Hunger als chronische Katastrophe

4. Juni 2012, 11:58
  • Im afrikanischen Mauretanien ist fast ein Drittel der Bevölkerung, rund eine Million Menschen, von Hunger gefährdet.
    foto: reuters/susana vera

    Im afrikanischen Mauretanien ist fast ein Drittel der Bevölkerung, rund eine Million Menschen, von Hunger gefährdet.

Hungerkrisen sind zu einem großen Teil menschengemacht - Was man dagegen tun kann, wurde in Wien diskutiert

Im Rahmen des zweitägigen Caritas-Kongresses "Zukunft ohne Hunger" in Wien diskutierten internationale Experten auch darüber, wie man der "chronischen Katastrophe Hunger" begegnen kann. Denn die Ursachen für Unterernährung und Hunger würden nicht nur in der Armut liegen.

Da jedes Land eine andere Struktur habe, sei es wichtig, bei der Entwicklungshilfe genau zu ergründen, wo der Kern des Problems steckt. Eben dieser Zugang habe in Brasilien zu einer erheblichen Verbesserung der Lage geführt, so Paul Larsen, Direktor der Multilateral und NGO Relations Division im UN World Food Programme.

Mehr Solidarität

Die Experten waren sich darin einig, dass ein Mentalitätswandel unbedingt erforderlich sei, um das Dauerproblem Hunger zu beseitigen. Daher müsse in erster Linie das Solidaritätsdenken von Regierungen und auch jeder einzelnen Person gestärkt werden.

Auf die Frage einer Teilnehmerin, was sie individuell nun unternehmen könne, antwortete Otilia Sîrbu, Direktorin von Caritas Moldawien: "Erzähle jedem, dass er kein Wasser verschwenden soll." Und wenn jemand erwidern sollte, dass andere weiterhin sorglos mit Wasser umgehen, dann würde Sîrbu folgendes erklären: "Aber du wirst Kinder bekommen und erziehen - und die machen es dann so wie du."

Hunger in Osteuropa

Sîrbu hat in ihrem Land die Erfahrung gemacht, dass Unternehmertätigkeiten noch 20 Jahre nach Ende der Sowjetzeit für die Bevölkerung negativ besetzt sind. Darunter leide auch die Landwirtschaft. Moldawien sei mal der "Brot- und Früchtekorb" der ganzen Sowjetunion gewesen.

Der Lebensmittel- und Saatgutpreis sowie die Landverteilung seien inzwischen trotz fruchtbarem Boden die Hauptgründe, weshalb in Moldawien, ähnlich wie in anderen osteuropäischen Ländern, viele Menschen hungern müssen.

Gegen Vergessen und Ignoranz

Amitava Mukherjee von der UN-Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik empfiehlt, dass jeder, der einen hungerleidenden Menschen sieht, in einem Brief an den Bundespräsidenten davon berichten sollte. Auch für Larsen sind die Ignoranz und das Vergessen der Regierungen wichtige Punkte.

In Asien und der Pazifik-Region sei die Zugänglichkeit zu Lebensmitteln eher das Problem, als das Vorhandensein von Ressourcen, sagte Mukherjee. Besonders Frauen leiden in den betroffenen Gebieten, etwa in Indien, wo sie durch patriarchale Familienstrukturen benachteiligt werden. Der Mann würde traditionell zuerst essen, bis er satt ist, und erst dann bekämen die Frauen den Rest für sich und ihre Kinder. Dabei sollten sie gerade, wenn sie schwanger sind oder stillen, umso mehr Essen zur Verfügung haben.

Hunger in Afrika

Neben Dürrekatastrophen und Überschwemmungen macht Paul Larsen vor allem die Lebensmittelspekulation für den Hunger in Afrika verantwortlich. Davon sei auch das "World Food Programme" betroffen. Schließlich müsse die Organisation die Lebensmittel selbst auf dem Weltmarkt kaufen.

Larsen fordert mehr Transparenz, sei aber nicht für die Abschaffung der Spekulationen, weil die Investitionen, die dadurch getätigt werden, wichtig für die Länder seien. Für Amitava Mukherjee liegt ein Lösungsansatz in größeren Lebensmittelreserven, die von der Regierung verwaltet werden. Dadurch könne man den Einfluss von globalen Preisschwankungen auf nationaler Ebene besser regulieren.

