Behindertenvertreter fordern Abschaffung der Sachwalter

Kreis an Vertrauenspersonen gefordert

Behindertenvertreterinnen fordern die schrittweise Abschaffung der Sachwalterschaft und "ein Ende der Entmündigung" von behinderten und psychisch kranken Menschen in Österreich, berichtet das Ö1-Morgenjournal. Die Zahl der Sachwalterschaften ist in fünf Jahren von 40.000 auf fast 60.000 gestiegen.

 

Früher wurden behinderte oder psychisch kranke Menschen entmündigt. De facto habe sich daran wenig geändert, sagt Bernadette Feuerstein, die Vorsitzende des Behinderten-Dachverbands "Selbstbestimmt Leben". Es würde jetzt nur besachwaltet heißen, aber das gleiche passieren.  Die Betroffenen "werden entmündigt und es wird ihnen ihr freier Wille genommen."

Modell: Unterstützte Entscheidungsfindung

Marianne Schulze, Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der Behindertenrechtskonvention, sagt, dass die Sachwalterschaft in ihrer jetzigen Form nicht der Menschenrechtskonvention entspreche. Schulze bevorzugt das Modell der "unterstützten Entscheidungsfindung", das es in Kanada und Schweden gibt. Es sieht vor, dass etwa bei Entscheidungen über das Vermögen eines Menschen mit Behinderung, über seinen Wohnort oder die Betreuungsform mehrere Personen den Willen des Betroffenen ergründen. Auch in Österreich soll der Sachwalter durch einen Kreis von Vertrauenspersonen ersetzt werden, fordert Schulze. Diese Vertrauenspersonen, die die Person mit Behinderungen oder psychischen Beeinträchtigungen aus ihrem Alltag heraus kennen, können diese in ihrer Selbstbestimmung unterstützen, wünscht sich Schulze.

Auch Menschen mit schweren Behinderungen und Sprachbehinderungen können ihren Willen kundtun, sagt die Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der Behindertenrechtskonvention. Für manche Betroffene könne schon jetzt das Modell "unterstützte Entscheidungsfindung" umgesetzt werden. Mittelfristiges Ziel müsse sein, dass behinderte Kinder, keinen Sachwalter mehr bekommen, wenn sie erwachsen werden.

Der zuständige Justiz-Sektionschef Georg Kathrein sieht keine Eile für eine Gesetzesänderung. Seiner Meinung nach entspricht das Modell der Behindertenrechtkonvention. Er hält eine Änderung beim Sachwalterrecht erst in der nächsten Legislaturperiode für realistisch. (red, derStandard.at, 4.6.2012)

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Die ganze Angelegenheit stinkt.

Mein Vater ist durch einen ärztlichen Fehler schwerstens gehbehindert und musste daher in ein Pflegeheim. Seit Jahren sorge ich für Ihn und vor Kurzem flattert ein Brief herein, in dem mein Vater besachwaltert wird und zwar von einem in diesen Dingen bekannten Rechtsanwalt, der angeblich so um die 50 Personen besachwaltert (was ich sonst noch so von diesem Typen gehört habe darf ich hier nicht schreiben). Die Begründung des Schreibens war, daß keine ihm nahestehende Person existiert. Eine befreundete Rechtsanwältin hat mir beim Schreiben des Rekurses (lächerlich kurze Einspruchszeit 14 Tage!) geholfen. Wie ich aber schon gehört habe, ist das sinnlos, weil der RA mit anderen Hand in Hand arbeitet. Kleinstadt. Durch und durch k.o.r.+.+.+.t.

Wenden Sie sich einfach mal an das zuständige Bezirksgericht... Normalerweise werden mit einer Sachwalterschaft immer lieber geeignete(!) Verwandte betraut. Ansonsten kann ich Ihnen nur empfehlen sich an den Verein für Sachwalterschaft zu wenden. Auch Rechtsanwälte können übrigens nach Überprüfung durch das Gericht abgesetzt werden wenns Schwierigkeiten gibt... Aber überhaupt: Wegen einer schweren Gehbehinderung wird niemand besachwaltet, da MUSS was anderes los sein was sie entweder hier nicht erwähnen oder nicht wissen... Erkundigen Sie sich mal! Da gibts ja auch ne Begutachtung durch nen Psychiater und nen Gerichtstermin, wenn Ihr Vater "nur" gehbehindert ist ist die besachwalterung eh nicht notwendig, dann ist die Aufregung grundlos...

Danke für den Tipp mich "an den Verein für Sachwalterschaft" zu wenden!

