Irak: USA rechnen mit 13 Milliarden Dollar aus Ölexport

24. Juni 2003, 19:53
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Im nächsten Jahr - Geberländer fordern völlige Transparenz

New York - Aus dem Export irakischen Erdöls könnten nach Schätzungen der USA im kommenden Jahr rund 13 Milliarden Dollar (11,24 Mrd. Euro) für den Wiederaufbau des Landes zur Verfügung stehen. Noch in diesem Jahr wird in Washington mit Einnahmen aus dem gerade wieder angelaufenen Ölexport in Höhe von etwa 3,5 Milliarden Dollar gerechnet. Das legten US-Vertreter am Dienstag nach Informationen der dpa in New York bei internen Expertengesprächen von mehr als 30 Geberländern über den Wiederaufbau des Irak dar.

Zahlreiche Teilnehmer des Treffens am UNO-Hauptsitz machten deutlich, dass sie bei einer Beteiligung am Wiederaufbau des Irak völlige Transparenz hinsichtlich der Einnahmen aus dem irakischen Ölexport sowie der Verwendung der Mittel erwarten. "Das ist abgesehen von der Gewährleistung der Sicherheit durch die Besatzungsmächte die herausragende Forderung", sagte ein westlicher Teilnehmer. Zugleich legten viele Geberländer großen Wert darauf, dass die Bildung einer legitimen Regierung in Bagdad voran komme, mit der Verträge über den wirtschaftlichen Aufbau geschlossen werden könnten.

Das Treffen, das vom Leiter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), Mark Malloch Brown, eröffnet wurde, diente der Vorbereitung einer großen Irak-Geberkonferenz im Herbst. Brown verwies in seiner öffentlichen Rede zu Beginn der Beratungen auf die Möglichkeiten der verschiedenen UNO-Organisationen, den Wiederaufbau zu unterstützen.

Kontrolle des Entwicklungsfonds unklar

Bei den weiteren Beratungen hinter verschlossenen Türen sei aber unklar geblieben, inwieweit die Besatzungsmächte auf das UNO-System zurückgreifen wollen, hieß es in Teilnehmerkreisen. Konkret gehe es um die Kontrolle des Irak-Entwicklungsfonds, die derzeit noch weitestgehend bei den USA und Großbritannien liege.

"Wer diesen Fond kontrolliert hat im Irak das Heft in der Hand", sagte ein UNO-Diplomat. Die darüber hinaus von Geberländern als Spenden oder Staatskredite möglicherweise zu erwarteten Zuwendungen würden sich im Vergleich zu den Einnahmen aus dem irakischen Ölexport vermutlich klein ausnehmen. Die US-Delegation regte die Bildung eines Koordinierungsrates an, der die Geberkonferenz vorbereiten solle. In diesem Gremium könnten weitere Einzelheiten der Aufgabenverteilung erörtert werden, hieß es.

An dem Expertentreffen nahmen neben Regierungsexperten sowie Vertretern der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds auch irakische Fachleute teil. Sie waren zuvor von der amerikanisch-britischen Besatzungsautorität unter Irakern ausgewählt worden, die in verschiedenen Ministerien und Staatsunternehmen tätig waren. (APA/dpa)

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    foto: epa/karim sahib
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