Süßer Berg

7. August 2003, 13:29
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Grießbrei: Manche mögen ihn - sogar im Sommer. Andere gewinnen ihm nichts ab, egal wann. Sechs Personen aßen sich durch sechs Industrie- und einen homemade Brei. Christa Öhlinger schrieb auch noch mit.

"Komm, wir wollen Grießbrei essen, einmal du und einmal ich. Mach kein Mäulchen, lass das Greinen, sieh dein Wurstel fürchtet sich!" Mit dieser poetischen Aufforderung von Margarete Seemann wurde den Kindern im Jahr 1931 das Grießkoch schmackhaft gemacht. Jene unter uns, die mit Grießbrei keine zuckersüßen Erinnerungen verbinden, werden bei diesen Zeilen Mitgefühl verspüren und an scheinbar unüberwindliche Mengen wohlgemeinten nährreichen Papps zurückdenken. So ähnlich wie schon weiland alle, die ins Schlaraffenland vordringen wollten und einer Wand aus Brei gegenüberstanden. Das war zwar Reisbrei, aber Breiverächter sehen hier keinen Unterschied. Und auch in Grimms Märchen vom süßen Brei ist nicht die Rede von Wohlgenuss, sondern von Sättigung und Unmengen - diesmal an Hirsebrei. Für alle, die mit Grießbrei nostalgische Erinnerungen an wohligen Zimtgeruch, Duft von frisch geraspelter Schokolade und fein zerlassener Butter verbinden und für die Grießbrei noch heute zum Leben gehört wie der Schnee zum Winter, ist dieser Test eigentlich gedacht. In Ihren Köpfen tauchen jetzt sicherlich verklärte Bilder vom dampfenden Grießkoch auf, mit dem die Großmütter so manchen Abend versüßten und das Kranksein zur Wonne machten. Der unnachahmliche Geschmack von körnigem Grieß, Milch, Zimt und Zucker liegt Ihnen noch förmlich auf der Zunge.


Die Kriterien:

Doch zurück zur Realität des Jahres 2003. Wir leben in einer Zeit, in der Fertigprodukte den Markt beherrschen. In Supermärkten sind allerlei unterschiedliche Grießvariationen erhältlich. In ihrer Zusammensetzung weisen sie zumindest Ähnlichkeiten mit Grießbrei auf. Dass wahrscheinlich nicht unbedingt alle Hersteller mit ihren Produkten den Grießbrei mimen wollen, wurde bei der Verkostung berücksichtigt. Es gibt deshalb auch keine Reihung. Stattdessen wurde (unter den erwachsenen Testern) nach dem größtmöglichen Nahverhältnis der Grießdesserts zum selbst gemachten Grießkoch gesucht, das mit seiner idealen Körnigkeit, dem verführerischen Duft, nicht zu süß und nicht zu fad den Inbegriff der beglückenden Süßspeise darstellt.
Da Grießbrei eine Sache ist, die Jung und Alt verbindet und viel mit Familie zu tun hat, sind alle Testpersonen Mitglieder einer Familie. Die Altersspanne reicht von 1,5 bis 84 Jahren und umfasst vier Generationen.


Die Ergebnisse:

Beginnen wir mit den Favoriten der beiden jüngsten Schlemmer. Für sie zählt allein: Schmeckt's oder schmeckt's nicht?

Landliebe Grießpudding mit Schokolade wurde nach einem zaghaften Kosten unserer jüngsten Testerin, deren erklärter Liebling. Leicht nach Kakao duftend, einem klassischen Pudding näher als einem Grießbrei, dementsprechend wenig körnig und nicht zu süß, aber sehr sahnig. Diese beinahe ideale Zusammensetzung bezauberte auch alle anderen Verkoster. Wir waren uns einig: Als Grießpudding sehr empfehlenswert und den Varianten Zimt, Vanille und Sahne vorzuziehen.
Grießpuddinge von Landliebe, zwischen 6,9 und 8,1 g Fett pro 100 g, 150 g, € 0,69 bei Merkur und Spar.

Für die Testpersonen zwischen 26 und 84 unerklärlich - aber dennoch ernst zu nehmen: die Testsieger des zweitjüngsten Leckermäulchens (sechs Jahre alt).
Desira Grießbrei mit Apfel (ex aequo mit Grieß-Traum Pfirsich von Ehrmann). Was dem erwachsenen Gaumen künstlich erscheint, fasziniert offensichtlich den Kindermund. Der Grießbrei von Desira erfüllte grundsätzlich die Erwartungen, die man an einen Grießbrei aus dem Kühlregal stellt. Die beinahe ideale Körnigkeit, gepaart mit cremiger Konsistenz musste nur durch den Zusatz der synthetisch schmeckenden und riechenden Apfelmasse Einbußen an Sympathie bei den Erwachsenen hinnehmen.
Desira Grießbrei Apfel (auch mit Erdbeerzusatz erhältlich), 2,8 % Fett, 200 g, € 0,45 bei Hofer.