Sorry, aber allein daß in der Begründung für den Beschluß angeführt wird, daß keine "nahestehende Person" vorhanden ist, können Sie wahrscheinlich die Dimension der Sache erkennen. Und DAS in unserer Kleinstadt zwar bekannt ist, aber keiner weiß sich zu helfen ... :-(

klingt komisch..

..ein umbestellung sollte an sich kein problem sein. ein rekurs ist dazu nicht möglich, ein antrag auf umbestellung tuts auch.

Schon gemacht.

Ich würde mich freuen Sie auf dem Laufenden zu halten, positive Aussichten sehe ich aber aufgrund der vielen Fälle die in der kooperierenden, k........n Struktur keine Chance hatten - offensichtlich nach jahrzehntelanger Praktik nicht wirklich.

Aber vielleicht hat der Artikel etwas bewirkt. Hoffentlich.

statt nicht möglich ..

..soll es nicht notwendig heissen.

Grün.

Offensichtlich aber doch notwendig.

Als Sohn, der jahrelang für seinen Vater gesorgt hat, nach bestem Wissen und Gewissen und mit aller Demut, die ihn betreffen kann - ich bin nicht einmal in den Entschneidungsprozess eingebunden bzw. informiert worden!!!

Das klingt seltsam. Offenbar hat Ihr Vater Sie nicht als Vertrauensperson genannt bei seiner Einvernahme vor Gericht. Geht es ihm vielleicht schon schlechter, als Sie glauben ? Oder ist das Einvernehmen doch nicht so gut ?

Vertrauenspersonen

Wer soll an dieser Idee wieder verdienen??????

Statt Entmündigung - lieber Entscheidungsunterstützung

Ich finde die Sachwalterschaft - so gut die Idee auch gewesen ist - erfüllt leider menschenrechtlich nicht jene Standards, die man sich 2012 erwarten kann. Statt einer einer Entrechtung sollte meiner Meinung nach eine Entscheidungsunterstützung - samt EntscheidungshelferInnen stehen.

Meistens kann der Betroffene aber gerade keinen freien Willen bilden. Wer etwas nicht entscheiden kann, weil er Für&Wider und Konsequenzen geistig nicht erfassen kann, für den ist "Hilfe" und Fremdbestimmung in Wirklichkeit dasselbe.

Für und wider geistig nicht erfassen ...

Nach mehreren Jahren psychiatrischer Behandlung kam Ich weg davon.
Als Ich dann einige zeit lang nicht mehr arbeitete lebte Ich ohne Arbeit und ohne Hilfe durch öffentliche Zuwendungen - von meinem Erparten.
Ich stellte dann fest, dass Ich eine freiwillige Krankenversicherung hatte, die Ich nicht abgeschlossen hatte. Ich wollte aber keine Krankenversicherung, weil
*) Ich gegen die psychiatrischen Behandlungen die Ich hatte so protestierte
*) Ich auch abgesehen davon ohne Versicherung leben wollte

Ich bin Mir klar über die Konsequenzen des Nicht Versichert Seins: einmal im Monat sind 80 Euro erspart und alle Arztkosten zahlt man selbst

Ich wurde aber dennoch besachwaltet.

Meine Fähigkeit Mir meiner eigenen Lage bewusst zu sein und im Wissen um mein Risiko zu handeln, wurde vom Gericht im normalen Gespräch nicht erkannt, festgestellt oder nur auch entsprechend respektiert.

Das Risiko dass Ich trotz Jahren ohne psychiatrischer Behandlung durch die Entscheidung doch wieder dort hin komme, bewussst eingegangen.

Mit der Herstellung (anderer) finanzieller Sicherheit und damit zur Bewätigung von Angst anderer Personen ging die Republik Österreich das Risiko meiner erneuten psychiatrischen Behandlung ein.

Psychiatrie: das ist für Personen, die verrückt gemacht worden sind.

Georg Karall

die Gang die da am Werk ist und ihre Opfer hat, ist erkannt: es ist der Staat, der im vorigen Jahrhundert noch mit den Kriegen Leben von Millionen kostete

aber auch die Sozialen heute machen verrück: Eltern sind gesetzlich zur Unterhaltspflicht sogar für erwachsene Kinder gezwungen; davon können Sie diese erwachsenen Kinder nicht entbinden (?). Die Hype die Sie damit haben - wie Sie ja schon immer flippten und dieses Flippen schließlich auf ihre Nachkommen übertrugen - äußert Sich in Aktionen, diue das Wophl der Angehörigen sehr beeinträchgtigt: Geld wird weg genommnen und Besachwaltewrungen wreden entworfen.

