Powell sieht Hamas als Friedensfeind

20. Juni 2003, 19:45
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US-Außenminister bei Sharon und Abbas - Neuer Anschlag

Colin Powell schien sich mit Ariel Sharon darin einig zu sein, dass der Fortbestand der palästinensischen Terrorgruppen das erste und größte Hindernis für den Einstieg in den Friedensplan sei: "Die Hamas übernimmt die Verantwortung für diese terroristischen Akte, die Feindin des Friedens speziell über die letzten zwei Wochen war die Hamas", sagte der US-Außenminister am Freitag in Jerusalem nach seiner Unterredung mit dem israelischen Premier.

Sharon hatte zuvor von seiner Bereitschaft gesprochen, "den letzten Entwicklungen eine Chance zu geben". Es handle sich um die "Geburtswehen eines Prozesses", aber "so lange der Terror weitergeht, so lange die Verhetzung tobt, wird es keinen Fortschritt geben - es gibt keinen Frieden mit Terror." Während die beiden Politiker sich der Presse stellten, wurde bei Ramallah wieder ein israelisches Auto unter Beschuss genommen, einer der Passagiere wurde getötet und drei verletzt.

Befristete Waffenruhe

Es war bloß ein Gelegenheitsbesuch von Powell, der wegen einer Tagung des Weltwirtschaftsforums in Amman in der unmittelbaren Nachbarschaft war und sich rasch mit einem jordanischen Hubschrauber einfliegen ließ, um bei Israelis und Palästinensern nach dem Rechten zu sehen.

Schon seit Wochen bemüht sich Premier Mahmud Abbas vergeblich um eine "Hudna", eine Art befristete Waffenruhe mit allen radikalen Palästinensergruppen. Ein solches innerpalästinensisches Abkommen wäre die Voraussetzung dafür, dass der Rückzug der israelischen Armee anlaufen könnte. Bei seinem Treffen mit Abbas, das für den Nachmittag in Jericho geplant war, wollte Powell ihn "drängen, sehr schnell Sicherheitsreformen durchzuführen und spezifische Pläne vorzulegen, um die Verantwortung für die Sicherheit in Gaza und in Bethlehem zu übernehmen". Zur Unterstützung von Abbas will Powell "die EU, das Nahostquartett und andere Freunde" gegen "die Hamas und andere ähnliche Organisationen" mobilisieren, damit "jeder nur mögliche internationale Druck" auf sie ausgeübt wird.

Bei den Verhandlungen mit Abbas hatten die Extremistengruppen unter anderem eine Garantie dafür verlangt, dass Israel mit den "gezielten Tötungen" von Terror-Drahtziehern aufhört. Powell meinte dazu, er verstehe die Notwendigkeit, einen Terroristen abzufangen, der als "tickende Bombe" einzustufen sei. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.6.2003)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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