Gebeiztes Saatgut gefährdet Bienen

  • Auch französische Forscher belegten: Saatgutbeize kann Bienen so verwirren, dass sie nicht mehr zu ihrem Volk mit der Königin zurückfinden.
    foto: matthias cremer

    Auch französische Forscher belegten: Saatgutbeize kann Bienen so verwirren, dass sie nicht mehr zu ihrem Volk mit der Königin zurückfinden.

Untersuchung zeigt die Schädlichkeit von Beize, aber um die nötigen Konsequenzen wird noch gestritten

Wien - Umstritten war die Melissa-Studie über die Ursachen des Bienensterbens schon länger. So hatte etwa der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirkl huber bereits im Vorjahr kritisiert, dass diese Forschungsarbeit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) nicht unabhängig sei: 17 Prozent der Projektkosten würden von der chemischen Industrie finanziert - eine Anfragebeantwortung durch Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) hatte ergeben, dass an dem Projekt auch die Vereinigung der Pflanzenzüchter und Saatgutkaufleute Österreichs, Syngenta Agro, Bayer Austria und CropScience sowie BASF Österreich beteiligt seien.

Aber seit Mitte März dieses Jahres der Abschlussbericht zur Melissa-Studie präsentiert wurde, ging die Diskussion erst so richtig los. Denn der Verdacht, dass gebeiztes Saatgut die Bienen schädigt, war tatsächlich bestätigt worden: "Es ist unbestritten, dass es einen Zusammenhang zwischen Bienenverlusten und insektizidgebeiztem Saatgut gibt", hatte der Ages-Pflanzenschutzexperte Robert Womastek bei der Präsentation erklärt. Bei 1396 von zirka 367.000 Bienenvölkern in Österreich wurden Schädigungen durch insektizidgebeiztes Saatgut nachgewiesen.

Seither geht es hin und her zwischen Landwirtschaftskammer, Grünen, NGOs und Bauernbund. Denn die Ages hatte trotz dieses Ergebnisses den Einsatz des gebeizten Saatgutes verteidigt: Denn mit "risikominimierenden Maßnahmen" wie der Verbesserung der Beizqualität und der Aussaattechnik könne das Bienensterben eingedämmt werden, wird argumentiert.

Vier illegale Pestizide gefunden

Global 2000 fordert wie auch die Imkerbünde ein Verbot neo nicotinoider Beizmittel, wie es schon in Deutschland und Italien existiert. Die wirksamste Maßnahme gegen den Schädling Maiswurzelbohrer sei ohnehin eine konsequente Fruchtfolge.

Helmut Burtscher, Pestizid-Experte bei Global 2000, wies dar auf hin, dass beim Melissa-Projekt auch vier illegale Pestizide in toten Bienenvölkern aus drei Bundesländern gefunden wurden. Und das sei "in dieser Häufigkeit sehr verwunderlich" und "nicht akzeptabel".

Bauernbund-Präsident Jakob Auer warf Global 2000 wiederum "grob verzerrende und unrichtige Darstellungen" vor, in denen "die Bauern alleinig für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden". Worauf Global konterte, den Schwarzen Peter habe der Melissa-Abschlussbericht den Bauern zugeschoben - indem Verstöße gegen Aussaatauflagen vermutet wurden.

Kein Verbot von Beizmitteln

Dass die Beize Bienen schwer beeinträchtigt, haben indes nun auch französische und britische Forscher nachgewiesen: Laut zwei Untersuchungen, die im Fachjournal Science veröffentlicht wur den, entdeckten Wissenschafter aus Frankreich, dass das Gift die Orientierung der Bienen stört: Die Tiere finden den Weg zu ihrem Volk nicht mehr zurück. Ein britisches Team entdeckte, dass Hummelvölker durch Pestizide stark beeinträchtigt wurden.

Im jüngsten Landwirtschaftsausschuss wurde am Mittwoch wieder kein Verbot von Beizmitteln beschlossen - sondern ein neuer Unterausschuss. (Roman David-Freihsl, 2./3.6.2012)

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