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Im Samenarchiv werden die alten Sorten erhalten.

Im Schau- und Vermehrungsgarten der Arche Noah und in vielen Partnergärten werden sie angepflanzt, getestet und die Samen vermehrt.


Zum Beispiel die Gartenmelde - eine der ältesten Kulturpflanzen - die man gemeinhin kaum noch kennt.
Schiltern - Katrin Ehlert steht in dem Raum, den sie " Hochsicherheitstrakt" nennen, und sie hält eines der zighundert dort gelagerten Gläser in die Höhe: "Es könnte durchaus sein, dass diese paar Samen hier die letzten dieser Sorte auf der ganzen Welt sind."
Deswegen werden sie hier gelagert, die seltenen und die ganz seltenen und die allerseltensten Samen: im "Samenarchiv" der "Arche Noah" in Schiltern bei Langenlois. Die Samen von 500 Paradeisersorten etwa - von "Auriga" über "Potentat" und "Veni Vidi Vici" bis hin zu "Zieglers Fleischtomate". Oder die 300 Bohnenarten. Oder der "Spinat Pfarrgarten", nicht zu verwechseln mit dem "Monströser von Viroflay Rundsa". Insgesamt sind es rund 6000 historische Sorten, die von der Arche Noah erhalten werden.
Schau- und Vermehrungsgarten
Draußen, im Schaugarten und im Vermehrungsgarten der Sortenschützer, werden diese Sorten angebaut. Um sie dem Publikum zu präsentieren und näherzubringen - vor allem aber auch, um sie zu vermehren und sie der Nachwelt zu erhalten.
Auch Pflanzen, die man gemeinhin kaum noch kennt, wie die salat- und spinatähnliche "Gartenmelde". Hier im Schaugarten wurden heuer gleich 15 bis 20 Meldesorten angepflanzt; sie werden auf ihre Eigenschaften getestet - und in appetitlicher, farbenfroher Anordnung präsentiert.
"Sammelreisen" nach Osteuropa
Seit 22 Jahren werden hier in der Arche Noah die Samen seltener und bedrohter Sorten aus Österreich und den angrenzenden EU-Ländern gesammelt, vermehrt und geschützt. Vor allem nach der "Ostöffnung" waren auch gezielte "Sammelreisen" nach Osteuropa unternommen worden, weil in den dortigen Gärten noch viele der alten Arten wuchsen, deren Samen gesichert werden konnten.
So ruhig, entspannt und harmonisch die Gartenarbeit hier in Schiltern auch abläuft: Was hier geschieht, hat gleichzeitig auch eine hochaktuelle und höchst politische Seite. Denn der Trend der industrialisierten Agrarproduktion geht freilich in eine gänzlich andere Richtung.
Ewig gleiche Sorten im Supermarkt
Dass es im Supermarkt nur noch ein paar und ewig gleiche Sorten im Angebot gibt, ist schließlich kein Zufall. Um 1900 wuchsen in Österreich noch etwa 3000 bis 5000 Apfelsorten - heute sind es nur noch 400 bis 500. In Supermärkten kommerziell verwertet wird davon nur ein Bruchteil. Und dahinter steckt durchaus System.
"Denn das EU-Saatgutrecht - es ist eines der restriktivsten weltweit - schließt jegliches Saatgut vom Markt aus, welches nicht bestimmte Kriterien erfüllt. Kriterien, die überwiegend für die Saatgutproduktion im industriellen Maßstab und die Bedürfnisse der industrialisierten Landwirtschaft entwickelt wurden", wird in einer Arche-Noah-Aussendung vom 24. Mai betont. Weltweit erlebte der Saatgutsektor in den letzten drei Jahrzehnten einen massiven Konzentrationsprozess: Derzeit kontrollieren nur mehr zehn multinationale Unternehmen bereits 74 Prozent des globalen Saatgutmarktes.
Eine "einmalige Chance"
Und da das europäische Saatgutverkehrsrecht derzeit revisioniert wird, schlossen sich insgesamt 240 NGOs zusammen, um an die Abgeordneten des EU-Parlamentes und Mitglieder der EU-Kommission einen eindringlichen Appell zu richten: Die Revision sei "eine einmalige Chance, endlich den bereits überfälligen Schritt in Richtung einer nachhaltigen europäischen Saatgutpolitik zu gehen".
