Rückstände von Schädlingsgift

1. August 2003, 12:56
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Herkömmliches Obst und Gemüse enthält Konzentrationen von Pestiziden - laut Arbeiterkammer elf von 29 Produkten betroffen

Wien - Herkömmliches Obst und Gemüse enthält nach Angaben der Wiener Arbeiterkammer (AK) Konzentrationen von Pestiziden. Bei einem AK-Test waren elf der 29 konventionellen Produkte belastet, hieß es am Sonntag. Bei inländischen Produkten aus konventionellem Anbau lagen die Belastungen demnach zwischen 1,7 und 48 Prozent der jeweiligen Grenzwerte, bei ausländischer Ware bei 0,1 bis 22 Prozent.

Bioprodukte wurden nicht beanstandet - bei drei der 16 überprüften Bioprodukte fanden sich wohl Rückstände von Schädlingsgift, aber in kleinsten - noch erlaubten - Mengen. Die Arbeiterkammer verlangte mehr Kontrollen und bessere Infos.

Rückstände

29 Produkte (17 aus Österreich, zwölf aus dem Ausland) und 16 Bioprodukte (eines aus Österreich, 15 aus dem Ausland) untersuchten die AK-Tester auf Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Eingekauft wurden Radieschen, Salat, Paprika, Paradeiser, Spargel, Erdäpfel, Erdbeeren und Weintrauben in sechs Supermärkten und von vier Marktständen. Die Proben untersuchte im Mai Q|Lab Austria.

Elf der 29 konventionellen Obst- und Gemüseproben enthielten Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Davon wiesen vier österreichische (Lollo biondo, zwei Mal Erdäpfel und Äpfel) und sieben ausländische Produkte Schadstoffe auf. Die pestizidbehaftete Auslandsware kam aus Südafrika (Trauben), Chile (Trauben), Spanien (Erdbeeren, Paradeiser), Ägypten (Erdäpfel) und Italien (Erdbeeren).

Zwei oder mehr

Manche Produkte enthielten sogar zwei und mehr Pestizide. Keines der Produkte lag über den geltenden Grenzwerten. Spitzenreiter der Untersuchung war mit 48 Prozent des Grenzwertes ein österreichischer Lollo biondo.

Bei drei der 16 untersuchten Bioprodukte wurden Spuren von Pestiziden gefunden. Diese drei ausländischen Produkte, die aus Italien (Bio-Paprika, Bio-Erdbeeren) und Ägypten (Bio-Erdäpfel) kamen, waren auf Grund der niedrigen Werte aber nicht zu beanstanden. Im Vorjahr waren vier von zwanzig untersuchten Bioprodukten zu beanstanden.

AK: Kontrollen verstärken

Die Arbeiterkammer fordert, dass die Pestizid-Kontrollen verstärkt werden. Bei wiederholten Verstößen soll der Betrieb nach Meinung der AK auf seine Kosten die Nachkontrollen durchführen. Die bestehenden Grenzwerte müssten überprüft werden und "möglichenfalls gesenkt werden", betonten die Konsumentenschützer. Viele Schädlingsbekämpfungsmittel würden zudem hormonelle Wirkungen aufweisen. Daher solle Minister Herbert Haupt (F) eine Expertenkommission einsetzen, um das zu überprüfen.

Werden mehrere Schadstoffe nachgewiesen, sollen nach Meinung der AK die Prozentanteile - berechnet vom jeweiligen Grenzwert - der verschiedenen Rückstände auf einem Produkt nicht mehr als hundert Prozent ausmachen. Untersuchungsergebnisse seien rasch zu veröffentlichen, um die Konsumenten umfassend zu informieren. "Wiederholungssünder" sollten öffentlich gemacht werden, hieß es. (APA)

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    Auch Paprika zählt zu den Gemüsesorten, in denen Rückstände von Schädlingsbekämpfungs-Mitteln gefunden wurden.

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