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Christoff Beck führt seine eigene Anwaltskanzlei.

Kathrin Beck steht vor Kameras und auf Bühnen.
Wien - Jede Familie hat ihre eigenen Regeln. Zum Beispiel: Es gehört dazu, dass man ordentlich Eislaufen kann. "In unserer Familie", sagt Christoff Beck, "war das die Regel Nummer eins." Also gingen die Becks aufs Eis, wann immer es ging, und es ging oft. Die Eltern waren Mitglieder beim WEV, die Kinder Christoff und Kathrin und Margit, die Jüngste, steckten im Kinderkurs, und der Heumarkt wurde im Winter ihr zweites Zuhause.
Damals waren die Becks im siebenten Bezirk daheim, heute hätte es Christoff näher zum Eislaufverein, zumindest von seinem Büro aus, es liegt im ersten Bezirk, einen Steinwurf von der Urania entfernt. Er ist Rechtsanwalt, führt seit 1999 eine eigene Kanzlei. Spezialisiert ist er auf Zivilrecht, insbesondere Schadenersatz, Familien- und Pflegschaftsrecht, Liegenschaftsrecht und Sportrecht. Mittagessen können vorkommen, und weil man im Büro nicht essen und trinken soll, zumindest nicht Bananensplit und Eiskaffee, zieht es den Herrn Magister manchmal an den Donaukanal, ins Eisgeschäft am Schwedenplatz.
Damals, im Kinderkurs, wurden Christoff und Kathrin "als Talente erkannt und rausgefischt". Ihn sah man sofort als Eistänzer, sie sollte zunächst solo laufen. Doch da spielten die Eltern, Chauffeure zum und vom Training, bald einmal nicht mehr mit, sie verlangten: "Wenn schon, dann bitte gemeinsam." Die internationale Perspektive war so oder so bescheiden, den Rang einer Eiskunstlauf-Großmacht hatte sich Österreich aus der Zwischenkriegszeit nur bis in die 70er-Jahre hinein erhalten. Fast überall waren die Trainingsmöglichkeiten besser als hierzulande, wo man im Sommer kaum auf Eis trainieren konnte.
Hollywood
Nordamerika, das wäre es gewesen, in Nordamerika gibt es ganzjährig Eis und die Möglichkeit, in Hallen zu üben. Doch in Los Angeles kennt sich Kathrin Beck erst seit zweieinhalb Jahren wirklich aus, seit sie Christian Klikovits geheiratet hat, den Musiker, Komponisten und Produzenten mit Lebensmittelpunkt Hollywood. Kennengelernt haben sie sich 2007 bei einer Premierenfeier am Sommertheater in Mödling. "2 Waagrecht" hieß das Stück mit Kathrin Beck und Andreas Steppan, Klikovits saß im Publikum, bei der Feier kam man ins Gespräch. "So bin ich auch zum Skypen gekommen", erzählt Kathrin via Skype. "Und dann hat das Hin- und Herfliegen begonnen."
Geflogen ist Kathrin seinerzeit nicht so oft, und wenn, dann mit Christoff. "Bei den ersten großen Juniorenbewerben", sagt sie, "haben wir gesehen, dass wir mithalten können." In Österreich waren sie sowieso rasch eine fixe Größe - und ab 1983 sechsmal en suite Meister. Der Ehrgeiz war angestachelt, auch im Verein und im Verband wurde man plötzlich hellhörig, die tschechoslowakische Trainerin Mila Novakova war verpflichtet worden, die Becks machten sich auf Richtung Weltspitze. Verbesserten sich vom 16. EM-Platz 1984 auf den sechsten 1985, ein Sprung mit Seltenheitswert. Bei der EM 1987 sahen drei Preisrichter die Wiener auf Rang drei, doch da es neun Preisrichter gab, wurden sie Vierte.
