Der lange Weg zur ersten Ernte

Reportage |
  • Nachbarschaftsgarten im Wiener Arenbergpark: Künftig soll es in jedem Bezirk mindestens ein solches Projekt geben. Außerdem arbeitet Rot-Grün an einer zentralen Anlaufstelle für alle Stadtgärtner.
    vergrößern 500x333
    foto: christian fischer

    Nachbarschaftsgarten im Wiener Arenbergpark: Künftig soll es in jedem Bezirk mindestens ein solches Projekt geben. Außerdem arbeitet Rot-Grün an einer zentralen Anlaufstelle für alle Stadtgärtner.

Bei ihrem Antritt kündigte Maria Vassilakou neue Grünräume für Wien an. In einer Serie widmen wir uns der Frage, was von den Plänen der Planungsstadträtin übrig ist und wie andere Städte Platz schaffen.

Die meisten konzentrieren sich aufs Nützliche - und bauen Paradeiser, Salat und Bohnen an. Nur vereinzelt kämpft sich im Nachbarschaftsgarten Arenbergpark ein Blümchen durchs Gemüse - jeder Quadratzentimeter ist schließlich wertvoll. "Es gab über 180 Bewerber", sagt Ursula Taborsky vom Verein Gartenpolylog und hilft einem Neogärtner beim Erdelockern. "Wir hatten aber nur 26 Parzellen zu vergeben."

Wer heuer im 3. Bezirk ein Beet bearbeiten darf, wurde per Los entschieden. Die Idee, Großstädter öffentliche Flächen in ihrem Viertel umackern zu lassen, stammt aus New York - und wurde im Wiener Rathaus anfangs nur partiell gutgeheißen.

Ansturm mit Gartenkralle

Nachdem aber bereits beim Pilotprojekt in Ottakring vor fünf Jahren jede Menge Anrainer mit Schaufel und Gartenkralle anrückten, nahmen sich sowohl die SP als auch die Grünen des Themas an. Inzwischen gibt es 30 Nachbarschaftsgärten in Wien, die meisten am Stadtrand.

Laut Koalitionsabkommen soll in den nächsten Jahren aber mindestens einer pro Bezirk entstehen. "Wir müssen den Menschen die Möglichkeit geben, Dinge zu tun, die ihnen Spaß machen - wir wollen sie schließlich in der Stadt halten", sagt Planungsstadträtin Maria Vassilakou. Die Grün-Politikerin hat bei ihrem Amtsantritt jede Menge neue Grün- und Freiflächen angekündigt. Die Umsetzung dieses Plans ist allerdings wesentlich schwieriger als gedacht.

Grüne: Mehr Einsatz von Sima

Beim kollektiven Gemüseziehen besteht das Hauptproblem darin, dass man auf den guten Willen der SP angewiesen ist. Denn die Nachbarschaftsgärten gehören zum Ressort der Umweltstadträtin Ulli Sima (SP). Und die setzt sich zu wenig dafür ein, das Thema parteiintern aus der Orchideenecke zu holen - finden jedenfalls einige Grüne.

Vassilakou hütet sich freilich, die Regierungskollegin direkt anzugreifen. "Das gärtnerische Know-how liegt eindeutig im Ressort Sima", sagt sie. Zur besseren Koordination soll es künftig aber eine zentrale Anlaufstelle für alle Nachbarschaftsgärtner geben. Welche Stadträtin dafür zuständig sein wird, müssen die beiden erst ausdiskutieren.

City Farming stockt

Dabei hatten die Grünen wesentlich ehrgeizigere Pläne, als sich die Lufthoheit über ein paar Paradeiserstauden im Park zu erstreiten. Anfangs träumte Vassilakou noch von schönen neuen Stadtteilen mit integrierten Landwirtschaftsflächen.

Fürs sogenannte City-Farming werde man dem Bund alte Kasernenareale abkaufen, sagte Vassilakou. Auch das ist nicht ganz einfach. Denn der Bund gibt die Flächen nur zum Mindestpreis her, wenn Wien sie im öffentlichen Interesse nutzt. Die Zugänge zu diesem Begriff sind jedoch recht unterschiedlich.

Theodor-Körner-Kaserne zum Verkauf

Für Wien ist bereits sozialer Wohnbau öffentliches Interesse. "Nur geförderte Wohnungen zu bauen ist sicher zu wenig", sagt hingegen Stefan Hirsch, Sprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SP). Es müsse auch eine Reihe öffentlicher Einrichtungen geben. Andernfalls werde die Fläche versteigert.