Weil Angehörige um ihre Eigenheime fürchten, wenn nahestehende Angehörige von Ärtzen das Leben gerettet bekommen, die dannn Rechnung legen, wird Freiheit die man hat, gerichtlich entrissen.

Damit sind aber psychische Krisen so richtig riskiert und akut.

Ich stelle fest: der Staat ist durch sein Zwingen schuld. Er meint Er tut durch seine gesetzlichen Vorkehrungen etwas; in Wirklichkeit zwingt Er aber und der Ball der Bedrohung wird in der Bevölkerung nur hin und her gereicht; bis das Gesetzeswerk (und vielleicht auch anderes) so einschlägt, dass ein Opfer ist.

Im Sozialstaat findet jeder Verständnis. Der letzte aber nur mehr als psychisches Weh.

Freiheit ist aber keine; die will Ich.

Georg

dabei ist Österreich so gut: abfällig wird auf Amerika gesehen, wo Arme von Sanitätern liegen gelassen bleiben

um hier zu helfen werden potentiell Arme besachwaltet, damit man Sie versichern kann und damit auf jeden fall im medizinischen Fall geholfen ist ..

im Besachwaltungsbeschluss war von der Angst der Eltern, ihrer Sorge um Sich selbst aufgrund gesetzicher Vorkehrungen nichts zu lesen

albern wurde nur von "eine gesetzliche Krankenversicherung ist aber generell als positiv zu bewerten" geschrieben, womit die Richterin als persönliche und von Mir nicht gewählte Herrscherin über Mich für Mich besser zu sorgen Sich anschickte als der Gesetzgeber, der eine Krankenversicherung ohne bestimmte Arbeitsverhältnisse freistellt.

Rechtens war aber den Eltern nur eine eigene psychiatrische Behandlung zu empfehlen; ferner hätten Sie (mit richterlicher Vollmacht) von ihren gesetzlichen Verpflichtungen aufgrund meines freien (und gesetzeskonformen) Handelns entbunden werden müssen

das sind so Punkte wo man es nicht mehr einsieht: medienbreit wird von riskanten Begehungen hoher Berge berichtet, die gelingen oder man bleibt oben liegen; aber wenn (ehemalige) psychiatrische Patienten Risiken eingehen, wird Ihnen aus den Händen genommen wie kleinen Kindern - unmündige angstbesetze Umgebung geht her und übernimmt die Kontrolle über ihre Leben

und das mit internationalen Vereinbarungen weltweit

das macht verrückt

In der Praxis kommt die Besachwalterung

fast immer viel zu spät. Dann wenn nix mehr zu retten ist.

Kreis von Vertrauenspersonen

Die bestehen dann am besten aus den bewährten Olympiafreunden des Herrn Graf?

bitte wo..

..bekommt man in österreich einen sachwalter aufgrund einer sprachlichen behinderung oder wenn die familie unterstützend eingreifen kann ?
diese diskussion ist doch fadenscheinig und birgt die gefahr dass psyhisch beeinträchtigte personen künftig übers ohr gehauen werden.

Wenn ich Ihnen erzähle was meinem Vater und mir passiert ist, und zwar alle Details dann wird mein Posting weder veröffentlicht noch werde ich die kommenden Monate ohne Probleme überstehen.
Meine Freundin (Beruf: Pflegebereich) hat ein halbes Dutzend Straftaten erkannt. Leider will sie (jetzt meine Ex-Freundin) aus beruflichen Gründen schweigen.

Glauben Sie mir bitte: es ist schlimmer als Sie Sich vorstellen können, ich spreche aus Erfahrung und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Na super! Ich weiß was, seh was erzähls zwar meinem Freund und tu nix! Gratuliere! Empfehlen Sie Ihrer Freundin Anzeigen zu erstatten! Was solls da für berufliche Schwierigkeiten geben? Ein Arbeitgeber kann das doch nur als positiv werten, wenn sich jemand für seine Patienten/Klienten einsetzt... zumindestens ists bei meinem Arbeitgeber so... Wenn ich merke dass jemand von den Leuten die ich betreue von seinen Verwandten abgezockt wird rege ich ne Sachwalterschaft an und/oder erstatte Anzeige, wenns Probleme mit einem Sachwalter gibt mache ich nen Gerichtstermin aus und das Gericht überprüft die Sache. Notfalls gibts nen Sachwalterwechsel...

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