Grasser gegen Zerschlagung

24. Juni 2003, 14:23
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Voest-Chefs setzen sich durch: Nach heftigen Protesten zieht der Finanzminister die Notbremse - Eine "Filetierung" komme nicht in Frage

Wien - Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat sich am späten Montagabend, aufgeschreckt durch heftige Proteste aus der oberösterreichischen Landespolitik, klar gegen eine Zerschlagung der Voestalpine ausgesprochen. Er bestätigte damit erstmals die geheimen Verkaufsverhandlungen der Staatsholding ÖIAG mit dem Magna-Konzern von Frank Stronach, mit dem Grasser ein Rückkehrrecht für die Zeit nach seiner Tätigkeit als Finanzminister vereinbart hat. Grassers Sprecher Matthias Winkler will daraus "kein Zerwürfnis" mit Stronach ableiten.

Magna: Keine Stellungnahme

Über das Interesse des austrokanadischen Autozulieferkonzerns Magna an der Autokarosseriesparte des Linzer Stahlkonzerns, samt Weiterverkauf der anderen Voest-Sparten nach einer allfälligen Übernahme hatte DER STANDARD bereits am 12. April berichtet. Offiziell waren die Gespräche zwischen der ÖIAG und Magna stets in Abrede gestellt worden, zuletzt auch von Magna-Top-Manager Siegfried Wolf, der im ÖIAG-Aufsichtsrat sitzt. Von Magna war am Montag keine Stellungnahme zu erhalten.

Eine Filetierung des Konzerns, der noch zu 34,7 Prozent im Eigentum der Republik steht, komme nicht in Frage, bestätigte auch Winkler dem STANDARD. "Alles weitere ist nun Sache der ÖIAG".

Nichts ausgeschlossen

Grasser schloss in der ZiB-2 nicht aus, dass Magna am Ende doch noch zum Zug kommen könne. Er schloss nur aus, dass es nicht zu einer "Re-Verstaatlichung" durch die Übernahme der Anteile durch das Land Oberösterreich kommen werde. Grassers Bedingung: Die Voest-Zentrale müsse im Inland gehalten werden, ebenso die Forschung & Entwicklung. Wer das gewährleisten könne, sei Ansprechpartner für die ÖIAG.

Die Voestalpine-Chefs rund um den Vorstandsvorsitzenden Franz Struzl haben sich damit - zumindest vorerst - durchgesetzt. Struzl plädiert seit geraumer Zeit für eine Privatisierung der ÖIAG-Anteil über die Wiener Börse, um sich einen möglicherweise lästigen "strategischen Partner" vom Hals zu halten.

Privatisierung über die Börse

Winkler sagte, die Staatsanteile an der Voestalpine müssten über die Börse privatisiert werden oder ein anderer österreichischer Kernaktionär übernehme die Anteile der Republik Österreich. Grasser sprach sich für eine "österreichische Lösung" aus.

Angesprochen auf das Interesse der Raiffeisenbank Oberösterreich, der weit und breit einzige potenzielle "österreichische Kernaktionär", hieß es aus dem Umfeld Grassers lediglich: "Ob das so gescheit ist, das ganze Land mit Giebelkreuzen zu überziehen?"

ÖIAG-Pakat 470 Millionen wert

Die Aktie der Voestalpine legte am Montag einen Kursanstieg um 8,15 Prozent auf 34,5 hin. Das ÖIAG-Paket an der Voest ist damit aktuell rund 470 Millionen Euro wert. Die Voestalpine ist einer der profitabelsten Stahlkonzerne Europas. Die erst zwei Jahre alte Sparte "Motion", die Karosserieteile fertigt, macht einen Umsatz von 700 Mio. Euro. (miba/DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.6.2003)

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    montage: derstandard.at
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