IWF-Direktor Köhler rät Argentinien zu Lulas Rezepten

23. Juni 2003, 13:38
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Unterstützung für Politik des neuen Präsidenten Kirchner

Buenos Aires - Der Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, hat der neuen argentinischen Regierung zur Befolgung der wirtschaftlichen und sozialen Rezepte des brasilianischen Präsidenten Luis Inacio "Lula" da Silva geraten. Lula will der Wirtschaft neuen Schwung verleihen und zugleich den sozialen Belangen mehr Gewicht geben. Kurz vor einem Besuch in Buenos Aires fügte Köhler in einem Interview mit der Zeitung "Clarín" am Samstag hinzu, der IWF werde den neuen Präsidenten Néstor Kirchner unterstützen, weil dessen Politik korrekt sei.

Zugleich schloss Köhler jedoch aus, dass während seines Besuchs am Montag und Dienstag bereits Verhandlungen über die Umschuldung der großen Auslandsverbindlichkeiten des südamerikanischen Landes aufgenommen werden. Wichtigstes Anliegen seiner Reise nach Argentinien sei es, die Politik des Landes besser zu verstehen. "Ich hoffe auch, dass Kirchner mich sieht, kennen lernt und das menschliche Gesicht des Fonds wahrnimmt", wurde Köhler zitiert.

Armutsbekämpfung von hoher Priorität

Die Bekämpfung der Armut in Argentinien sei von hoher Priorität, aber es dürfe auch kein künstlicher Widerspruch zwischen sozialen Belangen und der Begleichung der Schulden aufgebaut werden. Sicherlich werde es im Laufe der Umschuldungsverhandlungen einen Teilverzicht der Gläubiger geben, sagte Köhler.

Erst am Vortag hatte der Exekutivrat des IWF die Auszahlung einer weiteren Rate von 320 Millionen Dollar (275 Mio Euro) an Argentinien genehmigt. Sie ist Teil eines Beistandskredits von 3,1 Milliarden Dollar, der für die Begleichung früherer Schulden beim IWF gewährt worden war. Argentinien gilt mit Verbindlichkeiten von mehr als 150 Milliarden Dollar als überschuldet. (APA/dpa)

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    Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler

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