Gebeiztes Saatgut gefährdet Bienen

Roman David-Freihsl
2. Juni 2012, 18:15
  • Auch französische Forscher belegten: Saatgutbeize kann Bienen so verwirren, dass sie nicht mehr zu ihrem Volk mit der Königin zurückfinden.
    foto: matthias cremer

    Auch französische Forscher belegten: Saatgutbeize kann Bienen so verwirren, dass sie nicht mehr zu ihrem Volk mit der Königin zurückfinden.

Untersuchung zeigt die Schädlichkeit von Beize, aber um die nötigen Konsequenzen wird noch gestritten

Wien - Umstritten war die Melissa-Studie über die Ursachen des Bienensterbens schon länger. So hatte etwa der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirkl huber bereits im Vorjahr kritisiert, dass diese Forschungsarbeit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) nicht unabhängig sei: 17 Prozent der Projektkosten würden von der chemischen Industrie finanziert - eine Anfragebeantwortung durch Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) hatte ergeben, dass an dem Projekt auch die Vereinigung der Pflanzenzüchter und Saatgutkaufleute Österreichs, Syngenta Agro, Bayer Austria und CropScience sowie BASF Österreich beteiligt seien.

Aber seit Mitte März dieses Jahres der Abschlussbericht zur Melissa-Studie präsentiert wurde, ging die Diskussion erst so richtig los. Denn der Verdacht, dass gebeiztes Saatgut die Bienen schädigt, war tatsächlich bestätigt worden: "Es ist unbestritten, dass es einen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektizidgebeiztem Saatgut gibt", hatte der Ages-Pflanzenschutzexperte Robert Womastek bei der Präsentation erklärt. Bei 1396 von zirka 367.000 Bienenvölkern in Österreich wurden Schädigungen durch insektizidgebeiztes Saatgut nachgewiesen.

Seither geht es hin und her zwischen Landwirtschaftskammer, Grünen, NGOs und Bauernbund. Denn die Ages hatte trotz dieses Ergebnisses den Einsatz des gebeizten Saatgutes verteidigt: Denn mit "risikominimierenden Maßnahmen" wie der Verbesserung der Beizqualität und der Aussaattechnik könne das Bienensterben eingedämmt werden, wird argumentiert.

Vier illegale Pestizide gefunden

Global 2000 fordert wie auch die Imkerbünde ein Verbot neo nicotinoider Beizmittel, wie es schon in Deutschland und Italien existiert. Die wirksamste Maßnahme gegen den Schädling Maiswurzelbohrer sei ohnehin eine konsequente Fruchtfolge.

Helmut Burtscher, Pestizid-Experte bei Global 2000, wies dar auf hin, dass beim Melissa-Projekt auch vier illegale Pestizide in toten Bienenvölkern aus drei Bundesländern gefunden wurden. Und das sei "in dieser Häufigkeit sehr verwunderlich" und "nicht akzeptabel".

Bauernbund-Präsident Jakob Auer warf Global 2000 wiederum "grob verzerrende und unrichtige Darstellungen" vor, in denen "die Bauern alleinig für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden". Worauf Global konterte, den Schwarzen Peter habe der Melissa-Abschlussbericht den Bauern zugeschoben - indem Verstöße gegen Aussaatauflagen vermutet wurden.

Kein Verbot von Beizmitteln

Dass die Beize Bienen schwer beeinträchtigt, haben indes nun auch französische und britische Forscher nachgewiesen: Laut zwei Untersuchungen, die im Fachjournal Science veröffentlicht wur den, entdeckten Wissenschafter aus Frankreich, dass das Gift die Orientierung der Bienen stört: Die Tiere finden den Weg zu ihrem Volk nicht mehr zurück. Ein britisches Team entdeckte, dass Hummelvölker durch Pestizide stark beeinträchtigt wurden.

Im jüngsten Landwirtschaftsausschuss wurde am Mittwoch wieder kein Verbot von Beizmitteln beschlossen - sondern ein neuer Unterausschuss. (Roman David-Freihsl, 2./3.6.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 197
1 2 3 4 5

Großvater und Vater haben ihre Bienen ein Leben lang begleitet. Zwischenwände hat man mit selbstgeschmolzenem Wachs erzeugt, bzw. mit eigenem Wachs pressen lassen. Nie wurden Königinnen zugekauft. Die Erträge waren ca 50% dessen was moderne Imker erzeugen, der Honig war phantastisch gut. Aber die Bienen haben auch gestochen und geschleudert wurde immer wenn es ganz heiß war und die Schwärme haben sich immer auf den höchsten Bäumen niedergelassen...

