Mit Klein-Lkw zum Hauptverband

20. Juni 2003, 18:57
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Pharmafirmen klagen: "Riesenaufwand bei Arzneigenehmigung"

Wien - Die in Österreich tätigen Pharmafirmen fühlen sich vom Hauptverband gegängelt und überlegen eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. "Wenn für ein Medikament die Aufnahme in das Heilmittelverzeichnis beantragt wird, muss die betroffene Firma mit einem Klein-Lkw vorfahren, um die Papierstöße zu befördern. Die Verhältnismäßigkeit lässt zu wünschen übrig", sagte der Präsident des Branchenverbandes Pharmig, Ulrich Bode, dem STANDARD.

Obwohl schon bei der Zulassung einer Arznei eine ausführliche Dokumentation zu Wirkung und Nebenwirkung des Präparats geliefert werden müsse, seien beim Antrag zur Aufnahme in das Heilmittelverzeichnis nochmals rund 500 Seiten an Unterlagen fällig. Damit nicht genug. Bode: "Wir müssen zudem 34 Kopien abliefern - für jedes Kommissionsmitglied eine. Das sind rund 17.000 Seiten pro Antrag und Medikament."

Da nur Präparate, die im Heilmittelverzeichnis stehen, auf Kassenkosten verschrieben werden können, ist das Interesse der Pharmafirmen groß, möglichst viele Medikamente "anerkannt" zu bekommen. Mit Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie durch die heuer in Kraft getretene 60. ASVG-Novelle gibt es jetzt zwar eine klare Vorgehensweise bei der Aufnahme von Medikamenten in das Heilmittelverzeichnis und auch eine Berufungsmöglichkeit bei Ablehnung. "Die bürokratischen Hürden hat man dafür aber enorm erhöht", sagte Bode.

Keine Entspannung gibt es zwischen Pharmaindustrie und Hauptverband in Sachen Arzneimittelpreise. Während Vertreter der Industrie darauf hinweisen, dass die Abgabepreise hierzulande um rund 16 Prozent unter dem EU-Durchschnitt liegen und nach oben angepasst gehörten, will man davon im Hauptverband nichts wissen. "Wir müssen sparen, die Preise müssen weiter sinken", heißt es dort. (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 21.06.2003)

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