Viele orten Wendepunkt auf der Roadmap

22. Juni 2003, 19:37
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Powell: Liquidierungen sind "Grund zur Sorge"

Amman - Waren die Diskussionen den Irak betreffend teils recht schwammig, so manifestierte sich beim Außerordentlichen World-Economic-Forum-Treffen unter Politikern und Experten hingegen eine erstaunlich große Überzeugung, dass im israelisch-palästinensischen Konflikt ein Wendepunkt erreicht sei. Die Ansicht, dass US-Präsident George Bush diesen Krisenherd genauso entschlossen angehen würde wie den Irak - und wenn nötig, auch Druck auf Israel auszuüben -, wurde nicht nur von Amerikanern vertreten. Ein republikanischer Senator überraschte mit der Aussage, die Vorwürfe an die USA, dass ihre Politik immer israellastig gewesen sei, träfen zu, und die jetzige Administration sei gerade dabei, das zu ändern.

Die Anwesenheit von hohen Repräsentanten des Nahostquartetts - USA, Russland, EU und UNO - wurde zu einem Treffen über den Stand der Umsetzung der Roadmap genutzt. US-Außenminister Colin Powell "bedauerte" die neuerliche "Liquidation" eines Hamas-Mitglieds durch Israel. Er könne nichts dazu sagen, ob der Mann tatsächlich eine "tickende Bombe" gewesen sei, wie die Israelis behaupten. Israel sollte seine Aktionen aber mehr in dem Licht betrachten, welche Konsequenzen sie hätten. "Ja, das ist ein Grund zur Sorge", sagte Powell, der die Frage vom Tisch wischte, ob es nicht peinlich für die USA sei, dass ihre Wünsche von Israels Regierung immer wieder ignoriert würden. Powell sagte auch, dass es nie eine Garantie geben werde, dass keine Angriffe mehr aus den Palästinensergebieten kommen - ein Widerspruch zu Israels Forderung, die Gewalt müsste hundertprozentig gestoppt sein, bevor der Prozess weitergeht.

Sensibles Statement

Das WEF in Jordanien erfreute sich einer großen israelischen Beteiligung. Was sie von jordanischen Politikern bereits gewohnt sind, überrascht manche Teilnehmer von Politikern aus anderen arabischen Ländern: In einem sehr sensiblen Statement, in dem er auch an das Leiden der Juden erinnerte, sprach sich etwa der saudische Prinz Turki Al Saud für eine Versöhnung aus. Von arabischer Seite war immer wieder zu hören, dass Israel ein friedliches Zusammenleben mit seinen arabischen Nachbarn garantiert werde, wenn es Frieden schließe. Ein jordanischer Offizieller erwähnte in diesem Zusammenhang auch Syrien, dem die USA "auch noch verständlich manchen würden, wo es langgeht". (guha, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 23.6.2003)

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