Allergie beim Haustier - Was tun?

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    foto: apa/günter r. artinger

Hunde und Katzen können ebenfalls unter Allergien leiden - Die Online-Tierärztin erklärt, wie ihnen geholfen werden kann

Hausstaubmilben, Bienen oder Gräser: Auch Haustiere können wie Menschen an Allergien leiden. Manche Hunderasse sind von diesem Problem öfter betroffen. Allergiefilter oder spezielles Futter können Abhilfe schaffen. Tierärztin Eva Wistrela-Lacek beantwortet in der Online-Sprechstunde einige User-Fragen zum Thema.

derStandard.at: Beim Streicheln spürt man seit Neuestem sehr kleine Krusten auf dem Rücken unserer Katze. Wir konnten auch nach intensiver Suche keine Flöhe finden. Woran kann das noch liegen?

Wistrela-Lacek: Zum Thema Flöhe ist wichtig zu wissen, dass diese nicht am Tier leben - sondern nur zum Blutsaugen dort verweilen. Daher kann man ein Flohproblem nur wegen des Nicht-Findens des Flohs nicht unbedingt ausschließen. Sicherheit bringt hier eher die Suche nach kleinen schwarzen Brösel, dem Flohkot. Da dieser aus verdautem Blut besteht, löst er sich nach Zugabe von einem Tropfen Wasser rot verfärbend auf.

Die kleinen Krusten auf dem Rücken der Katze könnten auch durch Futtermittelallergien oder durch die sogenannte atopische Dermatitis verursacht werden. Damit wird eine allergische Hautkrankheit, ausgelöst durch Hausstaubmilben, Vorratsmilben oder Blütenpollen, bezeichnet.

derStandard.at: Unser Mischling hatte noch nie Probleme, die zwei Schäferhunde neigen zu Futterunverträglichkeit und Hausstaubmilbenallergie. Zufall? Oder gibt es eigentlich Hunderassen, die verstärkt zu Allergien neigen?

Wistrela-Lacek: Tatsächlich gibt es Rassedisposition für das vermehrte Auftreten von Allergien bei Hunden. Vor allem die Futtermittelallergien treten beim Boxer, Golden und Labrador Retriever, Cocker Spaniel und Springer Spaniel, Shar Pei, West Highland White Terrier und vor allem beim Deutschen Schäferhund auf. Diese Rasse leidet an einer ganzen Reihe von Allergieformen, wie z.B. die Flohspeichel und Atopische Dermatitis.

derStandard.at: Mein Labrador jagt im Sommer am liebsten Wespen und Bienen. Bislang wurde er erst einmal in die Lefze gestochen, die dann zwei Tage geschwollen war. Mit welchem Mitteln kann man die lästigen Stiche beim Hund am besten behandeln?

Wistrela-Lacek: An sich lassen sich Schwellungen durch Insektenstiche am besten mit kalten Umschlägen und Eiswürfel-Wickel behandeln. Kühlende und abschwellende Salben oder Cremen würden lokal ebenfalls wirken, werden aber zumeist abgeschleckt. 

Wichtig ist auch, einen eventuell noch vorhandenen Stachel aus der Wunde zu entfernen.

Allerdings können Stiche im Maul und Nasenbereich auch weniger glimpflich verlaufen - wenn die Schwellung tiefer im Hals und Rachen entsteht, kann akute Atemnot auftreten. Prinzipiell muss nach jedem Insektenstich auch mit allergischen Reaktionen gerechnet werden, wobei es im schlimmsten Fall zum Schockgeschehen kommen kann.

derStandard.at: Meine Hündin hat eine starke Gräserallergie (schon ausgetestet). Im Frühjahr hat sie viele offene Stellen, weil sie sich kratzt und wund beißt. Dieses Jahr ist es besonders schlimm. Unser Tierarzt hat eine kurzfristige Behandlung mit Cortison vorgeschlagen. Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen und lohnt sich das für den Zeitraum von zwei bis drei Monaten überhaupt?

Wistrela-Lacek: Cortison hemmt sehr erfolgreich und schnell die Symptome einer Allergie - hat aber vor allem beim längeren Einsatz eine Reihe von nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen. Neben verstärktem Durst- und Hungergefühl kommt es vor allem beim längeren Einsatz eventuell zu schwerwiegenden Veränderungen im gesamten Stoffwechsel. Deshalb wird der Einsatz von Cortison vom behandelnden Tierarzt immer genau abgewogen.

An sich wäre die Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung das Mittel der Wahl zur Behandlung der atopischen Dermatitis. Hier beruht das Prinzip darauf, dem Tier die Allergene, auf die es allergisch reagiert, in Form von Injektionen immer wieder zu verabreichen und so die Reaktionslage von überempfindlich auf tolerant zu verändern. Diese Behandlungsform führt aber erst nach einiger Zeit zu guten Erfolgen.

derStandard.at: Welche milden Behandlungen gibt es für Tiere mit Hausstaubmilbenallergie? Können Sie Hausmittel oder Tricks empfehlen?

Wistrela-Lacek: Hausstaubmilben zu eliminieren oder den Hund nicht damit in Kontakt kommen zu lassen, ist schlichtweg unmöglich. Aber man kann doch ein paar Vorkehrungen treffen, die typischen "Problemzonen" zu entschärfen: Wenn möglich auf Teppiche im Hundebereich verzichten, die Hundedecken und Körbe durch Leder/Kunststoff ersetzen, die deutlich leichter zu reinigen sind. Es gibt auch eigene Allergiker-Hundebetten im Fachhandel.

Häufiges Staubsaugen mit Geräten, die mit Allergiefilter ausgestattet sind, trägt ebenso zur Verminderung der Allergene bei wie vermehrtes feuchtes Aufwischen im Wohnbereich.

Weiters kann auch über die Fütterung mit hochwertigen essentiellen Fettsäuren geholfen werden. Zusätzlich erleichtert besonders die regelmäßige Verwendung von medizinischen Allergie-Shampoos die Situation. Hunde vertragen auch meist sehr gut den Einsatz von Antihistaminika über einen gewissen Zeitraum. (red, derStandard.at, 13.6.2012)

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