Berufung zum Dasein

1. Juni 2012, 17:21
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Nostalgische Gefühlsduselei kam nicht auf. Historiker Karl Vocelka erklärte die Monarchie in Österreich für tot

Eben noch holten die Babuschkas beim Song Contest die Kekse aus dem Feuer, schon steht die nächste gerontophile Party an. Die Queen zelebriert pompös ihr sechzigjähriges Thronjubiläum, und auf Servus TV wurde im Talk im Hangar 7 diskutiert, wie modern denn diese noch sei, die Monarchie.

Dickie Arbiter, ehemaliger Pressesprecher von Elizabeth II. beteuerte, dass sie für ihren Job keinen einzigen Cent gezahlt bekäme. Diese Last der royalen Bescheidenheit wäre für unsereiner schwer zu ertragen, gilt es doch laut Kabarettist und Autor Rudi Roubinek "in einer Winterresidenz mit 500 Zimmern zu hausen, erlauchtes Tuch am Leib zu tragen und fünfmal täglich exquisite Mahlzeiten zu bekommen".

Nostalgische Gefühlsduselei kam nicht auf. Historiker Karl Vocelka erklärte die Monarchie in Österreich für tot. Selbst im präsentierten Umfrageergebnis sprachen sich 68,5 Prozent gegen einen König als Staatsoberhaupt aus. Roubinek nutzte die Chance und warb heftig für den TV-Kaiser nach dem Motto: Was brauchen wir einen König, wenn wir doch einen Kaiser haben! Und gab gleich den ultimativen Tipp mit auf den Weg: Letzteren könne man obendrein abschalten.

Die Beantwortung nach der Moderne wurde mit Schlagwörtern (Tradition, Kontinuität) für geklärt befunden, nun suchte man nach Erfolgsgründen der Herrscher. Kunsthistoriker Johann Georg Prinz von Hohenzollern steuerte dazu Anekdoten bei. Etwa jene von Herzog Franz von Bayern, der auf die Frage nach seiner beruflichen Aufgabe antwortete: "Ich bin anwesend."

Da zu sein muss auch einmal reichen. Wem dies über mehr als ein halbes Jahrhundert gelingt, der darf Sonntag tausend Boote über die Themse jagen. (Mario Kopf, DER STANDARD, 2./3.6.2012)

  • "Talk im Hangar 7": Die Sendung können Sier hier nachsehen.
    foto: screesnhot, servus tv

    "Talk im Hangar 7": Die Sendung können Sier hier nachsehen.

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