Setzt sich hingegen die industrielle Saatgut-Lobby durch, droht genau das Gegenteil: ein Verbot der letzten kleinen Nischen, über die das, was von der früheren Sortenvielfalt noch übrig ist, erhalten werden kann." Die letzten privaten Freiräume wie der Saatguttausch dürfen nicht im Namen von Produktivität und Standardisierung geopfert werden", betont Arche-Noah-Obmann Christian Schrefel. "Wenn diese Aktivitäten illegalisiert werden, müssen wir mit einem weiteren erdrutschartigen Verlust an europäischer Saatgutvielfalt rechnen und geraten noch weiter in Abhängigkeiten von der Saatgutindustrie." Und die Arche Noah könnte zusperren. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 2.6.2012)
Links
Nähere Informationen: arche-noah.at und seedforall.org
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Wirklich reifes Gemüse dass die Sonne gesehen hat, anstatt dem hybriden, kunstgedüngten Plastikfolien-Tunnel-Gemüse, das in Substrat wurzelt u seine tägliche Giftdusche bekommt.
Klingt vielleicht etwas überheblich, aber die allermeisten "Produkte" in unseren Märkten verdienen den Namen Lebensmittel in keinster Weise.
Bio u organisch müsste eigentlich der Standard sein - das konventionell gezoge müsste gekennzeichnet u teurer sein (weil es das auf Umwegen auch ist. Stichwort "Kostenwahrheit").
...aber Aufmacher wie "Für diese Arbeit ist aber auch ein steter politischer Kampf gegen die industrielle Vereinheitlichung nötig" gehören wohl eher ins linke Schmudel-Klassenkampf Eck als zu einer Seriösen Problemdiskussion.
Illegal sind auch sämtliche Pflanzenschutzmittel, die nicht in ähnlichen offiziellen EU-Listen geführt werden. darin werden diese detailliert chemisch beschrieben. Nun ist es aber unmöglich, altbekannte Hausmittel wie die Brennessel- oder die Schachtelhalmjauche chemisch "stabil", also immer mit der exakt gleichen Zusammensetzung v. Inhaltsstoffen herzustellen. Damit sind all diese Mittel automatisch illegal. Das kann dem Gärtner zwar egal sein, der das in Eigenregie weitermacht, aber illegal ist damit auch jede Publikation über die Herstellungsweise dieser völlig harmlosen Mittel! Es gab bereits Prozesse gegen Leute, die ihre Ansetzmethoden z.B. im Internet publiziert haben! Das ist kein Witz!
Es ging darum um jemanden, der die Rezeptur zum Ansetzen von Brennesseljauche publiziert hatte. Wer der Kläger war, weiss ich nicht mehr. In dem Artikel wurde die Groteske dieser Regelung unterstrichen: Die synthetischen, oft hochgiftigen Mittel der chemischen Industrie "mit den hübschen Totenköpfen auf den Päckchen" sind natürlich in ihrer genauen Zusammensetzung normierbar und damit zur Zulassung geeignet, die harmlose Brennesseljauche nicht. Der Journalist zitierte provokant das alte Rezept und riet dem Leser sarkastisch: "um gesetzestreu zu bleiben, lernen Sie es auswendig und verbrennen Sie diesen Artikel. Vernichten Sie alle Spuren ihres illegalen Wissens! Sprechen Sie mit niemandem darüber! Man könnte Sie verklagen!"
Nachdem 2011 erstmals Gemeinschaftsgärten am Harter Plateau in Leonding bei Linz angelegt wurden, kommt auch 2012 wieder ein öffentlicher Gemeinschaftsgarten in Hart zustande.
http://www.urbanfarm.at
http://www.gatenlabor.at
Sollte die EU tatsächlich die Arbeit der Arche Noah illegal machen und es verbieten alte Sorten anzubauen und zu essen, dann würde ich persönlich dieses Gesetz BEWUSST MISSACHTEN und es dennoch tun, wenn notwendig bis zum Knast.
Irgendwo gibt es eine Grenze die hier extrem überschritten wird. Die Lebensmittelindustrie mit dem Normgemüse ohne Geschmack kann doch bleiben wo sie will, alte Sorten sind gesünder, schmecken besser und es bleibt wohl JEDEM selbst überlassen ob man etwas aus dem eigenen Garten essen mag oder nicht.
Dieser Eingriff wäre ein Eingriff in die Menschenrechte, zu bestimmen ob man Samen tauschen und anbauen darf. Unerhört welche Lobby da aktiv ist und wie Politiker zu Zecken verkommen und sich ausnutzen lassen!