Als locker-leichtes Grießdessert erinnert der Grieß-Traum Pfirsich von Ehrmann eher an luftig aufgeschlagene Topfencreme als an Grießbrei. Die Körnigkeit fehlt hier fast gänzlich. Holt man die am Boden befindliche aromatisierte Fruchtmasse an die Oberfläche des Bechers, ergibt das in Summe ein unansehnliches Irgendwas, dem die Luftigkeit abhanden gekommen ist und das vor allem künstlich schmeckt und ein leicht mehliges Gefühl am Gaumen hinterlässt. Kinder im Vorschulalter sind von der Süßwarenindustrie an Geschmackskapriolen dieser Art offenbar gewöhnt. Wir Erwachsenen konnten diesem Produkt unisono nicht viel abringen.
Grieß-Traum Pfirsich von Ehrmann (auch mit Kirsche und Apfel-Zimt-Zusatz erhältlich), 4,3 g Fett pro 100 g, 125 g, € 0,35 bei Spar.

Der Landliebe Grießpudding mit Sauerkirschen ist erst seit kurzem auf dem Markt. Das Besondere an diesem Produkt ist seine durchdachte Verpackung. Der Becher ist in zwei voneinander getrennte Bereiche geteilt, die nur durch den Deckel verbunden sind. Im Extrateil befindet sich die wunderbar hellrote, angenehm säuerlich und absolut fruchtig schmeckende Kirschsauce. Sie kann nach Belieben über dem bewährten Grießpudding verteilt werden, ohne dass man davor den Inhalt des gesamten Bechers umrühren muss, um dadurch an die Früchte zu gelangen. Einem absolut ästhetischen Schlemmvergnügen steht damit nichts mehr im Weg. Diese Lösung, gepaart mit der hohen Qualität der Grießbasis, macht dieses Produkt für uns Große zu einem Favoriten unter den getesteten Grießleckereien.
Landliebe Grießpudding mit leckeren Kirschen, 6,9 g Fett pro 100 g, € 0,69 bei Merkur und Spar.

Dem selbst gemachten Grießkoch am nächsten, von idealer Körnigkeit und dennoch cremig, wurde das Grieß Töpfli von Emmi zum eindeutigen Testsieger der großen Grießbrei-Liebhaber gekürt. Bereits nach den ersten Kostproben waren überraschte "Ahs" und "Ohs" zu hören. Das Grieß Töpfli schaffte es auch, die langjährige Anhängerin einer anderen Marke in seinen Bann zu ziehen. Besonders die Apfel-Zimt-Variante stieß auf großen Zuspruch. Dezent und dennoch aromatisch (fast so gut wie selbst gemachtes Apfelkompott), erfährt die ohnehin schon köstliche Grießmasse mit der Apfelsauce eine wunderbare Veredelung und wird zum wahren Geschmackserlebnis.
Grieß Töpfli von Emmi (auch als Classic mit Sahne erhältlich), 7,2 g Fett pro 100 g, 175 g, € 0,79 bei Spar.

Unübertroffen und außer Konkurrenz das Grieskoch, mit dem Oma groß wurde und das die Urenkel heute noch liebend gern vernaschen: 3/8 l Milch, 3 Esslöffel Gries, 1 Kaffeelöffel Butter, 1 Esslöffel Kristallzucker und Zimt.
Milch, Butter und eine feine Prise Salz aufkochen, Grieß einstreuen und ungefähr fünf Minuten durchkochen. In flache Suppenteller füllen und mit Kristallzucker, Zimt und Butterflocken verfeinern und genießen!

Nur der Vollständigkeit halber sei auch noch der Grießbrei mit Pfirsich von Hipp erwähnt. Als Babynahrung spielt er in einer anderen Liga als Desserts für große Kinder. Deshalb fehlen hier auch genauere Angaben zu Duft, Konsistenz und Geschmack. Gekostet haben ihn aber alle!
Mit Zutaten aus biologischer Landwirtschaft und jeder Menge zugesetzter Vitamine und Mineralstoffe trägt er auf jeden Fall bei zu einem guten Gedeihen aller Kleinkinder (empfohlen schon ab dem achten Lebensmonat, in der Variante mit Schokolade auch schon ab dem sechsten Lebensmonat).
Hipp Griesbrei mit Pfirsich (oder auch mit Schokolade): 1,9 g Fett pro 100 g, 220 g,
€ 1,09 bei Bipa. [] (DER STANDARD, ALBUM, Printausgabe vom 21./22.6.2003)

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.
  • Artikelbild
    foto: öhlinger verlag "die türkische küche"
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