Wassil Bykow gestorben

24. Juni 2003, 21:55
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Literarisches Werk des weißrussischen Schriftstellers war vom Krieg geprägt

Minsk - Drei Tage nach seinem 79. Geburtstag ist in Minsk der weißrussische Schriftsteller Wassil Bykow gestorben. Der bekannteste Autor seines Landes erlag am Sonntag einem Krebsleiden, wie seine Frau Irina mitteilte. Als Kritiker des autokratischen Regimes von Staatschef Alexander Lukaschenko verbrachte Bykow einen großen Teil seiner letzten Lebensjahre in Finnland, Deutschland und Tschechien.

Humanist

"Weißrussland und die Welt haben einen großen Humanisten und Denker verloren", sagte der weißrussische Dichter Rygor Baradulin. Die von den Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg geprägten Erzählungen Bykows wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Bykow wurde am 19. Juni 1924 in einer Bauernfamilie in Tscherenowsina bei Witebsk geboren. Als Student der Witebsker Kunstschule meldete er sich 1941 als Kriegsfreiwilliger zur sowjetischen Armee. Die Grauen des Krieges prägten sein literarisches Schaffen, das 1955 mit der Erzählung "Der Tod eines Menschen" begann. Ins Deutsche übersetzt wurden unter anderem die Erzählungen "Die dritte Leuchtkugel", "Die Falle" und "Die Nacht". Unter Gorbatschow engagierte sich Bykow auch politisch und geriet nach der Auflösung der Sowjetunion in Konflikt mit der Regierung Lukaschenkos. 1988 ging der Schriftsteller nach Finnland, 2000 nach Deutschland. In Frankfurt am Main war er 2001 nach dem iranischen Literaturwissenschaftler Faraj Sarkuhi der zweite Stipendiat des Programms "Netzwerk Städte der Zuflucht". (APA)

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