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Wozu braucht der Papst zum Leiten des Zwergerlstaates eine eigene Bank?
Nach weltlichen Gesichtspunkten ist der Sachverhalt einfach: Wer seinem Chef Unterlagen vom Schreibtisch klaut und diese auch noch Unbefugten weitergibt, fliegt fristlos raus. Ein Papst könnte vielleicht etwas barmherziger sein.
In Rom ist es freilich umgekehrt. Weil das katholische Headquarters aus eher unrühmlichen geschichtlichen Entwicklungen heraus auch ein eigener Staat ist, sitzt der mutmaßliche Täter gleich in Untersuchungshaft. (In entwickelten Rechtsstaaten laufen Menschen länger frei herum, wie uns der parlamentarische Untersuchungsausschuss in Österreich deutlich vor Augen führt.)
Damit sind wir bei der ersten Eigentümlichkeit: Aufgrund von Verträgen mit dem Staat Italien kann der Vatikan nämlich Verbrechen auf seinem Territorium von den Italienern gerichtlich ahnden lassen. Das ist bequem und nimmt von der Kirche die Last des Verurteilens. Darum saß auch der Papstattentäter Mehmet Ali Ağca in einem italienischen Gefängnis. Hat der Butler mehr angestellt? Oder sind die Sachverhalte so brisant, dass man nicht einmal die italienischen Behörden Einblick nehmen lassen will?
Da Benedikts Vorgänger das Ideal der Kirche als "gläsernes Haus" ausgerufen hat, könnte man doch annehmen, dass sich auf dem päpstlichen Schreibtisch ohnehin vor allem Erbauungsliteratur findet. Der tägliche Ausstoß an Predigten und Ansprachen ist ohnehin tagfüllend.
Ein großes Geheimnis bestünde demnach allenfalls darin, wer z. B. der nächste Erzbischof von Salzburg wird. (Manches Boulevardmedium lässt sich einen diesbezüglichen Zund vielleicht etwas kosten.) Heikel - so stellt man es sich wohlwollend vor - wäre es nur, wenn es um Geheimdiplomatie rund um Friedensmissionen oder die Befreiung politischer Gefangener ginge. Da braucht es wohl Vertraulichkeit.
Von solchen humanitären Geheimoperationen war bei den bisherigen Enthüllungen allerdings nichts zu hören. Was Papst Benedikt beispielsweise von der deutschen Kanzlerin hält, ist vergleichsweise uninteressant. Dass an den Papst jede Menge intrigante Vernaderungspost geschickt wird, reicht wohl nicht zur Kirchenaffäre. Umso mehr überrascht der Vatikan mit der Information, dass gegen "schweren Diebstahl" ermittelt wird.
Das brachiale Vorgehen hat eine aktuelle Parallele beim Skandal in der Vatikanbank: Dem amtierenden Präsidenten wurde das Misstrauen ausgesprochen. (Auch ungewöhnlich für den Vatikan, der zumeist versucht, den äußeren Schein zu wahren und Mitarbeiter, die etwas ausgefressen haben, zum "krankheitsbedingten" Rückzug drängt).
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Natürlich ist das offene Vorgehen wünschenswert. Zum offenen Vorgehen zählt aber auch die Begründung dafür, warum Schritte angemessen sind.
Nebenbei fällt auf, dass rasche Trennungen offensichtlich nur dann gesetzt werden, wenn Laien betroffen sind. (Zum Vergleich: Beim kanadischen Bischof Raymond Lahey dauerte es vom September 2009 bis zum Mai 2012, bis man auf seinen unerlaubten Besitz von kinderpornografischem Material mit der Zurückversetzung in den Laienstand reagierte - so nennt man die fristlose Entlassung von Klerikern.)
Überraschenderweise wurde bei der Vatikanbank genau jener Mann von den zuständigen Kardinälen abmontiert, den 2009 der Papst selbst installierte, um das in Geldwäscheverdacht geratene Institut, das ausschließlich dem Heiligen Stuhl gehört, wieder auf Vordermann zu bringen. Damit ist der Fall derzeit völlig unübersichtlich geworden. Hat der "Neue" tatsächlich versagt, oder ist es eine Rache der Kurie?
Aus Vati-Leaks kann rasch Vati-Gate werden.
Spannender als die Frage, wer in dieser Causa die Bösen sind, ist für mich die zugrunde liegende Tatsache: Wozu braucht der Papst zum Leiten des Zwergerlstaates (0,44 Quadratkilometer, ca. 800 Einwohner), der nach offiziellen Angaben im Jahr ca. 250 Millionen Euro einnimmt und ausgibt, eine eigene Bank?
