Krawalle nach EU-Gipfel in Saloniki

22. Juni 2003, 15:52
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Demonstranten stecken Geschäfte in Brand - Friedliche Demo vor US-Konsulat

Saloniki - Im griechischen Saloniki (Thessaloniki) ist es am gestrigen Samstag bei Protesten von Globalisierungskritikern am Rande des EU-Gipfels zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen rund 200 Randalierer vor, die in der Innenstadt Fensterscheiben zerstörten und Geschäfte in Brand setzten. 73 Menschen wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Auch zwei Österreicher waren darunter. Vor dem schwer gesicherten US-Konsulat in Saloniki demonstrierten rund 25.000 Menschen friedlich gegen die Politik der USA und ihrer europäischen Verbündeten.

Im Allgemeinen seien jene Leute festgenommen worden, die die Polizei angegriffen, Geschäfte und Autos demoliert, Feuer gelegt und überhaupt Schäden in der Stadt verursacht hätten, sagte der Polizeisprecher weiter. Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft am Sonntag gegen 29 Demonstranten, darunter neun Ausländer und drei Minderjährige, Haftbefehle beantragt.

McDonald's Lokal verwüstet

Bei den Ausschreitungen wurde auch ein Lokal der US-Fast-Food-Kette McDonald's angezündet und geplündert. Die Randalierer hatten sich unter die tausenden friedlichen Teilnehmer eines Protestmarsches gemischt. Rund 30 Geschäfte wurden mit Stöcken und Hacken demoliert, zum Teil flogen auch Brandsätze. Einige Autos standen in Flammen. Dicke Wolken von Rauch und Tränengas hingen über dem Zentrum der zweitgrößten Stadt Griechenlands, wo der Protestmarsch am Samstagnachmittag friedlich begonnen hatte. Am Vormittag war der EU-Gipfel im rund 80 Kilometer entfernten Porto Karras zu Ende gegangen.

Viele Randalierer trugen Gasmasken. Einige benutzten Brecheisen, um Schutzvorrichtungen aus Metall an Geschäften zu zerstören, die deren Besitzer vorsorglich angebracht hatten. Bei den Demonstranten handelte es sich mehrheitlich um Griechen, doch auch einige Briten, Amerikaner, Deutsche, Franzosen, Skandinavier, Österreicher und Italiener waren darunter. Einige Passanten seien mit Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte, sagten Augenzeugen.

Friedliche Demo vor US-Konsulat

Bei der friedlichen Demonstration vor dem US-Konsulat wurde unter anderem ein Schuldennachlass für Entwicklungsländer und die Einführung von Kontrollen für weltweit agierende Konzerne gefordert. Zu den Demonstrationen hatten Gewerkschaften und linksgerichtete Organisationen aufgerufen.

Bereits am Freitag Einsatz von Tränengas

Bereits am Freitag war die Polizei mit Tränengas gegen Demonstranten in Saloniki vorgegangen. Außerdem hatte eine kleine Gruppe von Demonstranten versucht, in die "rote Zone" um Porto Karras, auf der Halbinsel Chalkidike südlich von Saloniki vorzudringen. Sie wurden mit Tränengas und Wasserwerfern vertrieben. Griechenland hatte etwa 16.000 Sicherheitskräfte rund um den Tagungsort in der Küstenregion stationiert, um den EU-Gipfel vor Ausschreitungen und Anschlägen zu schützen. (APA/Reuters/AP)

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    Demonstranten und Polizei liefertensich am Samstag in Thessaloniki Gefechte. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm Gewalttätige fest.

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