Den Schleckers bleiben 40 Millionen

Neue Forderung nach deutscher Transfergesellschaft

Ehingen/Wien - Der Insolvenzverwalter der deutschen Drogeriekette Schlecker, Arndt Geiwitz, sparte nach der gescheiterten Rettung nicht mit scharfer Kritik an der Gründerfamilie des Konzerns, am früheren Management wie auch an der FDP. Er habe bis kurz vor der Entscheidung über das Ende des Konzerns auf einen Rettungsbeitrag der Familie Schlecker gesetzt, sagte er dem "Spiegel".

Doch die Familie sei nicht bereit oder in der Lage gewesen, die erforderliche Summe von bis zu neun Millionen Euro aufzubringen. "Aber sie hat noch Vermögen, ich habe gefragt, ob sie bereit sei, Verlustfinanzierung zu leisten."

Das alte Management der deutschen Drogeriekette sei überfordert gewesen, sagte Geiwitz. Die interne Lage des Konzerns sei viel dramatischer gewesen, als er nach den ersten Wochen vermutet hätte. Anton Schlecker habe ihm gegenüber Fehler eingeräumt, etwa bei der Personalführung. Für die Familie sei es ein Schock. Auch die FDP trage Mitschuld an der bevorstehenden Zerschlagung. Sie habe eine Transfergesellschaft für tausende Beschäftigte verhindert. Diese vermittelt im Rahmen einer maximal einjährig befristeten Beschäftigung neue Jobs. Der Sozialflügel der CDU erneuerte nun seine Forderung nach dem Instrument: Die Politik dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

13.200 Mitarbeiter müssen in Deutschland bis Ende des Monats gehen. Aus Sicht des deutschen Handelsverbands könnten zahlreiche unter ihnen bei anderen Handelsbetrieben unterkommen.

Vermögen durch Leiharbeitsfirma gemacht

Familie Schlecker besitzt trotz der Insolvenz noch 35 bis 40 Millionen Euro Privatvermögen, berichtet das "Handelsblatt". Das Geld sei zum größten Teil im Besitz der Kinder. Die Pleite hat es freilich stark geschmälert: Im Vorjahr war ihr Vermögen noch auf 1,65 Milliarden geschätzt worden - inklusive des Unternehmenswerts. Der Großteil floss seit 2004 in den Ausgleich der Verluste in Höhe von rund 650 Millionen Euro. Der Rest ist Bestandteil der Insolvenzmasse. Die Villa der Familie gehört der Frau des Firmenpatriarchen.

Die verbliebenen Millionen sollen die Schlecker-Kinder Lars und Meike mit der Leiharbeitsagentur Meniar verdient haben. Das Subunternehmen beschäftigte mehr als 4000 Leiharbeiter. Diese wurden an Schlecker vermittelt, verdienten aber deutlich weniger als eigene Angestellte der Kette.

Schlecker Österreich hofft nach wie vor auf Käufer, zumal einige der 900 Standorte profitabel sind. Doch die Zeit wird knapp. Im Hintergrund wird daher fieberhaft an einer Arbeitsstiftung und neuen Beschäftigungsmöglichkeiten gearbeitet. (APA/vk, DER STANDARD, 4.6.2012)

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