New Economy

20. Juni 2003, 20:21
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Was hat Karl-Heinz mit Silvio gemeinsam? - eine Kolumne von Günter Traxler

Was hat Karl-Heinz mit Silvio gemeinsam? Auch ihm wurde in den letzten Tagen viel Unrecht angetan, aber auch er hat seine blütenweiße Weste vor allen Befleckungsversuchen triumphal bewahrt und den Dreckschleuderern die verdiente Verachtung entgegengeschleudert. Ein echter Herold der New Economy auch er, wie viele Anzeichen beweisen.

Hervorstechendes Charakteristikum der New Economy ist bekanntlich ihre Gemeinnützigkeit. Leider gibt es immer noch unaufgeklärte Menschen, die das Wort in diesem Zusammenhang auf dem vorderen Teil betonen, und solange dies der Fall ist, ist jeder Euro, den hiesige Industrielle für ihre Förderung springen lassen, nützlich. Kleine Geister haben damit ein Problem, sie meinen, eine Homepage, die den Finanzminister als süßes Baby und Erkletterer von Kirchtürmen zeigt, könne weder den Anspruch erheben, auf alte Art gemeinnützig noch auf neue Art ökonomisch zu sein.

Das ist grundfalsch. So ist der wichtigste Grund für die eben beschlossene Pensionsreform, dass es in diesem Land schon jetzt zu viele Pensionisten gibt und zu wenige Kinder, die sie dereinst erhalten könnten. Die Darbietung des Ich-Aktionärs im Gitterbett sollte Betrachter seiner Homepage an ihre staatsbürgerliche Zeugungspflicht erinnern, und sie wird diesen Zweck zweifellos ebenso erfüllen, wie der Ich-Aktionärs auf der Spitze des Stephansturms in jedem Sozialschmarotzer den Gipfelstürmer weckt, eine Gesinnung, die wir in Zeiten wie diesen dringend brauchen.

Das andere Prinzip der New Economy ist: mehr privat, weniger Staat. Ganz in diesem Sinne wurden zur Führung des Vereins zu deren Förderung nicht irgendwelche außen stehende Vereinsmeier herangezogen, denen man erst mühsam erklären muss, was sie mit dem Geld der Industriellenvereinigung an Gemeinnützigkeit alles anstellen könnten, sondern Menschen, die auch privat das Vertrauen des Finanzministers genießen und seine Vorstellungen ohne bürokratische Skrupel umsetzen. Um jedem Verdacht eines Missbrauchs von Amtsräumen vorzubeugen, wurde der Sitz des Vereins in der Privatwohnung seines Kabinettschefs aufgeschlagen. Es heißt ja nicht ohne Grund "Homepage".

Dass der darauf angehimmelte Förderer der New Economy aus der Himmelpfortgasse auch gleich dorthin übersiedle, mag ein Wunsch der Opposition sein, wie er typisch ist für jene, die nicht verstehen wollen, was die Industrie da eigentlich gesponsert hat.

Deren Generalsekretär hat es verraten: Man wollte Grasser als "Gegengewicht zu der Kleinen-Mann-Politik, die es damals in der FPÖ" gab, fördern, "ihn in dieser Überzeugung stärken", gestand Lorenz Fritz im Kurier und bestätigte: "Das hat er auch gemacht." Nun hat Jörg Haiders Geschwafel vom kleinen Mann noch keinem Industriellen wehgetan, und Grasser ist ihm darin auch nie gefolgt. Warum also mehr als 200.000 Euro ausgeben - wenn es nicht für die Stärkung in der Überzeugung war, der schmucke Schnösel könnte durch Abkehr von Haider und Einschwenken auf Schüssel der ÖVP eine Menge Wählerstimmen bringen?

So gesehen, war das Geld gut angelegt. "Das war ein einzelnes Projekt, dabei ist es geblieben", präzisierte Fritz. Wäre es wirklich nur um die Förderung der New Economy gegangen, hätte der Wirtschaftsminister das Geld viel dringender benötigt. Der rennt sich dafür die Sohlen ab und muss sich dann auch noch mit Schuhverkäufern um einen Rabatt raufen. Ganz zu schweigen vom Kanzler, der schon öffentlich in den sauren Apfel beißt, um auf seine Lage hinzuweisen. Kann ihm die Industriellenvereinigung nicht wenigstens einen Fresskorb auf die Regierungsbank ins Parlament schicken? (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.6.2003)

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