Ob auf dem Areal der Theodor-Körner-Kaserne in Penzing - das als Nächstes zum Verkauf steht - jemals günstig gewohnt und selbst geackert werden wird, ist also fraglich. Will Vassilakou in absehbarer Zeit einen grünen Stadtteil entwickeln lassen, muss sie sich woanders umschauen. (Martina Stemmer, DER STANDARD, 4.6.2012)

Zum Thema

Baumärkte: Blühende Geschäfte mit dem Garteln

Glossar: Vom Guerillero bis zum Großstadtbauern

Lesen Sie im nächsten Teil

Die Suche nach einer Vorzeige-Vorstadt

Knapper urbaner Raum fürs Gärtnern

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 149
1 2 3 4
"Urban Gardening"

Ob man das jetzt so nennen muss wage ich zu bezweifeln, aber wenn ich in der Zeitung die Stellenanzeigen lese frage ich mich auch bei 90% was das eigentlich sein soll. Daher darf ich wohl davon ausgehen, dass der Großteil der Suderanten hier tagtäglich in die Arbeit als "Controller" oder "Accaount Manager" rennt. Aber wer geht zu seinem Chef und sagt er bevorzuge die alte Berufsbezeichnung "Buchhalter"? Das ist ja uncool! Aber wenn ein paar harmlose Leute ihrer Saat beim wachsen zuschauen wollen wird ein Grund zum raunzen gesucht.
Und warum man erst das Thema als (berechtigtermaßen) politisch zu irrelevant kritisiert um sich dann aber genau dort lauthals zu empören anstatt dort wo es wichig wäre, das hätte ich auch gerne mal erklärt.

es hakt doch daran, das parks von der versorgungsmöglichkeit nie als landwirtschaftliche fläche ausgelegt sind

der spaß geht doch schon los, das man wasseranschlüsse vergeblich sucht.

da lobe ich mir meine inzwischen 15 töpfe auf dem fenstersims, wo ich einiges ziehen kann.

mehrere habaneros-pflanzen, dazu noch jalapeno, 2x bhut jolokia, 3x lemondrop, goats weed chinese-5-color (4x mit 3 jungpflanzen), rosmarin, basilikum, salbei, ein zitronenbaum, ein orangenbaum (gerade gekeimt), ein avokadobaum, kartoffeln, 3x melothria gurke (nur 3cm lang)

dann vor paar monaten gekeimt: dragonfruit kakteen

und im winter wird ein teil dann überwintert, meine älteste habanero ist in der dritten saison.

dieses jahr arbeit ich erstmals mit LSR, um auch im winter was zu haben. dann hab ich indoor etwa 2-3 m² garten im regal. vllt kommt dann noch LED.

LED's sind aber fast monochromatisch und das Licht UV-ferne, d.H. nicht wirksam für die Photosynthese!
Da empfehle ich ihnen die UV-Dioden, die es für Geldscheinprüfer gibt, dann wirds ned so brutal teuer.
Bissl basteln muß ma halt ;-)

ja, leds sind monochromatisch, aber wenn sie im sichtbaren bereich leuchten, uv-los (zwangsläufig).

lediglich weiße leds, die mittels einer phosphorbeschichtung diese weiße erreichen, sind in wahrheit uv-leds. aber das is bei leuchtstoffröhren genauso.

praktisch kommts auf die lichtzusammensetzung an, wie sich die pflanzen entwickeln. grün is nutzlos, rot und blau steuern die wuchsart der pflanze, blau ist besonders effizienz bei der photosynthese.

uv-röhren würde ich dennoch verbauen, wenn man die pflanzen an draussen gewöhnen will. ohne uv-licht bauen die pflanzen auch keinen schutz auf. und ohne schutz sterben die blätter dann draussen ab.

Wie hier schon jemand gepostet

hat, ist das Projekt im 17. (Dornbach, Alszeile) ein klassischer "bitte lass Politiker nix entscheiden" - Fall.

Man hat einen der ganz wenigen großen Parks um die Hälfte kastriert, um in einer der grünsten Gegenden Wiens einen Gemüsegarten anzusetzen.

Zum Verständnis für nicht ortskundige: die Topografie von Dornbach + Neuwaldegg erlaubt nur wenige große ebene Flächen (Hügelland!) + in der Gegend hat jedes Haus + jeder Gemeindebau nicht gerade wenig Grünfläche vor/neben/hinterm Haus.

