Indien und China vereinbaren Grenzöffnung zwischen Tibet und Sikkim

25. Juni 2003, 11:25
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Indischer Premier Vajpayee zum Verhältnis zu China: "Keiner von uns ist eine Bedrohung für den anderen"

Peking - Indien und China haben die Wiedereröffnung der Grenze zwischen beiden Ländern im Himalaya beschlossen, wie das indische Außenministerium am Dienstag mitteilte. Das Abkommen betrifft die Grenze zwischen Tibet und dem indischen Staat Sikkim. Die Region war 1962 noch Schauplatz eines Krieges zwischen Indien und China.

Das Abkommen sei ein Zeichen dafür, dass Indien und China die Spannungen während der Zeit des Kalten Krieges hinter sich gelassen hätten, erklärte das indische Außenministerium. Der indische Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee hält sich gegenwärtig zum ersten Besuch eines indischen Regierungschefs seit zehn Jahren in China auf.

Vajpayee: China keine Bedrohung mehr

Indiens Regierungschef Atal Behari Vajpayee hat China versichert, dass sein Land die Volksrepublik nicht mehr als Bedrohung betrachtet. "Es gibt keinen objektiven Grund für Zwietracht zwischen uns, und keiner von uns ist eine Bedrohung für den anderen", zitierten die amtlichen Medien am Dienstag den indischen Premier, der sich vor Studenten der Peking-Universität (Beida) äußerte. Am zweiten Tag seines sechstägigen offiziellen Besuches in China wurde Vajpayee von Staats- und Parteichef Hu Jintao und dessen Vorgänger Jiang Zemin empfangen, der als Vorsitzender der zentralen Militärkommission und Oberbefehlshaber der Streitkräfte nach wie vor der "starke Mann" des Regimes ist. Es ist der erste Besuch eines indischen Regierungschefs in China seit zehn Jahren.

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao versicherte in Interviews mit indischen Medien, dass sein Land als Opfer früherer Invasionen und Demütigungen durch imperialistische Mächte keine Vormachtstellung einnehmen wolle, selbst wenn es sich weiter entwickelt habe. Die Entwicklung Chinas stelle keine Bedrohung für andere Länder dar, sondern sei der gemeinsamen Entwicklung der Region förderlich, versicherte Wen.

In einer Erklärung über die künftigen Grundsätze für die Gestaltung der Beziehungen und die Kooperation beider Länder, die Wen Jiabao und Vajpayee am Vortag unterzeichnet hatten, erkennt die indische Regierung nach offiziellen chinesischen Angaben erstmals "ausdrücklich" an, dass Tibet ein Teil Chinas ist. Mit der Erklärung, die als Leitfaden dienen soll, träten die Beziehungen "in eine neue Phase", sagte Wen Jiabao. Der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung haben ihren Sitz in Dharamsala in Nordindien.

Die indisch-chinesischen Beziehungen sind durch einen Grenzkrieg 1962, bis heute fortbestehende Gebietsansprüche sowie die privilegierten Beziehungen Chinas zu Pakistan belastet. Einen Tiefpunkt erreichte das Verhältnis durch Indiens Atomtests 1998 und damals von Vajpayee selbst geäußerte indische Befürchtungen, dass China eine "Bedrohung" darstelle. Von Peking aus hat Vajpayee an Pakistan appelliert, den "grenzübergreifenden Terrorismus" zu stoppen. Bei seinem Arbeitsgespräch mit dem chinesischen Ministerpräsidenten verwies Vajpayee auch auf den Kaschmir-Konflikt. Wen Jiabao habe Vajpayee versichert, dass das Treffen "große Auswirkungen auf die weitere Entwicklung unserer Beziehungen" haben werde, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Das Verhältnis zwischen Indien und China hatte sich in den vergangenen Jahren vor allem durch den gemeinsamen Handel verbessert, der 2002 ein Volumen von rund fünf Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro) erreichte. (APA/dpa)

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    Der chinesische Premier Wen Jiabao (L) und der indische Premierminister Atal Behari Vajpayee (R) wollen die Streitigkeiten ihrer beiden Länder beenden.

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