Aktenfresser bekommen laufend mehr zum Vertilgen

22. Juni 2003, 19:02
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Auf eine schnell wachsende Marktnische hat sich der österreichische Franchisebetrieb Reisswolf spezialisiert: die Akten- und Datenvernichtung für Unternehmen

Wien/Linz - "Wir garantieren dem Kunden, dass seine Unterlagen - egal ob Papier, Disketten oder Bänder von Videoüberwachungsanlagen - korrekt entsorgt werden", sagt Reisswolf-Chef Siegfried Schmedler. Dazu stellt Reisswolf versperrbare Sicherheitsbehälter, die es in verschiedenen Größen gibt, Kunden wie Bank Austria oder Uniqa zur Verfügung. Darin werden Akten und Datenträger gesammelt und von Mitarbeitern in abgesprochenen Zeiträumen abgeholt. Gemäß einer Ö-Norm wird dann der Datenträger in die Teilchengröße zerschnipselt, die sicherstellt, dass keine verwertbaren Informationen mehr lesbar sind.

Fünf bis sieben Tonnen Material wird alleine in Wien pro Tag gesammelt. Denn: Hat sich ein Kunde einmal dafür entschieden, seine Unterlagen von Dienstleistern entsorgen zu lassen, unterscheidet er oft nicht mehr zwischen "normalem" Altpapier und Datenmaterial. "90 Prozent unseres Aufkommens ist Papier in Form von Uraltakten", sagt Schmedler. Dabei sind die vier Standorte in Österreich so ausgelegt, dass das Papier samt Büroklammern, Klarsichthüllen oder Heftsystemen zerkleinert werden kann. "Nach Papierqualitäten sortieren ist unsicher und kostet Geld." Da sei es besser, die zerteilten Ballen mit Störstoffanteil an Papierfabriken zu liefern, die sie nach Reinigung von Metallanteilen für Klopapier und Ähnliches verwenden können.

Spezialaufträge

Immer wieder gibt es auch Spezialaufträge. So war Reisswolf in die Euroumstellung involviert und entsorgte erste Andruckbögen. Auch bei Wahlakten, die nach unterschiedlichen Fristen aufbewahrt werden müssen, kommt man des Öfteren zum Zug.

Kern des seit 1997 in Österreich tätigen Unternehmens ist eine ausgefinkelte Logistik, die es erlaubt, auch kleinere Mengen zu sammeln. Schmedler: "Das ist Kunden wichtig, die über ein Filialnetz verfügen." Einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent habe man mit dieser Strategie - von einem Hamburger Franchise-Geber übernommen - erreichen können. Trotzdem glaubt Schmedler an hohes Wachstum in den nächsten Jahren: "In vielen Unternehmen und öffentlichen Stellen wächst erst das Bewusstsein, dass viele Akten nicht auf Papiermüllhalden landen dürfen." Auch wachse das Papiervolumen in den Büros weiterhin stark an. (Johanna Ruzicka, Der Standard, Printausgabe, 23.06.2003)

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