Hamas will Rache für getöteten Führer

22. Juni 2003, 19:35
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"Kawasmehs Tod bleibt nicht ungesühnt"

Gaza/Ramallah/Jerusalem/Amman - Nach der gezielten Tötung des Hamas-Führungsmitglieds Abdallah Kawasmeh durch israelische Soldaten hat die radikalislamische Palästinensergruppe gewaltsame Vergeltung angekündigt. Kawasmehs Tod werde "nicht ungesühnt bleiben", sagte das Hamas-Führungsmitglied Abdelaziz el Rantisi am Sonntag. "Der zionistische Feind muss sich auf eine Antwort der Hamas auf dieses Verbrechen gefasst machen", sagte Rantisi.

Er betonte, dass Kawasmeh der Chef des bewaffneten Hamas-Flügels im Westjordanland gewesen sei. Kawasmeh war am Samstagabend von einer Spezialeinheit der israelischen Armee getötet worden. Kawasmehs Tötung belastet nach Einschätzung des palästinensischen Informationsministers Nabil Amr die Gespräche palästinensischer Gruppen über eine Waffenruhe mit Israel. "Dieser Angriff macht die Sache eindeutig schwieriger", sagte Amr in Ramallah. Er warf Israel vor, den Konflikt mit den Palästinensern bewusst zur Eskalation zu treiben.

Angriffe angedroht

Israel hat unterdessen am Sonntag vor Beratungen des Nahostquartetts über den internationalen Friedensplan weitere gezielte Angriffe auf militante Palästinenser angedroht. Israels Ministerpräsident Ariel Sharon sagte vor der wöchentlichen Kabinettssitzung, so lange die Palästinenser nicht wie gefordert ernsthaft gegen terroristische Organisationen vorgingen, werde Israel seine Aktivitäten zur Wahrung der Sicherheit seiner Bevölkerung fortsetzen. Ägypten und die EU kritisierten die gezielten Tötungen durch Israel und appellierten an beide Konfliktparteien, den Friedensplan umzusetzen.

In der Nacht auf Sonntag wurde ein weiterer Palästinenser im Gazastreifen erschossen. Nach Angaben des israelischen Radios war er dabei beobachtet worden, wie er sich dem Sicherheitszaun der Siedlung Morag näherte. Er habe einen Rucksack getragen und sich verdächtig benommen. "Wir haben vorgeschlagen und sogar gefordert, dass die Palästinenser Verantwortung übernehmen und ernsthaft gegen terroristische Organisationen, Terroristen und ihre Infrastruktur vorgehen", sagte Sharon. Die Kabinettsministerin Tsipi Liwni sagte, Israel werde auch gegen militante Palästinenser vorgehen, die Anschläge planten. "Soll- te die Palästinenserbehörde nicht wirklich die Verantwortung übernehmen, wird Israel weiterhin gegen Zeitbomben vorgehen." (AFP, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.6.2003 )

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