Laut einer Studie der Padua Uni ist tatsächlich die Einführung von Nicotinoid-behandeltem Saatgut vor etwa 15 Jahren…

…für die Probleme der Bienen verantwortlich:

http://lexicondaily.blogspot.co.at/2012/03/w... -bees.html

Jetzt lache ich...

Bitte, lesen Sie Science:

http://www.eurekalert.org/pub_relea... 060712.php

Komischerweise in die Richtung was ich habe gesagt mit einem langen rote Streich...

Was leider immer wieder untergeht ...

bei diesen Diskussionen, ist, dass Honigbienen zwar die bekanntesten Insekten sind die da betroffen sind, es aber noch jede Menge anderer extrem wichtiger Insekten gibt, bei denen die Auswirkungen unbekannt sind. Hummeln und Wildbienen sind wichtige Bestäuber ohne die nicht nur die Landwirtschaft nicht auskommt sonder die vor allem für die Bestäubung vieler Pflanzen unserer Ökusysteme unerlässlich sind: ohne die gibt es auch die Pflanzen nicht mehr. Und dann gibt es noch ein paar zig-tausen weiterer Insekten- und Gliederfüßlerarten von denen wir noch gar nicht wissen wie wichtig sie sind.
Gerade wenn Erdöl und damit Kunstdünger und intensive Landwirtschaft teuer wird, wird eine Verständnis von Ökosystemen wichtig werden.

Wie dumm kann man sein?

Gerade als Landwirt sollte man wissen wie wichtig Bienen und viele andere Insekten für die Landwirtschaft sind. Wollen die Landwirte sich wirklich mehrheitlich von einem Minister vertreten lassen, der aktiv Lobbying für eine Chemieindustrie betreibt der nach wie vor völlig wurscht ist was ihre Produkte anrichten solange der schnelle Gewinn stimmt?

...die Bauern alleinig für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden..

Falsch! Erstens nicht DIE Bauern, sondern nur jene die es konkret betrifft und zweitens gilt die Verteidigung nur an der Oberfläche den Bauern, letztlich den Haberern in der petrochemischen Industrie, denen man einen Markt erhalten will den keiner braucht.

Wasserlösliche Dünger und naturfremde Chemie sind in der Landwirtschaft zur Gänze verzichtbar, das hat Josè Lutzenberger schon in den 80ern so eindrucksvoll belegt, daß die chemische Industrie sich vor jeder Podiumsdiskussion mit ihm gedrückt hat.

Mischkultur, Fruchtwechsel, organische Düngung, Gründüngung, klima- u bodengerechte Sortenauswahl: Diese Maßnahmen machen die Scheinlösung Schädlings"bekämpung" überflüssig.

Stimmt (leider?) nicht

wenn es so einfach wäre würde doch sowieso schon jeder auf teueres Gift und teuren Dünger verzichten.
Aber wir sind in der Misere genau weil es ein Faktum ist dass die Erträge und die vom Markt gewünschte Qualität zum ebenso geforderten Preis nur durch intensive Landwirtschaft zu erhalten ist. Dennoch sollte man Giftstoffe wie diesen vermeiden weil man eben etwas globaler und vorausschauender denken sollte als bis zur nächste Ernte. Und überhaupt sollte man schon jetzt auf nachhaltige Produktion umstellen, da die erdöl-basierte Intensivproduktion bei steigenden Ölkosten sowieso bald nicht mehr so kostengünstig möglich sein wird.

was wär denn ein nicht-wasserlöslicher dünger?

... die Ages als Lobbyist der chem. Industrie ...

... sowie die EU Lobbyist von Großkonzernen ist und nicht Vertreter der Europäer. Der Konsument kauft teure Energiesparlampen um die verseuchte Nahrung in grellem Lichte zu sehen.

er sieht man mal wieder wie unvernünftig menschen agieren

wegen kurzfristiger geschäftlicher interessen, wegen kurzsichtiger klientelpolitik, sind menschen bereit ihre eigene lebensgrundlage aufs spiel zu setzen,.
denn ohne bienen und andere insekten gibt es keine befruchtung von planzen, und somit keine nahrung für mensch und tier

Vielleihct ist es auch nicht nur die Beize, sondern die Art der Bienenhaltung überhaupt.

Was mir einmal ein Imker erzählt hat, wie die Bienen hemmungslos ausgebeutet werden, ihnen der letzte Rest Honig ausgequetschtw wird und sie ststtdessen mit Industriezucker abgefüttert werden, sogar die Wabenform wird zerstört bzw. künstlich hergestellt um mhr bzw. effizienter Honig gewinnen zu können, ...

Da habe ich mir gedacht: Lange werden die Bienen das nichgt mitmachen.

