Bank Austria kommt billiger

24. Juni 2003, 10:24
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Größter Börsengang Europas im Jahr 2003 in entscheidender Phase - Preisband zwischen 27 und 31 Euro - Geplanter Erlös: 1,1 Milliarden

Wien - Maximal 25 Prozent minus eine Aktie der Bank Austria werden ab 9. Juli wieder an der Wiener Börse notieren.

Je nach Anlegerinteresse werden die aus einer Kapitalerhöhung stammenden neuen Stammaktien zwischen 27 und 31 Euro kosten, gaben der Vorstandsvorsitzende Karl Samstag und sein Stellvertreter Friedrich Kadrnoska am Montag bekannt. Experten halten einen Ausgabepreis von 29 Euro für wahrscheinlich. Vom Emissionserlös in der Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro gehen 439 Millionen an die Mutter HypoVereinsbank (HVB), die dafür 19 Prozent an der polnischen BPH-PHB-Bank abgibt. Der Anteil der BA an der drittgrößten Bank Polens steigt damit auf über 70 Prozent.

Totalübernahmen geplant

Dem "Konzept der Regionen" zufolge ist die Bank Austria neben Österreich für das Ost- und Zentraleuropageschäft des HVB-Konzerns zuständig. Weitere 60 Millionen Euro fließen in jüngst fixierte Totalübernahmen von Leasingfirmen in Tschechien und der Slowakei sowie in die Mehrheit an der bosnischen Profit banka.

Interesse an Postabank

Weiterhin interessiert ist die BA-CA aktuell an der ungarischen Postbank. "Wir schauen uns die Postabank an", sagte Kadrnoska. Ob tatsächlich ein unverbindliches Offert gelegt wurde bzw. wird, teilte Kadrnoska unter Hinweis auf eine unterschriebene Vertraulichkeitserklärung nicht mit. Wie berichtet hatte die BA-CA die Privatisierungsunterlagen für die ungarische Postbank angefordert. Als Kaufpreis für die Postabank-Beteiligung waren in der Branche wiederholt rund 200 Mio. Euro genannt worden.

Beschlossene Sache

BA-Chef Karl Samstag betonte, dass die Aufstockung in Polen vor zwei Jahren bereits vereinbart worden sei. Dies sei jetzt "der letzte Schritt, der aus dem ,Bank der Regionen'-Vertrag offen geblieben" sei. Dass die polnische Großbank nach dem "nicht besonders guten" Jahr 2002 jetzt den Turnaround schafft, daran hat Kadrnoska nicht den geringsten Zweifel.

Die Ergebnisse der ersten Monate 2003 und die konjunkturellen Signale stimmten zuversichtlich. "Polen ist unser wichtigster Markt."

"Ordentlicher Preis"

Gerhard Randa, Aufsichtsratsvorsitzender der BA-CA und Vorstand der HVB, sprach gegenüber der APA von einem "ordentlichen Preis", von dem "nicht nur wir, sondern auch die Anleger etwas haben". Das Preisband 27-31 Euro sei am Fronleichnamstag definiert worden. Zu Fragen, welches Maß der Überzeichnung er erwarte, meinte Randa lediglich scherzhaft: "Wir werden sicher nicht darauf sitzen bleiben." Mit Sicherheit werde die Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) ausgeübt, ist Vorstandschef Samstag überzeugt.

Er betonte, dass die HypoVereinsbank auch auch nach Abschluss des Börsengangs der Bank Austria 75 Prozent plus eine Aktie an ihrer österreichischen Tochter halten wird. "Wir gehen nicht davon aus, dass die HVB mehr Aktien abgibt. Das hat Vorstandssprecher Dieter Rampl auch wiederholt deutlich gemacht", sagte Samstag.

Vorstandsmitglied Kadrnoska erklärte, die HVB werde auch nach dem Auslaufen der wie international üblich für 180 Tage festgelegten Haltefrist ihren Anteil halten.

Riskante Struktur

Im Börsenprospekt findet sich für die Zeichner junger Aktien zum Faktum der maßgeblichen Kontrolle der Aktienmehrheit durch die HVB ein eigener Hinweis "Risiken aufgrund unserer Aktionärsstruktur": "Bei unseren Hauptversammlungen wird Ihre Stimme nicht ausreichen, um sich gegen die HypoVereinsbank durchzusetzen."

Das Angebot für die BA-CA-Aktien, die seit gestern, Montag, geordert werden können, richtet sich an private und institutionelle Anleger in Österreich sowie institutionelle Anleger außerhalb Österreichs.

Nichts für Deutsche?

Ein gesondertes Angebot etwa auch für deutsche Privataktionäre gibt es definitiv nicht. "Die HypoVereinsbank notiert mit einer großen Anzahl eigener Aktien", so der Vorstand in Wien. Es werde keine Bevorzugungen für einzelne Aktionäre bzw. Aktionärsgruppen geben, also auch keine Bevorzugung von Privatanlegern, hieß es gestern weiter. "Es wird jeder Aktionär gleich behandelt" - bei Überzeichnung würde die Zuteilung demnach gleichmäßig gekürzt. Auch eine Mitarbeiteraktion gibt nicht.

Dem Fokus auf internationale Investoren folgend, startet Samstag mit seinen Kollegen heute, Dienstag, in Frankfurt eine vierzehntätige internationale Roadshow. Sie führt auch nach London, Nordamerika, in die Schweiz, nach Frankreich und in die Niederlande. (mimo, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.6.2003)

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    montage: derstandard.at
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