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Am 6. Februar 1952, dem Todestag ihres Vaters König George VI., wurde Elizabeth Alexandra Mary of York zur Königin proklamiert. Auch sechzig Jahre später liegt ihr Großbritannien zu Füßen. Die Queen - eine Karriere.
Rechtzeitig zum Sommerloch haben schlaue Radiomacher der BBC ihre Zuhörer zum Nachdenken animiert: Wer hat in den letzten sechs Jahrzehnten Entscheidendes zum Leben auf den Britischen Inseln beigetragen? Aus mehr als 1000 Vorschlägen erstellten prominente Historiker eine Liste von 60 Namen - ein Name pro Jahr. Da sind Politiker (Margaret Thatcher, Tony Blair) ebenso vertreten wie Musiker (Benjamin Britten, John Lennon und Paul McCartney), Künstler (Salman Rushdie, Harold Pinter) und Wissenschafter (Jocelyn Bell Burnell). Die Porträt-Serie im Radio beginnt mit Edmund Hillary, dem Mount Everest-Bezwinger, und endet - natürlich - mit Queen Elizabeth II.
Das Vereinigte Königreich feiert am verlängerten Wochenende die 60-jährige Regentschaft seiner Monarchin. Geehrt wird eine rüstige Dame, die auch im 87. Lebensjahr noch unverdrossen ihren Dienst verrichtet: sehen und gesehen werden, lächeln, Blumen entgegennehmen, Smalltalk.
Ein "zweites elisabethanisches Zeitalter" sah Kriegspremier Winston Churchill heraufziehen, als der hübschen jungen Frau am 2. Juni 1953, ein gutes Jahr nach ihrem Amtsantritt, auch offiziell die Krone aufgesetzt wurde. Brav nennt die BBC ihr Radio-Projekt Die neuen Elisabethaner - als habe die Queen ihr Zeitalter so prägen können wie Elizabeth I. ab 1558.
Dabei besteht die Wirkung der zweiten Elizabeth gerade in der engen, formalen Auslegung ihrer Funktion als Repräsentantin der "königlichen Republik", von der Historiker David Starkey spricht. Sie hat weder die zu Beginn ihrer Amtszeit noch üblichen Todesurteile unterzeichnet, noch später verurteilte Terroristen in Nordirland aus der Haft entlassen. Das fiel in die Zuständigkeit gewählter Politiker. Sie hat weder geniale Dichter gefördert, noch moderne Architekten verdammt - Letzteres überließ sie ihrem Sohn und Thronfolger Charles.
"Verteidigerin des Glaubens"
"Sie verkörpert Stabilität in einer sich rasch verändernden Welt. Die Botschaft lautet: Keine Panik", analysiert Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury und geistliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche - deren weltlicher Chef ist die Queen.
Genau dieses Beharren auf dem Status quo ist für Kritiker ein Pro blem: Die Elite der Insel sei sich stets selbst genug und werde alle Herausforderungen schon irgendwie meistern - zuvor aber noch schnell einen Gin Tonic trinken und ein paar Füchse jagen. Daher die mangelhafte Infrastruktur des Landes, der Kollaps der Industrie und die Abhängigkeit von Scheichs und Oligarchen. Die Königin gilt diesen Kritikern als inkarnierte Beharrung.
Ob das stimmt oder nicht: Elizabeth II. verkörpert jedenfalls das Lebensgefühl der britischen Durchwurstler: 80 Prozent der Briten stehen hinter ihr. Sie ist "so unangefochten wie unanfechtbar", schreibt Rupert Murdochs Sunday Times. Selbst der republikanische Economist freut sich auf "ein schönes Fest". Dabei kommt die Volkswirtschaft jeder zusätzliche Feiertag teuer zu stehen: Die Zentralbank rechnet mit einem Produktivitätsausfall von 7,2 Milliarden Euro, bloß Einzelhandel und Bierbrauer profitieren.
