzeiten bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Dazu kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien, der sich von Jahr zu Jahr beschleunigt. Aktuell existieren zu wenige Ausgleichsmöglichkeiten, beispielsweise in Form starker Netze und großer Speicherkapazitäten, um die stark schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien gesichert transportieren zu können. Zusätzlich hat die Liberalisierung des europäischen Binnenmarkts für Strom die Stromflüsse über große Distanzen stark zunehmen lassen, während die Ertragssituation der Netze und die Synergien der früher integrierten Elektrizitätsgesellschaften reduziert wurden.

Herausforderung Energiewende

Erneuerbare Energie ist die Energie der Zukunft. Bereits 2010 entfiel die Hälfte der neu errichteten Kraftwerksleistung von 194 Gigawatt auf erneuerbare Energien. Zum Vergleich: 2009 betrug der Anteil der Erneuerbaren gerade neun Prozent der neu gebauten Kapazität. In Europa sind aktuell Windturbinen mit einer Leistung von 80.000 Megawatt (MW) in Betrieb, gegenüber 10.000 MW vor einem Jahrzehnt. Im Jahr 2020 sollen bereits Windparks mit 200.000 MW Leistung in Europa installiert sein. Um den Strom dieser Anlagen in Netz zu bringen müssen bis zu 35.000 Kilometer an neuen Übertragungsleitungen gebaut werden.

In Österreich steigen die Anforderungen an die Netze: Bis 2020 wird sich die installierte Windleistung auf 3000 MW verdreifachen und die Leistung der Fotovoltaikanlagen auf das Zwölffache - 1200 MW steigen. Damit wird die installierte Leistung bei erneuerbaren Energien bereits über der sommerlichen Niedriglast des Jahres 2010 liegen. An heißen wolkenlosen Sommersonntagen dürfte dann - falls auch noch ausreichend Wind weht - rein theoretisch kein konventionelles Kraftwerk mehr in Betrieb sein, weil der Strom aus erneuerbaren Energien Vorrang im Netz hat. Auch die deutsche Energiewende wirkt sich auf Österreichs Netze aus: Im Februar 2012 importierte Österreich den Rekordwert von 6200 MW Strom, vor allem aus deutschen Windenergieanlagen und deckte damit zwei Drittel des Bedarfs.

Aktuelle Gefahren für die Versorgungssicherheit

Vier Trends erfordern Gegenmaßnahmen zur Erhaltung der guten Versorgungssicherheit: 

  • An erster Stelle steht die steigende Netzbelastung in Verbindung mit Verzögerungen bei dringend nötigen Ausbaumaßnahmen.
  • Das führt zu immer häufigeren Verletzungen der Sicherheitsregeln für Übertragungsnetze, insbesondere der Vorschrift, dass das Netz ausreichend Kapazität aufweisen muss, um den Ausfall einer Leitung zu verkraften.
  • Dritte Gefahr sind die zunehmenden weiträumigen Stromtransite
  • Vierte Gefahr ist regional zu geringe Eigenerzeugung, die zu Ungleichgewichten im Netz führt. Netze, die den künftigen Anforderungen gerecht werden sollen, müssen nicht nur viel stärker ausgelegt sein, sondern auch viel „smarter", um die enormen technischen Herausforderungen meistern zu können. Müssen beispielsweise Windturbinen abgestellt werden, weil der Wind zu stark weht, können innerhalb kurzer Frist „Leistungslücken" in der Größenordnung von zwei Großkraftwerken entstehen.

Die EU rechnet daher mit Investitionserfordernissen von 23 bis 28 Milliarden Euro für Übertragungsnetze in den kommenden fünf Jahren. In Österreich sollen mehr als zwei Mrd. € in Übertragungsnetze investiert werden.

Unterschätztes Risiko Blackout

Das Risiko von Blackouts wird generell unterschätzt, obwohl das vergangenen Jahrzehnt mit mehreren Blackouts in Europa und Nordamerika demonstrierte, dass auch die besten Elektrizitätsinfrastrukturen der Welt verwundbar sind einerseits gegen Naturgewalten, andererseits gegen technische Risiken und drittens gegenüber Sabotage-Versuchen. Beispiele sind die Blackouts von 2003 in den USA und Kanada, der Blackout 2003 in Italien und der Schweiz, der Blackout von 2006, der Deutschland und weite Teile Westeuropas umfasste und der Blackout nach dem Erdbeben/Tsunami-Ereignis in Japan 2011.

