Geburtstag eines Umstrittenen

26. Juni 2003, 19:00
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Gemäß seiner eigenen Weltuntergangs-Prognose wird Alexander Tollmann heuer minus vier Jahre alt

Wien - Wären seine eigenen Prophezeiungen Ende der neunziger Jahre tatsächlich eingetreten, hätte Geologe und Grünaktivist Alexander Tollmann seinen 75. Geburtstag am 27. Juni wohl kaum erlebt. Doch der so genannte Millenniumskomet ignorierte Behauptungen des Propheten Nostradamus - auf den Tollmann sich bezog - und flog im Oktober 1999 im Respektabstand an der Erde vorbei, der Weltuntergang blieb aus.

Werdegang

Tollmann wurde 1928 in Wien geboren. Nach Matura und Studium - er promovierte "sub auspiciis praesidentis rei publicae" - wurde er 1953 Assistent und 1972 Ordinarius am Geologischen Institut der Universität Wien. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 verfasste der Geologe über 200 Fachartikel. An Büchern stammen etwa "Ostalpensynthese" (1963), "Alpine Deckentektonik" (1973) oder "Bau der Nördlichen Kalkalpen" (1976) aus Tollmanns Feder. Sein dreibändiges Standardwerk "Die Geologie Österreichs" erschien zwischen 1977 und 1986.

Umweltaktivist

Mit Umweltfragen beschäftigte sich der Wissenschafter bereits zu Zeiten, als rauchende Schlote noch als willkommenes Zeichen des Fortschritts galten. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er mit der Anti-Zwentendorf-Bewegung bekannt. Der negative Ausgang der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks im Jahr 1978 wird nicht zuletzt auf ein geologisches Gutachten Tollmanns zurückgeführt.

Beflügelt vom Erfolg der Zwentendorf-Bewegung gründete Tollmann die Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ). Tollmann zog sich nach dem enttäuschenden Ergebnis bei den Nationalratswahlen 1983 aus der Parteipolitik zurück. Damals hatten die "bürgerlichen Grünen" 1,93 Prozent der Stimmen erreicht.

Hang zu Katastrophen

In den neunziger Jahren engagierte sich Tollmann im Rahmen der "Arge Nein zur Atomenergie - Ja zur Umwelt" gegen den österreichischen Beitritt zur EU und für die Beibehaltung der Neutralität. Gleichzeitig beschäftigte er sich, gemeinsam mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau Edith, mehr und mehr mit irdischen Katastrophen. So brachte das Forscherehepaar 1993 das 560 Seiten starke Buch "Und die Sintflut gab es doch" heraus.

Ursache für die von Tollmann auf 7553 vor Christus datierte Flutkatastrophe, welche unter anderem das legendäre Atlantis ausgelöscht haben soll, war nach Ansicht des Geologen der Aufschlag eines gewaltigen Kometen auf der Erde. Stirnrunzeln unter Fachkollegen erregte nicht zuletzt die Aussage, dass die Katastrophe "am 23. September um drei Uhr früh" stattgefunden haben soll. Die Tollmanns beriefen sich dabei auf Fakten aus der Mythologie.

Irrtum

Ende der neunziger Jahre prophezeite er den Dritten Weltkrieg und die "Endkatastrophe" in Form eines verheerenden Kometeneinschlages 1999 auf der Erde, welcher die menschliche Zivilisation endgültig vernichten werde. 1998 erschien sein Buch "Das Weltenjahr geht zur Neige". Tollmann untermauerte darin seine Thesen mit den Schriften des Nostradamus. Nach dem Ausbleiben der Katastrophe räumte der Wissenschafter ein, dass sich Nostradamus möglicherweise geirrt haben könnte. (APA)

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