Zwischen Christoff und Kathrin hat sich, wie er heute sagt, "eine unglaublich tiefe Beziehung entwickelt. Wir sind auf einer Wellenlänge." Stolz, sagt er, sei er auf die Schwester, die nach der Schauspielausbildung bereits fix an der Josefstadt engagiert war. Stolz, sagt sie, ist sie auch auf ihn. Seine Kanzlei umfasst sechs Angestellte, dazu einige Sozialarbeiter und Studenten. Verheiratet ist er, zwei halbwüchsige Söhne spielen mit Vorliebe Fußball, ein dritter Sohn aus einer früheren Beziehung ist erwachsen.
In einem Ring
Olympia 1988, Calgary. "Darauf hatten wir vier Jahre lang hingearbeitet" , sagt Christoff. Kathrin: "Von Anfang bis Ende ein einzigartiges Erlebnis." Die Verabschiedung, damals durch Bundespräsident Waldheim, das olympische Dorf, die Eröffnung. Natürlich die Kür. "Meine Anfangsposition", erinnert sich Kathrin, "war genau in einem der olympischen Ringe, die aufs Eis gemalt waren." Sie liefen zu amerikanischer Revuemusik aus den Fünfzigern. "Unsere Lobby war nicht sehr groß", sagt Christoff Beck, "deshalb haben wir uns bewusst strikt an die Regeln gehalten." Das machte den Unterschied aus beispielsweise zu den französischen Geschwistern Isabelle und Paul Duchesnay, die erst 1991 zu WM-Gold tanzen sollten und von den Becks noch auf Distanz gehalten wurden.
Wien - Los Angeles, das ist eine ordentliche Strecke, aber der Mensch gewöhnt sich an alles, sagt Kathrin Beck. Sie ist da wie dort zu Hause, tritt in Theaterstücken auf und dreht immer wieder in Wien. Im ORF ist Kathrin Beck im Herbst in der ersten Folge der Serie "Der Mediator" (mit Harald Krassnitzer) zu sehen, auch für "Vatertag" (mit Alexander Pschill) stand sie vor der Kamera. Gleichzeitig ist sie aber auch dabei, in Los Angeles beruflich Fuß zu fassen. Christians Appartement liegt gleich beim Kodak Theatre, in dem die Oscars verliehen werden. Kathrin hat es vorerst immerhin bis Cannes geschafft, bei den Filmfestspielen kürzlich war sie in dem Kurzfilm "The Percipient" zu sehen. Los Angeles bietet viele Möglichkeiten und bietet vor allem auch den Pazifik - nicht direkt vor der Haustür, aber doch sehr nah, ein Traum.
"Wunschergebnis" und "Nonplusultra"
In Calgary war Christoff 24 Jahre alt, Kathrin drei Jahre jünger. Natürlich gab es Überlegungen weiterzumachen, Albertville 1992 und Lillehammer 1994 wären sich, punkto Wettkampfalter jedenfalls, locker ausgegangen. Christoff: "Aber ob wir uns noch verbessert hätten?" Da war das Jus-Studium, das er schon begonnen hatte. Da war Kathrins Interesse für Schauspiel. Und da war die Überzeugung, dass er nicht Trainer und dass sie nicht Trainerin werden wollte. "Mit dreißig Jahren mit Moonboots in der Eishalle stehen?", fragte sich Christoff. "Sicher nicht" , hat er selbst geantwortet.
Der fünfte Olympia-Platz war "Wunschergebnis" (Kathrin) und " Nonplusultra" (Christoph). Jahr für Jahr hatten sie oft mehrmals täglich trainiert, sechs Tage pro Woche, fünfzig Wochen im Jahr. "Wir haben gar nicht darüber nachgedacht, wie viel Zeit wir miteinander verbringen", sagt Kathrin. Aufgefallen ist es ihnen erst, als es nicht mehr der Fall war. Kein Training mehr, kein Korsett mehr. Kurz ein Gefühl der Leere, dann die Suche nach neuer Herausforderung. Ordentlich Eislaufen können ist nicht alles im Leben. Regel Nummer zwei. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 4.6.2012
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