Österreich liegt mit einer Nichtverfügbarkeit von Strom im Ausmaß von 30 Minuten jährlich europaweit an drittbester Stelle hinter Deutschland und den Niederlanden. Diese geringen Ausfallszeiten zeigen ein hohes Sicherheitsniveau an. Es gibt aber keine Marktmechanismen, die in Richtung einer Stärkung der Versorgungssicherheit wirken. Versorgungssicherheit ist untrennbar mit dem Gut Strom verbunden und Stromkunden haben daher wenig Information oder Einwirkungsmöglichkeiten.

Kritischer Faktor Zeit

Die Forderung nach einem verstärkten Netzausbau ist trotz guter Versorgungsicherheit dringlich: Neue Netze sind die Grundlage für die Nutzung der erneuerbaren Energien. Ein Ausbleiben von Netzinvestitionen zur Erhaltung des Niveaus der Versorgungssicherheit wird lange Zeit keine Auswirkungen auf die aktuelle Sicherheit haben. Aufgrund der langen Vorlaufzeiten derartiger Investitionen ist allerdings auch keine rasche Reaktion auf eine aktuelle Verschlechterung der Lage möglich. Es ist daher notwendig, bereits heute für die Anforderungen der Zukunft zu planen und zu bauen. Jedoch die Planbarkeit wird immer stärker erschwert.

Blackouts verursachen enorme Schäden

Der Wirtschaft sind die Gefahren von Blackouts bewusst, doch private Haushalte unterschätzen diese. Im Schnitt haben private Haushalte pro Kilowattstunde Strom, die sie wegen eines Blackouts nicht bekommen, Kosten von bis zu 16,3 Euro. Bei einem Blackout fallen sofort Beleuchtung, Elektrogeräte, Kommunikationsgeräte und Verkehrsampeln aus. Nach einer Stunde ohne Strom beginnen Lebensmittel zu verderben, weil Kühlschränke oder Kühltruhen nicht mehr laufen. Nicht elektrische Heizungen stoppen mangels Steuerung durch elektrisch betriebene Steuergeräte, das Warmwasser geht zu Ende. Nach vier Stunden fallen Mobilfunknetze ebenso aus wie die Treibstoffversorgung an den Tankstellen und Schranken an Eisenbahnüberquerungen. Nach spätestens 24 Stunden funktioniert auch das Telefon-Festnetz, die Gas- und Wasserversorgung und Dienstleistungen nicht mehr, beispielsweise weil Bezahlsysteme von Banken und Handel ausfallen. Ein Blackout von zehn Stunden würde in Österreich einen Gesamtschaden von über 536 Millionen Euro verursachen.

Lösungen sind zu suchen:

  1. Rechtzeitiger und angemessener Netzausbau
  2. Ausreichende Finanzierung der Ausbaumaßnahmen
  3. Verbesserung des Risikomanagements bei Stromkunden
  4. Politische Unterstützung für notwendige Projekte

Oesterreichs Energie, die Interessenvertretung der E-Wirtschaft sieht es als ihre Aufgabe, die öffentliche Wahrnehmung bezüglich der schwierigen Situation der Netze zu schärfen und eine Diskussion über notwendige Maßnahmen zu unterstützen. Die Gefahren werden meist unterschätzt, genauso wie die Folgen und Kosten eines Blackouts. Eine breitenwirksame Darstellung dieses Themas wäre sicherlich im Interesse der Öffentlichkeit.

Sie haben Fragen?

Die Leser/innen von derStandard.at haben im Rahmen des von Oesterreichs Energie initiierten Energiediskurses die Möglichkeit, Fragen zur Zukunft der Energieversorgung direkt an Generalsekretärin Barbara Schmidt zu stellen und sich so an der Diskussion aktiv zu beteiligen.

Die Antworten erscheinen regelmäßig hier auf dieser Seite. Senden Sie ihre Fragen an energiediskurs@derStandard.at oder als Posting hier!

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    foto: fotalia.com

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