Ich komme dort mehrmals die Woche vorbei und der Andrang ist endenwollend, würde ich meinen.
Wen wunderts?

Hauptsache die Grünen haben ihre Klientelpolitik und die rote Vorsteherin kann irgendwas basteln...

ich find das ziemlich spießig

Ich seh die Bobos schon mit den 70-Liter Säcken Gartenerde in der Bim fahren!

*g* Auto is ja ur schlimm, das brauchen nur pöhse Pendler

Erde geht ja vielleicht noch, aber denkens mal an den (Natur)dünger! ;-)

so nett & witzig das alles klingt...

aber ich hoffe doch, dass man hier nicht zu viel zeit, geld und aufmerksamkeit reinbuttert.

nicht dass ich's nicht gut fänd wenn wir 3 garterln, 2 radlwege und wlan vorm rathaus kriegen, aber für die regierungsbeteiligung wär's a bisserl wenig.

Das musst du aus der Kundensicht sehen:
für Grüne ist das alles supi, der Normalbürger mag den Kopf schütteln, aber das is wurscht!

Wenn die Sozen wieder mal Geld verteilen, fragt von deren Wählern auch keiner, ob das besonders weise is... ^^

"Denn der Bund gibt die Flächen nur zum Mindestpreis her, wenn Wien sie im öffentlichen Interesse nutzt.

Und wer hat wohl Interesse an solchen Anlagen?! Die Öffentlichkeit natürlich. Dann steht dem Mindestpreis doch nichts im Wege?!

180 Bewerber - 26 Parzellen

wenn nicht jeder kann ist es eigentlich privat...

Wie wärs, wenn man den schönen Park, den es mal Ecke Thalia/Wattgasse gab, wieder herstellen würde?
Hat nämlich die Nationalgärtnerin zubetonieren lassen!

"Wir müssen den Menschen die Möglichkeit geben, Dinge zu tun, die ihnen Spaß machen -

wir wollen sie schließlich in der Stadt halten", sagt Planungsstadträtin Maria Vassilakou.
http://gothamist.com/2010/07/2... ld_man.php

Gerade bei den "Prachtbauten" aus den 60er - 80er Jahren gibt es doch haufenweisen kaum bis gar nicht genutzte Grünflächen. Wieso nicht die zumindest teilweise in Gärten umwandeln?

"Wir wollen sie schließlich in der Stadt halten."

Wie sieht denn die Realität aus?

Eine ganze Reihe junge Familien haben sich bewusst in der Alszeile (17.) eine Wohnung gekauft, weil sie ein bisschen Ruhe, grün UND einen guten ÖV Anschluss haben wollten.
Um das Geld hätte man natürlich in Mistelbach ein großes Haus mit Riesengarten haben und nach Wien mit dem PKW pendeln können. Aber sie wollten es so.

Soeben baut die Stadt Wien dem dortigen Altersheim "Haus Alszeile" eine Klimaanlage auf den Speisesaal, die laut Hersteller 83 dB(A) in die verkehrsberuhigte Alszeile blasen wird. Unmittelbar in die kleinen Gärten der Jungfamilien, die jetzt wissen, dass es besser ist, NICHT in der Stadt zu bleiben.

Wer etwas daran ändern will:
morgen, 18:30 Haus Alszeile
e-mail an Dr. Pfeffer, Bez.Vorst

Das nennt man gelungen. Eine Spielwiese auflassen, damit ein paar Wappler Paradeiser pflanzen können.

nette Idee,

aber es ufert schon wieder ins Boboeske aus ;)

Geht man nach den Pächtern von Feldparzellen am Stadtrand, dann kann man nicht wirklich davon sprechen, dass das Bedürfnis nach Anbaufläche unter Städtern nur Bobos betrifft. Dort findet sich eine bunte Mischung aus jungen Familien, Studenten, Ausländern (Türken, Inder, Asiaten, Russen) und Pensionisten.

Ähhh ... Ja, aber

sind das nicht gewöhnliche Schrebergärtner?

Was genau sind ....

.... für Sie "gewöhnliche Schrebergärtner" ?

Das hätte ich ja wohl geschrieben... Das sind Parzellen auf einem Feld, die man für ein Jahr mieten kann um dort was anzubauen und wo automatisch bewässert wird.

Schrebergarten

Posting 1 bis 25 von 149
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.