Nicht ganz falsch ...

besonders auch die Art, wie Bienen vermehrt und "gepflegt" werden. Das dürfte aber in Österreich nicht so schlimm sein wie in anderen Ländern, insbesondere den USA, wo die Imkerei teilweise ein von Großfirmen betriebenes Millionendollargeschäft ist und zB massiv Antibiotika und Antimykotika eingesetzt werden.

So ein Blödsinn!

Die Bienen legen einen Wintervorrat an, der vom Imker entnommen wird. Sonst gäbe es keinen Honig. Und ja, als Winterfutter dient Industrie-Zucker aus Zuckerrüben, wie Sie ihn auch tagtäglich zu sich nehmen. Es stimmt auch, dass die Bienen die Waben in vorgegebene Rahmen bauen, andernfalls wären die Waben nicht zerstörungsfrei zu ernten und auch nicht schleuderbar.
Aber glauben Sie mir - jeder Imker ist am Wohl seiner Bienen interessiert, nur so kann Qualitätshonig gewonnen werden.
Was Sie uns mit Ihrer tendenziösen Wortwahl sagen möchten, das bleibt mir verschlossen.

Was ich sagen möchte.
Dass es Wunschdenken ist, irgendein Pestizid auszumachen, das man dann eliminiert und alles ist wieder in Butter.
Es ist nämlich gar nichts in Butter.

Der Gedanke, das die WEISE, WIE wir die Bienenzucht betreiben, ist aber anscheinend schon eine Zumutung für die Imker. Man will "Koffer-Lösungen". Nur gibts die nicht mehr.

Und mir hat der Bruder

meines Freundes, dessen Cousin der kennt einen, den sein Onkel hat eine Freundin, deren Tante hat erzählt, daß der viele Kukuruz gar net gefressen wird, sondern zu Plastikgschirrln umgebaut und verheizt wird, Bravo!

Bestäubung = Hauptgeschäft, Honig, Wachs, Propolis, Gelee Royal ect. = Nebenprodukt.

Als erfahrener Imker kann ich dir sagen, es verhält sich gerade andersherum. Am besten überwintern Völker, bei denen man Mitte Juli (nach der Maisblüte!) alle Waben raus nimmt, und sie auf frisches Wachs setzt und ordentlich füttert. Voraussetzung ist aber eine saubere Pollenquelle (zB Goldrute, oder Biofelder mit Gelbsenf).
Ist aber für den Imker sehr viel teurer und arbeitsaufwendiger als sie auf den alten Waben mit eigenem Honigvorräten sitzen zu lassen. Bei Zuckerpreisen um einem Euro überhaupt nicht attraktiv, auch weil man den Honig aus dem Brutraum praktisch nicht verwerten kann.

Aber sicher doch...

Die zunehmende Bienendichte

bei gleichzeitigem Verbot der Rassenvielfalt spielt sicher auch eine Rolle. Das Bienenthema muss (so wie sehr viele Ökofragen) versachlicht werden.

Die Bienendichte orientiert sich auf natürliche Weise am Nahrungsangebot. Wenns nix zu fressen gibt, wächst auch der Bienenstock nicht.

Und das Nahrungsangebot ist aufgrund überdüngter Felder und Wiesen und aufgrund von Herbizideinsatz in den letzten Jahrzehnten dramatisch geschrumpft. Damit gibts auch weniger Bienen, Hummeln, Schmetterlinge.....

Man sollte wenigstens einen Schimmer Ahnung haben, bevor man den Mund aufmacht oder die Tastatur verschleißt.

Sie wissen aber schon, dass in der modernen Imkerei nicht gewartet wird, bis ein Volk ausschwärmt, um einen neuen Stock vor Ort zu platzieren?

Mit dem Nahrungsangebot hat das gar nix mehr zu tun. Es werden Ableger gebildet, die künstlich mit Zuckerwasser aufgepäppelt werden. Dieser ständige Blick durch die rosarote Brille hilft nicht weiter.

Sagt Ihnen der Begriff "Trachtlücke" etwas?

Stelln Sie sich vor,

ich weiß, dass das nicht der SChlitz von der Lederhosn is.

Meine Vermutung

ist, dass es weniger Bienenhalter als früher gibt, dafür die verbliebenen aber mehr Völker halten. In so fern fämde einen Konzentration statt. Bei jeder Tierart ziehen Konzentrationen Probleme mit Viren, Bakterien, Pilzen nach sich.

Sie wissen aber schon, dass im Regelfall ein Bienenvolk ein in sich geschlossenes System ist, das nicht so sehr auf Freundschaft mit Nachbarvölkern steht, oder? Bienenvölker ignorieren einander und ab und zu gibts Räuberei. Das wars mit Kontakt.

By the way: Haben Sie überhaupt eine Ahnung von Bienenvölkern im Allgemeinen und Imkerei im Besonderen?

Posting 1 bis 25 von 197
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.