Kanada: Gebühren für kommerzielle Musik auf Hochzeiten

4. Juni 2012, 15:34

Tarifregelung je nach Eventgröße - Bei Tanz verdoppelt sich die Summe

Wer sich in Kanada auf einer Hochzeitsfeier zu kommerzieller Musik amüsieren möchte, muss in Zukunft Gebühren entrichten. Wer dazu tanzen möchte, den trifft es gleich doppelt.

Die kanadische Aufsichtsbehörde Copyright Board of Canada hat in einem aktuellen Beschluss neue Musik-Tarife für öffentliche Veranstaltungen vorgelegt. Einem Bericht der CBC zufolge sollen Gebühren in Karaoke-Bar, auf Konferenzen, Paraden und jetzt auch auf Hochzeiten entrichtet werden. Zuständig dafür ist die Organisation Re:Sound, die Plattenfirmen und die entsprechenden Künstler vertritt. 

Mehrere Millionen jährlich

Die neuen Tarife würden mehrere Millionen US-Dollar pro Jahr einspielen, heißt es von Re:Sound. Eine ziemlich wahrscheinliche Prognose, da Musik einen wesentlichen Beitrag zur Stimmung auf Veranstaltungen oder Feiern leistet. 

Besonders für kleine Labels

Vor allem kleine Labels und Musiker, die nicht so gut von ihrer Arbeit leben können, sollen von den Einnahmen profitieren, sagt Re:Sound-Sprecher Matthew Fortier. Veranstaltern von öffentlichen Events stehe es außerdem offen, ob sie die Kosten teilen - zum Beispiel mit den frisch Vermählten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Kunden an der neuen Gebühren-Regelung mitzuzahlen haben. Die Organisation habe ein Team erstellt, das durch Kanada fahren und Events kontrollieren soll, ob die angegebenen Gebühren korrekt seien. 

Tarif je nach Eventgröße

Die Höhe der Vergütung hängt laut Bericht von der Veranstaltung ab. So sind bei Events mit bis zu 100 Teilnehmern etwa 7 Euro fällig, während bei über 500 Menschen umgerechnet 30 Euro bezahlt werden müssen. Ein besonders skurriles Detail: Wenn sich die Event-Teilnehmer zum Tanzen hinreißen lassen, wird der doppelte Betrag fällig. Zusätzlich hat die Aufsichtsbehörde eine Jahresgebühr festgesetzt, die sich zwischen 66 und 95 Euro bewegt. (ez, derStandard.at, 4.6.2012)

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18 Postings

jaja. jetzt muss man schon für hochzeiten zahlen. die salamitaktik ist schon lange über der mitte der wurscht.

wir befinden uns schon in bereichen die vor 15 jahren vollkommen utopisch erschienen sind.

was für die eine art von information recht ist kann dann logischerweise für jede andere art von information nur billig sein

aber unser leben besteht im grunde aus vielen informationsflüssen, sie werden zusammengeführt, aufgestaut, mischen sich, spalten sich auf.

warum sollte man die eine art von information anders behandeln als andere wenn doch immer geistiges eigentum dahintersteckt?

wenn dann noch die tatsache dazukommt das das urheberrecht keinerlei wert hat, das verwertungsrecht von information sehr wohl sieht man wohin es führt.

denn die menschen werden auf ihre informationen keinen anspruch haben noch von ihnen profitieren. nur organisationen werden das.

nichts was die menschen sagen und denken dürfen wird noch ihnen gehören. vom handeln ganz zu schweigen. das recht für eigentlich alles muss erkauft werden da alles information ist.

demnächst:

RiAA-mitarbeiter fahren durchs land und belauschen personen die am handy angerufen werden; immerhin könnte ihr klingelton urheberrechtlich geschützes material sein!

lage in Ö

Würde das heute entschieden werden müssen, würde das Ergebnis in Ö sicher ähnlich aussehen.
Glücklicherweise gabs aber einen OGH-Sprich aus dem Jahr 1998, demnach Musik bei Hochzeiten als "private Vorführung" und somit nicht AKM-pflichtig absegnet http://www.internet4jurists.at/entscheid... 47_97a.htm
So realitätsfremd ist die Entscheidung in Kanada trotzdem hierzulande leider nicht.

Eine Hochzeit ist eine ÖFFENTLICHE...

...Veranstaltung? Häh..?

gerade eine hochzeit, wo zwei menschen ihrer liebe zu gott ausdruck verleihen, indem sie der gemeinschaft (=öffentlichkeit) kundtun, in zukunft gemeinsam gott zu lieben. (=liebesbegriff der kirche und der anti-ehe-fraktionen)

Herrlich! Da gibts dann am Ende des Abends Extrageld für den DJ wenn er im richtigen Moment die Stimmung wieder dämpft damit ja keine Leute tanzen!

Ja, das heißt dann "Licht An"

Creative Commons.

Kleine Labels und Musiker, die nicht so gut von ihrer Arbeit leben können, müssen sich eben eine andere Arbeit suchen oder Suizid in Erwägung ziehen. Dem klassischen Angestellten bleibt ja auch nichts anderes übrig.

Dank dieser Regelung bekommen sie ja ein bisschen geld, wenn ihre musik gespielt wird.

genau.

weil auf hochzeiten nicht evergreens die jeder kennt sondern musik von unbekannten künstlern, die sonst keine kohle machen, gespielt wird.

nämlich.

gerade diese kuenstler werden von dem geld genau nix sehen.

"Vor allem kleine Labels und Musiker, die nicht so gut von ihrer Arbeit leben können, sollen von den Einnahmen profitieren, sagt Re:Sound-Sprecher Matthew Fortier. "

ja klar. Auf Hochzeiten und großen Events wird ja Musik gespielt die niemand kennt. Damit heizt man die stimmung so richtig an ^^

USA lässt grüßen

Kanada ist um vieles schlimmer als die USA

das glaube ich nicht, tim.

in so vieler hinsicht hat der vorposter recht

speziell was freiheit betrifft. beispielsweise die romantische vorstellung mit einem campingwagen durch die wälder kanadas zu cruisen darf man anhand der totalen reglementierung gleich hierzulande ad acta legen. in usa ist das ohne weiteres möglich, welche generell weniger reglementiert ist.

man darf allerdings sagen, dass es ein deutliches west ost gefälle an verblödung gibt, welches in den tornado-alley staaten gipfelt. die mountain states sind zum glück davon verschont.

ergo: nicht alles in canada glänzt verlockender als in der usa.

Campingvan

Also ich glaube eher, es ist wegen den Grizzlys, die dort noch zu Tausenden umherstreifen, geregelt. Nicht so wie bei uns der Bruno, der von der gesamten notgeilen Jägerschaft gejagt und erlegt wurde....

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