Zum Abschluss der Diskussion fügte ein Teilnehmer hinzu, dass der Kauf von regionalen und Fair-Trade-Produkten sowie sparsamer und nachhaltiger Konsum die Ressourcen schonen und gleichzeitig der Spekulation entgegenwirken würden. Die Kongressbesucher und das Expertenbord stimmte diesem Statement mit Applaus zu. (Maria von Usslar, derStandard.at, 4.6.2012)

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25 Postings

die Aktion am Graben am Ende der Veranstaltung
http://www.zukunft-ohne-hunger.at/vortragende/
" alle 7 Minuten stirbt ein Kind " suggerierte einen
Bevölkerungsschwund in Afrika , an dem "wir" schuld wären -und warb für weiteres fundraising ........
die Bevölkerungsexplosion in Ländern wie Nigeria ,Ägypten u.a. wurde ausgeblendet ...............
an praktischen Lösungsansätzen wie Permakultur
http://permacultureprinciples.com/ hat keiner der NGO`s Interesse , das würde das fundraising gefährden und möglicherweise die Probleme lösen .....

Informationen vs. Generalverdächtigung

Lieber Herr Moltke,

haben Sie darüber schon mit den von ihnen kritisierten NGO´s gesprochen? Ich persönlich kenne z.B. Projekte der Caritas in Afrika, die genau mit nachhaltigen Lösungsansätzen wie Humusgewinnung, Permakultur etc. arbeiten.... Vielleicht informieren Sie sich das nächste Mal ein bisschen, bevor sie Pauschalverurteilungen abgeben!

Keine neutrale Verteilung von Hilfen in Kenia

Bei der Konferenz von kenianischen Politikern und Gebern im Februar 2012 erklärten einheimische Abgeordnete den ausländischen Helfern klipp und klar: “Lieber lassen wir unsere Leute verhungern, als dass wir euch die Verteilung überlassen”. Der Spiegel- Artikel schließt mit der Bemerkung ”Nicht einmal der anwesende Minister widersprach“ Moralische Verpflichtungen kollidieren in manchen afrikanischen Gesellschaften gegenüber der eigenen ethnischen Gruppe mit denjenigen der Gesamtgesellschaft. Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

andreas-s
Andi Sator
01

Bei Interesse: Ich war Freitag vor Ort und habe live berichtet http://zuwi.at/events/zu... nger-live/

Die Situation in Afrika

ist aussichtslos.

Mindestens 50 Jahre Hunger - und kein Ende.

lasst uns doch weiter die Felder in Afrika und südamerika für unseren Bio sprit benutzen, anstatt für nahrung.

Wenn "Kornkammern" wie Äthiopien oder Moldawien

vom Hunger bedroht sind, dann liegt es vielleicht doch an den Menschen, die dort leben.
Aber das ist wohl politisch nicht korrekt...

da haben Sie wohl recht. Die Hauptverantwortung tragen jedoch die BewohnerInnen der Industrienationen. Jahrhundertelange Ausbeutung, menschengemachte Klimaveränderungen, ungerechte Handelsstrukturen, Hybridsaatgut, Spekulation auf Grundnahrungsmittel, Anbau von Agrotreibstoffen, Land-grabbing für den Anbau von Rosen etc. sind nur einige Dinge die dazu führen, dass Subsistenzlandwirte z.B. in Äthiopien nicht mehr genug haben, um ihre Familie zu ernähren.

wahrheit ist wohl nie angenehm - deshalb wird sie auch umgeschrieben und erträglicher gemacht, also ideologisiert

vielleicht bissal weniger disskutieren und mehr hackeln, bei disskusionen kommen sowieso nur kriege herraus und leider sind die meisten unfähig sowas zu verhinden, warum bloss? essen ist gleich krieg, na wenigstens regieren die von der sonne gesalbten doch noch ein land: süd afrika, warum: weil sie einen weißen für sich arbeiten lassen...

Die Anzahl der Menschen

hat sich seit dem zweiten Weltkrieg vervierfacht.

Besonders steil ist der Bevölkerungsanstieg dort, wo es keine funktionierenden Sozialsysteme gibt.

