"Immer nahe sein, treu wie die deutschen Eichen"

23. Juni 2003, 09:34
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Das freiheitliche Lager feiert Sonnwend mit FPÖ-Chef Haupt als Feuerredner

Wien/Seebarn - Fotografieren war verboten und darüber Berichten am liebsten auch: Nach der Aufregung um Volksanwalt Ewald Stadlers Rede im letzten Jahr herrscht Bunkerstimmung im freiheitliche Lager. Die traditionellen Sonnwendfeiern am Wochenende wollte man alleine begehen. Die Schauplätze: Seebarn in Niederösterreich und am Wiener Hausberg Cobenzl.

Sie habe lediglich Freunde auf die Waldlichtung bei Seebarn eingeladen, ließ Barbara Rosenkranz wissen. Dass selbst ein Fernsehteam des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte angereist war, verdankte die freiheitliche Nationalratsabgeordnete und designierte NÖ-Landesparteiobfrau ihrem Gastredner: Vizekanzler und FPÖ-Chef Herbert Haupt ließ es sich nicht nehmen, die so genannte "Feuerrede" zu halten.

Hatte Stadler sich 2002 noch über die "angebliche Befreiung Österreichs" Gedanken gemacht, ging es Herbert Haupt um die "wahren Werte" und den Umgang mit der Natur. Zusatz: "Die Political Correctness kann unser Rückgrat nicht verbiegen." Und er schwärmte von der "reinigenden Kraft des Feuers" - im Glutregen stehend, der Haupt aufgrund der windtechnisch denkbar ungünstigen Positionierung vor dem Lagerfeuer entgegenflog: "Wir, die wir in den Städten hausen, haben längst den Zusammenhang zur Natur verloren." Fleiß, Ehre, Heimatbewusstsein, Treue und Gemeinschaft seien die "traditionellen Werte, die ernst zu nehmen" seien.

Ortswechsel: "Wollt nimmer von uns weichen, uns immer nahe sein, treu wie die deutschen Eichen . . .", sangen Samstagabend mehr als hundert Burschenschafter am Wiener Cobenzl. Festredner Werner Pfannhauser, Obmann der "Interessengemeinschaft Muttersprache" und Professor an der TU Graz, sorgte sich um "unser Volk". Titel der Rede: "Familie bedeutet Überleben."

"Volksbewusste Menschen sehen im Volk einen Teil ihrer selbst", sagte Pfannhauser. Kinder würden heute eher als Belastung angesehen und "zu Zehntausenden werden sie ermordet, bevor sie auf der Welt sind". Österreich gehe den "gefährlichen Weg von einer Abstammungs- zur Territorialgesellschaft". Und: "Wenn Politiker beginnen das Volk auszutauschen, sollte das Volk beginnen, die Politiker auszutauschen." Der Applaus war ihm sicher. Kommentare verkniff man sich. Wie sagte eine Dame am Cobenzl: "Nicht immer können wir sagen, was wir wollen, aber: Die Gedanken sind frei." (Peter Mayr, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.6.2003)

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