Friedman schweigt

23. Juni 2003, 11:24
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Parteifreund: "Posse ohne Humor" - Zentralrat steht hinter ihm

Bei dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland und bissigen TV-Moderator geht es aber im Moment weder um Fehl noch um Tadel, obwohl die Medien seit dem 11. Juni über "den Fall" umfangreich berichten. Gesichert ist, dass die Justizbehörden in der Frankfurter Wohnung und im Anwaltsbüro Friedmans drei Säckchen gefunden haben, in denen sich Kokain-Rückstände befanden. Nicht gesichert ist, ob Friedman, der sich gegenwärtig in Italien aufhalten soll, dieses Kokain auch konsumiert hat - alleine oder mit anderen.

An der Person des 47-jährigen Michel Friedman haben sich seit der Zeit, als er entweder als Politiker, als Funktionär jüdischer Organisationen oder als Fernsehmoderator in die Öffentlichkeit trat, Gegner und Freunde gerieben. Er hat sich in den vergangenen Jahren bewusst zur Schau gestellt und andere - durchaus auch mit einer moralischen Komponente - an den Pranger gestellt.

Dies scheint nun auch als Richtschnur bei der Beurteilung seiner eigenen Lage zu dienen, die von einem CDU-Vorständler am Rande der Klausur als "Posse ohne Humor" umschrieben wurde. Viele, die Friedman persönlich kennen, kritisieren, dass er sich nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen in der Öffentlichkeit geäußert hat. Gleichzeitig wird die Darstellung der Person Friedmans in den Medien beklagt, als ob die Attribute eines Menschen gleichbedeutend mit seinem Denken seien - so ein CDU-Oberer.

Nach dem Säckchen-Fund ist aus den Diskussionen eine wilde Geschichte geworden, für die nur schwer verifizierbare Quellen die Grundlage bilden. Eine dieser Geschichten handelt von einer "Verschwörungstheorie", weil "sein Fall" in zeitlicher Nähe zum Tod des FDP-Politikers Jürgen Möllemann öffentlich wurde. Friedman und Möllemann waren im Wahlkampf 2002 vor allem nach dem israelkritischen Flugblatt des Freidemokraten zu erbitterten Gegnern geworden.

Ermittlungen im Bereich der Organisierten Kriminalität füttern das Arsenal der Spekulationen und Gerüchte: Informationen aus dem Prostituierten-Milieu und das Abhören von Handys sollen auf den Namen Friedman im Zusammenhang mit dem Kokain-Fund hingedeutet haben. Von da an wurde "der Fall Friedman" auch im Zusammenhang mit Gerüchten über mögliche Motivationen einer Staatsanwaltschaft eher eine Schmuddelgeschichte über "sex and drugs".

Inzwischen hat der Zentralrat der Juden in Deutschland Friedman den Rücken gestärkt. Sein Präsident Paul Spiegel wies Berichte über eine angebliche Distanzierung scharf zurück. Entsprechende Meldungen "entbehren jeder Grundlage" - ebenso Informationen, der Zentralrat werde im Juli über die Zukunft Friedmans in der Organisation entscheiden. (APA/dpa)

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