David Kay, Exinspektor und CIA-Berater, soll verbotene irakische Waffen finden

22. Juni 2003, 21:12
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Diese US-Regierung schafft es, auch noch ihre verzweifeltsten Aktionen mit Ohrfeigen zu verbinden. Diesmal heißt die Watsche David Kay (63) und gilt den Irak-Waffeninspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) und der UNO. Kay soll - und da sind wir bei der Verzweiflung - im Irak die Massenvernichtungswaffen finden, die den US-Spezialteams und danach den Spezial-Spezialteams bisher entgangen sind.

"Kay diente als Atomwaffenchefinspektor und leitete nach dem Golfkrieg im Irak zahlreiche Inspektionen", heißt es in einer US-Quelle anlässlich seiner Ernennung zum Berater von CIA-Chef George Tenet vorige Woche. In die Medien ist der Amerikaner als derjenige eingegangen, durch dessen persönliches Genie das irakische Atomwaffenprogramm entdeckt wurde.

Es ist anzunehmen, dass jemand wie David Kay, der zuletzt Senior Fellow am Potomac Institute for Policy Studies war, ein tüchtiger Kerl ist. Trotzdem einige Präzisionen: Kay kam im April 1991 gleich nach dem Golfkrieg zum "Iraq Action Team" (IAT) der Atomenergiebehörde: als Administrationschef. Als Politikwissenschafter war er kein logischer Chefinspektor, es war eher die Personalnot, die ihn in den Irak brachte. Dort leitete er zwei und eine halbe (der Teamchef wurde kurzfristig nach New York gerufen, Kay übernahm) Inspektion - bevor er das IAT im Herbst desselben Jahres wieder verließ.

Eine der zweieinhalb Inspektionen in seinen sechs IAT-Monaten, im September 1991, ging allerdings in die Geschichte ein: Die Iraker wollten Kay daran hindern, Tausende Seiten von brisanten Dokumenten zu beschlagnahmen, er harrte mit seinem Team vier Tage auf einem Parkplatz in Bagdad aus, per Satellitentelefon mit der Welt - den Medien - verbunden. Die Papiere enthielten den Schlüssel zu Iraks nuklearem Waffenprogramm in den Achtzigern, ein echter Coup.

Von den irakischen Versuchen, zwischen Kuwait-Invasion und Golfkrieg im Schnellverfahren Uran anzureichern, erfuhr die Welt trotzdem erst 1995 - was sich Kay selbst nie negativ anrechnete. Sehr wohl aber machte er Hans Blix, seinen damaligen IAEO-Chef und späteren UNO-Waffeninspektorenchef, persönlich dafür verantwortlich, 1991 nichts vom irakischen Atomwaffenprogramm gewusst zu haben.

Das mag noch angehen, Kay besorgte dann aber noch die Geschäfte von schwedischen Politfeinden Blix', die in Kays Namen Jauche über den früheren schwedischen Außenminister ausschütteten - zur Freude der US-Prokriegsfraktion. Die seriöse Literatur ist sich übrigens darin einig, dass jeder andere Chefinspektor der Spur genauso nachgegangen wäre wie Kay bei seinen zweieinhalb Inspektionen: Der Zund kam von abgesprungenen irakischen Insidern. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.6.2003)

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