Der Handel oder die sonstige Weitergabe von Saatgut benötigt viel Vertrauen. Immerhin kauft man das Versprechen, dass bei guter Pflege die gezogene Pflanze der Beschreibung bei der Weitergabe entspricht! Wenn man Samen einer interessant beschriebenen Karottensorte einkauft und dann im Garten draufkommt, dass ein inkompetenter Schafskopf ungewollt auf frühes Schossen selektiert hat ist das Geld und die Arbeitszeit beim Hugo. Die Arche Noah hat in einer Publikation vor Jahren schon mal daran erinnert, dass ein Gesetz zur Qualitätssicherung von Saatgut aus Ma. Theresias Zeiten eines der ersten Gesetze zum Konsumentenschutz war. Also ganz überflüssig sind gesetzliche Rahmen nicht. Sorgfalt und Kompetenz im Garten erst recht nicht.
In Frankreich ist der mit der Arche Noah vergleichbare Verein Kokopelli aktiv. Dieser wurde vor ein paar Jahren von der Saatgutindustrie juristisch angegriffen, weil natürlich das von ihm versandte Saatgut nicht den EU-Richtlinien entspricht. Wenig bekannt ist: es gibt offizielle Listen zugelassenen Saatguts, das gehandelt werden darf. Um eine Sorte darauf eintragen zu lassen ist ein Prüfverfahren vorgesehen das obendrein kostenpflichtig ist. Rein finanziell könnten die Vereine also niemals die von ihr gehüteten Sorten "legalisieren". Im Prozess ging es v.A. um die Frage ob die Weitergabe v. Saatgut im Privaten und Vereinsbereich "Handel" ist. Fürs Erste bekam Kokopelli recht, aber klar war: Die Saatgutindustrie will sie weghaben.
Da haben sie absolut recht. So manche alte Sorte ist nicht ohne guten Grund verschwunden!
Alte heißt nicht automatisch "schmeckt besser" oder "ist gesünder". Manchmal ist alt bloß alt.
Bei Menschen ist das nicht viel anders. Alt heißt nicht automatisch "weise" und "erfaheren". Man kann auch ein alter Trottel sein.
Dennoch verschwanden aber auch eine Vielzahl an Sorten, die für lokale Speisen oder lokale Klimate eine große Rolle gespielt haben, oder die zwar besser schmecken, aber geringeren Ertrag bringen, oder die bloß für die industrielle Produktion ungeeignet sind, weil sie eine zu dünne Schale haben und den Transport nicht gut überstehen, oder die ungleichmäßig reifen und daher nicht maschinell geerntet werden können.
Ich finde es spitze, dass es nun auch Arche Noah Samen im österreichischen Lebensmittelhandel gibt. Schade ist nur, dass diese alten Sorten zwar als Biosaatgut verkauft werden, aber unter der SPAR Marke "Spar wie früher". Diese Marke kommt wie eine Biomarke daher, ist aber keine! Die Cherrytomaten aus dieser Marke kommen von einem konv. Betrieb, und sind mehrfach mit Pestiziden behandelt. (Ich kenne den Betrieb). Ich fürchte, dass es zur Strategie von Spar gehört, sich ein paar gute Feigenblätter zu kaufen, um die ganze Marke grün zu waschen.
Ich hätte es gut gefunden, wenn diese Raritäten unter der Biomarke "Natur pur" verkauft würden, dort gehören sie auch hin.
und dem Bio-Hype wären die großen Handelsketten nie aber nur annährend auf die Idee gekommen je wieder alte Sorten zu verkaufen.
Und wie man an ihrem Bsp. wieder mal sieht geht es natürlich nur um Profit. Und die Konsumenten werden für dumm verkauft!
Ein sehr zweischneidiges Schwert!
Auf der einen Seite bin ich froh, das mehr Bewusstsein in diesem Bereich geschaffen wird.
Auf der anderen Seite gönne ich den Handelsketten diesen Gewinn nicht!
Klar geht es um Profit. Das ist in jedem Wirtschaftsunternehmen so. Und das ist gut so. (Der Lebensmittelhändler Konsum sichert heute keine Arbeitsplätze mehr). Allerdings kann niemand die Arche Noah dazu zwingen, bei diesem Spiel mitzumachen. Immerhin hätten die Verantwortlichen bei der Arche Noah darauf bestehen können, dass das Saatgut unter einer Biomarke verkauft wird, und nicht zur Reinwaschung einer konv. Marke dient. Entweder hat man darauf vergessen, oder es war das liebe Geld zu verlockend.
..es geht natürlich um Profit.
Profit erwirtschaften mit Täuschung von Kunden geht mir aber sowas gegen den Strich.
...leider sind viele Konsumenten zu wenig aufgeklärt, (gebildet?).
Sonst würden solche Sachen ganz schnell wieder vom Markt verschwinden.
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