Israels Präsident Katzav verteidigt gezielte Tötungen

23. Juni 2003, 13:44
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"Pflicht, Bürger zu schützen" - EU-Außenkomissär fordert von Israel Ende gezielter Tötungen

Gaza - Der israelische Präsident Moshe Katzav hat am Sonntag das gezielte Töten von palästinensischen Extremisten verteidigt. "Wenn die Geheimdienste Informationen über die Vorbereitung eines terroristischen Angriffs haben, ist es unsere Pflicht, die Bürger zu schützen", sagte der Staatschef dem US-Nachrichtensender CNN. Katzav bezog sich auf die Tötung von Abdallah Kawasmeh, dem Chef des bewaffneten Hamas-Flügels im Westjordanland.

Bei Festnahme erschossen

Israelischen Armeeangaben zufolge wurde Kawasmeh am Samstag von Elitesoldaten erschossen, als er sich seiner Festnahme entziehen wollte. Er sei für mindestens fünf anti-israelische Anschläge verantwortlich, zuletzt für den Selbstmordanschlag am 11. Juni auf einen Bus in Jerusalem, bei dem insgesamt 18 Menschen starben.

Unterdessen bestätigten Krankenhausmitarbeiter, dass am Sonntagabend im nördlichen Gazastreifen vier Palästinenser getötet wurden. Die vier Männer seien ums Leben gekommen, als ein israelischer Panzer zwei Granaten nahe der Stadt Beit Hanun abfeuerte, hieß es. Mindestens zwei weitere Menschen seien durch die Granaten verletzt worden. Einwohnern von Beit Hanun zufolge gehörten drei der Getöteten den Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Von Seiten des israelischen Militärs hieß es, eine Untersuchung habe ergeben, dass in dem betreffenden Abschnitt keine Armeeeinheit das Feuer eröffnet habe. Dagegen seien mehrere Palästinenser beobachtet worden, die offenbar Sprengstoff transportierten.

"Verdächtiges Profil"

Nahe der jüdischen Siedlung Morag im südlichen Gazastreifen töteten israelische Soldaten am Sonntagabend eine Beduinenfrau. Die Soldaten hätten auf ein "verdächtiges Profil" eines Menschen mit Rucksack das Feuer eröffnet, teilte ein Militärsprecher mit. Die Leiche der Frau wurde später palästinensischen Sicherheitskräften übergeben.

Patten: "Strafaktionen" seien "kontraproduktiv"

Der britische EU-Außenkommissär Chris Patten hat Israel aufgefordert, die "gezielte Tötung" radikaler Palästinenser in den besetzten Gebieten zu stoppen. Diese "Strafaktionen" seien "kontraproduktiv", sagte Patten am Montag in einem BBC-Interview. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass diese "gezielten Tötungen" die Sicherheit Israels erhöhten. Eher deute Einiges darauf hin, dass das Gegenteil der Fall sei.

Israel müsse Acht geben, um nicht die Bemühungen des neuen palästinensischen Regierungschefs Mahmud Abbas (Abu Mazen) zu erschweren, sagte Patten. Er rief beide Seiten zur "extremen Zurückhaltung" auf, um ein Scheitern des Friedensprozesses zu vermeiden. Am Samstag hatte eine israelische Spezialeinheit den Hamas-Anführer Abdullah Kawasmeh in Hebron im Westjordanland getötet, der als Drahtzieher mehrerer Selbstmordanschläge gegen Israel verdächtigt wurde. Mit der Annahme des Nahost-Fahrplans (Roadmap) unter Vorbehalt war Israel die Verpflichtung eingegangen, die völkerrechtswidrigen extra-legalen Tötungen einzustellen.(APA)

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