Würden österreichische Unternehmen dieser Finanzmindestgröße immer gleich eigene Banken führen, müssten hunderte Institute errichtet werden, z. B. eine "Mediaprint-Bank" oder eine "ORF-Sparkasse", von "Giro-Telekom" und "OMV-Credit" ganz zu Schweigen ...
Transparenz, ein gläsernes Haus, wäre hier für die Glaubwürdigkeit eines Ethikunternehmens besonders gefragt. Auch haben die Gläubigen, die alljährlich zu einem "Peterpfennig", also Geldspenden für den Vatikan aufgerufen werden, Anspruch auf Rechenschaft.
Gerade dieser Papst, der auf Reisen um den Erdball gerne die notwendige Entweltlichung der Kirche predigt, müsste konsequenterweise den Mut haben, dieses Mammon-Unternehmen aufzulösen. Er kann doch neben der Schweizergarde auch eine Schweizer Bank beschäftigen, sollte trotz seiner Armutsideale Geld übrig bleiben.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Der derzeitige Papst hat bisher lediglich zur Schuld einzelner Priester und Bischöfe Stellung genommen. Zu den Vorgängen innerhalb der vatikanischen Mauern fand er kein Wort. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig. (Wolfgang Bergmann, derStandard.at, 4.6.2012)
Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling "Die kleinere Sünde" (Czernin Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.
Den einst modernen Theologen Joseph Ratzinger hat an der entscheidenden Stelle der Mut verlassen
258.300 Euro sollten eigentlich für den Unterhalt eines Bischofs ausreichen
Selbstverständlich braucht ein Weltkonzern wie die katholische Kirche eine Bank. Und ein Staat, der wie der Vatikan politische Entwicklungen weltweit beeinflussen will, braucht auch eine Bank.
Als Oberhaupt dieses Weltkonzerns ist der Papst viel mächtiger als es der Größe des kleinen Vatikanstaats entspricht, die wirtschaftlichen Beteiligungen z.B. an Pharmafirmen dürfen nicht offensichtlich werden, sondern müssen durch Stufenkonstruktionen kamoufliert werden. Dafür braucht man eine Bank.
Den WIRKLICH Gläubigen ist durch naive Fragen wie die obige nicht geholfen, denn sie täuscht vor, dass es nicht um die MACHT ginge, um die geht's aber auch. Wie sagte es Jesus selbst? "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."
Gerade diese Worte - aus dem den anderen drei kanonischen Evangelien stark widersprechenden Johannes-Evangelium - hat Jesus von Nazareth nach übereinstimmender wissenschaftlicher Ansicht des "Jesus-Seminars" (googeln, wer's nicht kennt!) nicht gesagt.
Ich nenne ein Zitat aus dem Johannes-Evangelium, das zu den Evangelien zählt, die in die Bibel aufgenommen wurden.
Selbstverständlich ist das meiste dieser heute "offiziösen" Texte NIEMALS so GESAGT worden (s. die Entstehungszeit der Evangelien, weit NACH dem Leben Jesu), sondern entstand aus dem bei der Niederschrift herrschenden (!) Zeitgeist.
Was irgendwelche Gläubigen 2000 Jahre später aus eigener tiefster Überzeugung ins Internet stellen & wie sie diese uralten Texte aus ihrem eigenen (politischen, kulturellen, spirituellen...) Interesse heraus interpretieren, ist eine ganz andere Geschichte.
HEUTE ist die katholische Kirche ein GLOBALER Machtfaktor, gerade WEIL sie spirituell argumentiert, aber (bzw. UND) realpolitisch handelt.
Ebenfalls "äusserst lohnend": ein Blick auf
http://www.atheistische-religionsgesellschaft.at/konzept/
- geht sogar ein wenig weiter ;-)
so wusste er über die Höhe des Vermögens seines jungen Konventmitgliedes Frater Placidus Bescheid. Dieser Frater wurde auch von Groer vergewaltigt, deswegen brachte er sich um. Und da er Erbe einer Möbelhandelskette war wurde er kurz vor seinem Tod von Abt Lashofer gezwungen, ein Testament zugunsten des Abtes zu unterzeichnen.
Also, auch um solche Erbschaftspraktiken auszuüben sind die Kirchenbanken (wie auch die des Vatikan) nötig.
Und über die folgende Seite kommt man zu all meinen Seiten mit oben genannten Details:
http://tfirstkunst.blogspot.co.at/
MfG
Michael Tfirst
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