60 Jahre nach der Thronbesteigung steht Elizabeth Alexandra Mary Windsor so souverän da wie kaum jemals zuvor. "Eine subtile Kombination aus sturem Konservatismus, genau kalkulierter Distanz und pragmatischer Anpassung" habe Kritiker zum Schweigen gebracht, urteilt der Autor Bryan Appleyard.
Als die damals 25-Jährige ihrem verstorbenen Vater George VI. nachfolgte, hielten laut Queen-Biograf Robert Lacey die Hälfte der Briten ihre Regentschaft für gottgewollt. "Königin von Gottes Gnaden" steht noch heute auf jeder britischen Münze. Heute ist die Devotheit dem Respekt vor einer Lebensleistung und sentimentaler Zuneigung gewichen.
Dabei traten mit zunehmendem Wohlstand auf der Insel und der Befreiungsbewegung in den Kolonien schon in den 1950er-Jahren zunehmend Kritiker auf den Plan. Lord Altrincham musste sich 1957 von einem empörten Royalisten ohrfeigen lassen für die Bemerkung, die Königin müsse lernen, ihre Reden besser vorzutragen. Grundsätzlicher wurde dann der Dramatiker John Osborne: Die Monarchie stelle "den Goldzahn in einem Mund voller Fäulnis" dar.
Später kamen Kontroversen um die Ehen der Königskinder, Finanzkrisen und der Tod von Prinzessin Diana dazu. Elizabeth II. hat sie alle überdauert.
Ihr langjähriger Privatsekretär, Martin Charteris, hat seiner Vorgesetzten einmal gesagt: "Ihr Job besteht darin, einen Wohlfühl-teppich auszulegen." Eine skeptische, zunehmend areligiöse Gesellschaft, in der Materialismus und Selbstverwirklichung im Vordergrund stehen, hat diesen Wohlfühlteppich aber nicht bloß akzeptiert: Sie liegt ihrer tief religiösen, am Gemeinwohl orientierten Repräsentantin auf diesem Teppich sogar zu Füßen. (Sebastian Borger aus London /DER STANDARD, 2.6.2012)
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Putzig, wie die intellektuell scheinen wollende Community sich das Maul über eine Monarchie zerreisst, die derzeit von 80% der Untertanen gewünscht wird.
Es ist - wie ich finde - immer noch Sache der Briten/Engländer, die Monarchie zu beenden oder die rd. 1000 Jahre weiterzuführen.
Es ist unglaublich, wie sich hier viele das Maul ueber die harmlose Queen zerreissen.
Ich denke, man muss hier gelebt haben um die Begeisterung, die heute trotz Regen auf den Strassen herrscht, zu verstehen.
Ich lebe jedenfalls lieber in einem Land mit einer Queen ohne politischem Einfluss als in einem Land mit einer Partei wie der FPOE in der Regierung. Oder habt ihr die schon abgesetzt? Nein?
Ich sage nur Monaco, Liechtenstein und Vatikanstaat!
Letzteres vielleicht eine aber absolute Monarchie, aber offenbarr eher schwache Monarchie. Die Hausmeier des Vatikan können jedoch zu ihrem Bedauern nicht beim Papst anfragen, ob von Rechts wegen nicht der Papst sein sollte, der tatsächlich das Sagen hat.
Sind doch eh alles Deutsche.
Wie klagten man doch schon im 18. Jahrhundert in Schottland über Georg I., den ersten (unzweifelhaft richtigen; Wilhelm II von Oranien war im Grunde auch schon einer, mochte aber als Holländer durchgehen) Deutschen auf dem englischen und damit auch schottischen Thron?
Wha the de'il hae we gotten for a king,
But a wee, wee German Lairdie
(Etwa: Wen zum Teufel haben wir da als König bekommen?
Doch nur ein klitzekleines deutsches Freiherrchen)
Und dann haben immer mehr eingeheiratet.
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