Warum dieses Misstrauen?

20. Juni 2003, 20:08
13 Postings

Ein Kommentar der anderen von John Quintus, US-Botschaftsrat in Wien, zu den US-Einreisebedingungen

In der Ausgabe des Standard vom 16. Juni fanden sich zwei Artikel über die US-Gesetzgebung, derzufolge für die Einreise in die USA nach dem 30. September 2003 laut dem Visa-Waiver-Programm maschinell lesbare Pässe und nach dem 30. September 2004 Pässe mit biometrischen Daten erforderlich sind. Die Verfasser dieser Artikel betrachten diesen Beschluss offensichtlich als fehlgeleitet sowie als krasse Verletzung der Privatsphäre des Einzelnen.

Unser Ziel, Reisedokumente sicherer zu gestalten und Fälschungen vorzubeugen, wird von den meisten, wenn nicht allen Regierungen der Welt geteilt. Die Technologie hat seit der Zeit, als Pässe noch von Hand gefertigt wurden, massive Fortschritte gemacht. Die Verwendung eines Fotos des Passinhabers als Identifikationsmittel wird nicht infrage gestellt - warum besteht also dieses tiefe Misstrauen gegenüber anderen biometrischen Erkennungsmethoden?

Die Verfasser der Artikel machen ominöse Andeutungen über den möglichen Missbrauch dieser Daten, und behaupten, dass nicht berechtigte Personen diese Daten fälschlich benutzen könnten.

Es ist jedoch nicht klar, warum der Missbrauch von Fingerabdrücken schlimmer wäre als der Missbrauch anderer Erkennungsdaten in einem Pass.

Tatsächlich ist die Leichtigkeit, mit der Fotografien und gedruckte Daten in herkömmlichen Pässen verändert oder ersetzt werden können, der Grund für unsere Regierung (und die anderen Länder), neue, sichere Wege der Identifikation zu beschreiten: In den USA wurde kürzlich mit der Ausstellung von Pässen mit digitalisierten Bildern begonnen, da bisher verloren gegangene oder gestohlene amerikanische Pässe oft mit anderen Fotos ausgestattet wurden. Unsere Regierung will diesen Missbrauch mithilfe moderner Technologien stoppen.

Österreich und der Rest der Welt haben die Wahl, ob sie die Biometrie nutzen wollen oder nicht. Wir glauben, dass sich alle Regierungen ernsthaft mit den Vor- und Nachteilen der biometrischen Technologie auseinander setzen sollten, und zwar im Kontext fundamentaler Anliegen wie dem Kampf gegen den Terrorismus, das internationale Verbrechen und die illegale Einwanderung.

Selbstverständlich sind Regelungen, die die Privatsphäre des Einzelnen schützen und den Missbrauch der gesammelten Daten verhindern, der Schlüssel für die erfolgreiche Umsetzung eines biometrischen Programms. Die Vereinigten Staaten sowie andere Länder und internationale Organisationen, wie die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation, sollten weiterhin gemeinsam an diesem und ähnlichen Projekten arbeiten, um die Welt für uns alle sicherer zu gestalten. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.6.2003)

Von Dr. John Quintus, US-Botschaftsrat für Öffentlichkeitsarbeit in Wien

Weitere Informationen über Pass- und Visaregelungen für die Einreise in die USA finden Sie unter US Embassy.at

Share if you care.