ÖBB kontert Billigairlines mit tiefen Nachtpreisen

23. Juni 2003, 14:10
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Preise ab 29 Euro für ausgewählte Ziele in Deutschland und Italien

Wien - Mit dem friedvollen Nebeneinander zwischen der Bahn und den diversen Billigfliegern ist es nun auch in Österreich vorbei. "Im grenzüberschreitenden Personenverkehr von und nach Deutschland haben wir allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres Einbrüche von zehn Prozent hinnehmen müssen, Richtung Italien lag das Minus bei 15 Prozent. Da müssen wir reagieren", sagt der Leiter des Personenfernverkehrs bei den ÖBB, Erich Forster, zum Standard.

Bei Abfahrt von Wien, Linz und Salzburg werden ab sofort auf den Nachtzügen mit Zieldestination Deutschland Sitzplatztickets um 29 Euro verkauft. "Bei uns gibt es keine versteckten Aufschläge wie bei den Airlines, das sind Komplettpreise", sagte Forster. Bisher kostete die Fahrt beispielsweise von Wien nach Berlin in der zweiten Klasse 108 (hin/retour 216) Euro, nach Hamburg waren 124,6 (hin/retour 149,2) Euro fällig.

Im Liegewagen mit Sechserbelegung kostet die Einfachfahrt inklusive Frühstück 39 Euro (hin/retour: 78 Euro), eine Fahrt im Zweier-Schlafwagenabteil kommt inklusive Abendgetränk und Frühstück auf 69 Euro. Noch günstiger könne fahren, wer eine Vorteilscard habe.

Insgesamt bieten die ÖBB derzeit vier Nachzüge mit insgesamt 250 Plätzen über alle Kategorien zu Billigtarifen an, das sind nach Angaben von Forster zwischen 15 und 25 Prozent aller Karten. Wer ein Billigticket ergattern und an Feiertagen oder besonders stark frequentierten Wochenenden unterwegs sein wolle, dem empfiehlt Forster die Reservierung der Karte einen Monat vor Reiseantritt.

Schweiz bleibt teuer

Voraussichtlich ab Mitte Juli wird ein ähnlich großes Kartenkontingent zu denselben Konditionen wie im Deutschland-Verkehr auch im Nachtsprung von und nach Italien angeboten. Im Zugverkehr von und nach der Schweiz sehen die ÖBB derzeit keine Notwendigkeit, die Preise zu justieren. "Die AUA macht nichts, die Swiss ebenfalls nicht, und auch Billigflieger sind auf dieser Route keine unterwegs", sagte Forster.

Auch der Bahnverkehr von und in die Beitrittswerberländer sei "ein Selbstläufer", vor allem das Incoming-Geschäft sei stark im Steigen begriffen. Im Bahnverkehr zwischen Tschechien und Österreich seien im Vorjahr rund 700.000 Grenzübertritte verzeichnet worden, zwischen der Slowakei und Österreich ebenso viele, bei Ungarn seien es rund 800.000 gewesen und an der slowenischen Grenze etwa 400.000.

Schmerzhaft für die ÖBB sei der Einbruch im Passagieraufkommen vor allem im Deutschland-Geschäft, sagte Forster. Von den 28 Millionen Gästen im Fernverkehr der ÖBB seien rund 21 Millionen innerhalb Österreichs unterwegs und etwa sieben Millionen grenzüberschreitend - etwa 60 Prozent davon zwischen Österreich und Deutschland. "Wenn Leute sparen wollen, fahren sie entweder gar nicht, nehmen verstärkt das eigene Auto oder benutzen Billigflieger", sagte Forster.

Bei den Preisen brauche man keinen Vergleich mit Billigfliegern mehr scheuen. Und die Tatsache, dass die Bahnfahrt deutlich länger dauert als ein Flug, sei kein Nachteil. Forster: "Wir fahren im Stadtzentrum weg und kommen im Stadtzentrum an, die Kunden müssen nicht schon Stunden vorher einchecken, fahren über Nacht und sparen sich auch noch ein Hotelzimmer." (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 23.06.2003)

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ÖBB

  • Die ÖBB versucht nun ihre Kunden von den Vorzügen der Bahn zu  überzeugen
    foto: oebb

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