Vermutlich könnte man heute leicht alle Menschen ernähren, aber das Problem würde irgendwann der Lösung (Nahrungsmittelhilfe) entwachsen und die Helfer hätten am Ende eine noch größere Katastrophe zu verantworten.

Die Situation scheint ausweglos zu sein.

zuersteinmal müssen alle...

die nicht der Weltgemeinschaft angehören, mit Hilfe der NATO in die westliche Freiheit und Demokratie gebombt werden, alles der Reihe nach ! Deshalb hat man ja auch keine Kritik seitens caritativer Organisationen vernommen, als in der Sahelzone Menschen verhungerten, zur gleichen Zeit aber die friedensbringende NATO zumindest mithalf für die Demkratie und die Menschenrechte tausende Menschen als Kollateralschäden dahinzumetzeln.

diese menschenhand heißt neoliberalismus

In dem Artikel sind einige Gründe angeführt die für den Hunger verantwortlich sind...

...die alle nichts mit dem kapitialistischem Wirtschaftssystem zu tun haben sie - offensichtlich von schlichter Denkweise - kommen trotzdem auf den Neoliberalismus als Schuldigen???

Nagrungsmittelhilfen lösen das Problem nicht

Die extremen Bevölkerungszuwächse werden weitgehend ausgeblendet. Die Bevölkerung in Subsahara-Afrika hat sich seit 1990 fast verdoppelt. Die Hilfsindustrie setzt sich nicht mit diesen Tatsachen auseinander und macht stattdessen für die fortgesetzte Notlage Afrikas den angeblich reichen Westen verantwortlich-und sichert sich eine glänzende Einkommensquelle. Dennoch Nothilfe muß sein. Aber Nahrungsmittelhilfen werden das Problem nicht dauerhaft lösen. Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"

da haben sie womöglich sogar recht. mehr menschen brauchen mehr nahrung...und das in einem gebiet auf der erde, wo gerade die nahrung knapp ist. hilfslieferungen schön und gut, aber wäre es nicht besser, mal einfach das bevölkerungswachstum einzudämmen bevor man dann zuschaun muss, wie kinder einfach so verhungern?

Bildung wäre ein guter Ansatz. Stattdessen tummeln sich dort religiös motivierte Märchenerzähler.

Würden die sich nur tummeln, wär das ja noch nicht so schlimm......sie haben auch die Macht. Und wenn dort Männer anstelle des Frauen unterdrücken, Kinder machens, Kriege führens (bevorzugt gegen Andersgläubige) usw. was arbeiten würden sähe vieles besser aus.

Viele der schlimmen Sachen wären nicht möglich, wäre nicht die Bevölkerung religiös durchseucht sondern würde selber denken.

Das diese Länder trotz deratiger Zustände

Ihre Bevölkerung fast alle 20 Jahre verdoppeln, hat wohl keinen Einfluss das diese Menschen dort hungern?

Gerade für "Hunger in Osteuropa" ist Ihr Posting unheimlich relevant!

es besteht ein direkter zusammenhang zwischen reichtum eines landes und geburtenrate.

interessant dieser beitrag dazu: http://tinyurl.com/8xe2rv4

natuerlich ist bev. wachstum ein schlüsselfaktor, aber ohne nachhaltige unterstützung und entwicklung wird das wohl nix.

Ich frage mich auch dauernd wie das geht, einerseits heißt es dauernd die Menschen dort verhungern, andererseits verdoppelt sich die Bevölkerung alle paar Jahrzehnte.
Das passt logisch einfach gar nicht zusammen, und ich vermisse auch den Willen einer dauerhaften Lösung bei Caritas und Co.

Caritas und Co. können eine dauerhafte Lösung wollen wie sie sie nur können, alleine es liegt kaum in ihrer Macht die Ursachen des Hungers zu ändern, also bleibt nur, die Auswirkungen zu bekämpfen.

Solange es aber bei Hungerkatastrophen in der Dritten Welt hierzulande "nur" kollektives schlechtes Gewissen gibt, dass wir offenbar zu wenig Nahrungmittelhilfe geleistet hätten, solange reiben sich alle jene die Hände, die davon profitieren bzw. für den Hunger verantwortlich sind.

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