Voestalpine schließt Werk in Duisburg bis Ende 2013

Schicksal der 350 Mitarbeiter nach wie vor ungewiss

Wien - Der börsenotierte Stahl- und Technologiekonzern voestalpine will keine Standard-Bahnschienen mehr herstellen, sondern sich auf Spezialprodukte wie ultralange Schienen und Weichen konzentrieren. Deshalb wird das Schienenwerk in Duisburg geschlossen - spätestens am Ende des kommenden Jahres soll der deutsche Standort nicht mehr aktiv sein. "Noch ist nicht entschieden, wie lange der Prozess des Niederfahrens des Werks letztendlich dauern wird. Eventuell stellen wir Duisburg auch erst zum Jahresende 2013 ein", sagte voestalpine-Vorstandschef Wolfgang Eder zur "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Gespräche mit der Gewerkschaft und Belegschaftsvertretern über einen "Sozialplan mit Interessenausgleich" laufen auf Hochtouren. "Wir versuchen, für einen Teil der Mitarbeiter andere Arbeitsplätze zu finden", so Eder.

Rückstellungen für Schienen-Kartellverfahren

Als Vorsorge für die Stilllegung der zum Konzern gehörenden deutschen Tochter TSTG Schienentechnik GmbH & Co. KG in Duisburg und für allfällige Schadenersatzforderungen im Zusammenhang mit dem derzeit noch laufenden Schienen-Kartellverfahren in Deutschland hat die voestalpine Rückstellungen in der Höhe von insgesamt 205 Mio. Euro gebildet.

Die voestalpine stellt an zwei Standorten Schienen her - in Donawitz (Steiermark) und in Duisburg (Deutschland). Das Standardschienenwerk in Duisburg fährt allerdings Verluste ein. Die extreme Konkurrenz und die Überkapazitäten am Markt drücken auf die Preise.

Bemühen um außergerichtliche Einigung

Im Verfahren um das Schienenkartell in Deutschland ("Schienenfreunde"), das vom deutschen Bundeskartellamt und der Staatsanwaltschaft in Bochum vor über einem Jahr aufgenommen wurde, laufen nach wie vor Erhebungen. Die Deutsche Bahn soll von allen Kartellteilnehmern gemeinsam um insgesamt eine Mrd. Euro geschädigt worden sein. Die voestalpine bemüht sich hier laut Eder um eine außergerichtliche Einigung. Die Voest hat das Kartell in Brüssel gemeldet und hofft auf Kronzeugenstatus und damit auf Milderung bei der drohenden Kartellstrafe.

"Wir gehen davon aus, dass unser Kronzeugenstatus hält", so Eder zur "FAZ". Es sei für die voestalpine eine der schwierigsten Entscheidungen, ob sie diese Rolle als "Whistleblower" übernehme oder nicht. "Aber wenn es um so viel Geld geht, bleibt Ihnen am Ende des Tages schon aus Verantwortungsgründen gar keine andere Wahl." (APA, 4.6.2012)

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