Ergebnis der Haarprobe soll Friedman belasten

20. Juni 2003, 21:56
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Nach einer Beschwerde des Anwalts von Michel Friedman verhängte die Berliner Justiz eine Informationssperre - dennoch berichteten Berliner Medien über seine Haaranalyse

Nach Informationen der "Berliner Zeitung" sind in der Haarprobe des TV-Moderators und Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, "Rückstände chemischer Substanzen gefunden" worden. Dies soll auf Drogenkonsum hinweisen. Bei einer Hausdurchsuchung hatten die Fahnder drei Tütchen mit Kokainspuren entdeckt. Die Berliner Justiz wollte das Ergebnis der Haaranalyse am Freitag weder bestätigen noch dementieren. Sie verwies auf eine Informationssperre.

Zuvor hatte Friedmans Anwalt der Justiz eine "öffentliche Hinrichtung" vorgeworfen. Der Anwalt legte offiziell Beschwerde wegen der Durchsuchung und der Haarprobe ein. Beides seien massive Eingriffe in die Grundrechte Friedmans. Sollte ein Gericht der Beschwerde stattgeben, könnten die Ergebnisse der Durchsuchung und der Haaranalyse gerichtlich nicht verwertet werden.

Prominente im Visier

Der Verdacht gegen Friedman war im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen ukrainische und polnische Menschenhändler entstanden. Ein Video soll Friedman im Kontakt mit zwei Prostituierten zeigen. Im Zuge der Ermittlungen sind die Fahnder laut Berliner Zeitung noch auf mindestens ein hochrangiges Vorstandsmitglied einer großen deutschen Partei gestoßen. Zu den Kunden des Callgirlringes sollen auch bekannte Medienvertreter und Sportfunktionäre gehören.

Friedman kann inzwischen auf prominente Schützenhilfe zählen. Die "Bild"-Zeitung, die bisher über die "Affäre Friedman" ausführlich berichtete, vollzog am Freitag eine Kehrtwende. Die Schlagzeile: "Es gibt keine Rechtsgrundlage, ihm Moderation zu entziehen". Die Zeitung ließ nur Politiker und TV-Manager zu Wort kommen, die sich für Friedman einsetzten. Justizministerin Brigitte Zypries wandte sich gegen die Vorverurteilung Friedmans. (DER STANDARD, Printausgabe, 21/22.6.2003)

Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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